Die Grossen Top, die Kleinen eher Flop

Eine Corporate-Governance-Studie von zCapital zeigt kleine Fortschritte auch in der Finanzbranche und Mängel bei den kleineren Instituten. In der zweiten Corporate-Governance-Rangliste der 130 SPI-Extra-Unternehmen ragen die Finanzunternehmen keineswegs heraus. Im Gegenteil: Unter den Top ten ist in der zCapital-Studie nur Swissquote vertreten. Valiant auf Platz 11 und die St.Galler Kantonalbank auf Rang 19 schneiden ebenfalls noch gut ab.

SMI-Titel gut positioniert

Unter den SMI-Unternehmen indes machen die Finanzwerte indes gute Figur: Alle sechs klassieren sich im zCapital-Rating in der ersten Hälfte: Julius Bär auf Platz 3, gefolgt von Credit Suisse (4), Zurich (6), Swiss Re (8) sowie UBS und Swiss Life auf dem geteilten zehnten Platz.

Die Corporate Governance der Schweizer Unternehmen sei mehrheitlich zufriedenstellend und habe sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert, meint zCapital. Die erste CG-Studie von zCapital im vergangenen Jahr hat wohl auch das ihre zum kleinen Fortschritt beigetragen.

Die Corporate Governance der Blue Chips ist nicht überraschend weiter entwickelt als jene der Nebenwerte. Die Rangliste der Nebenwerte wird angeführt von Geberit vor Valora und Sulzer, jene der Blue Chips von Lonza vor Holcim und Julius Bär.

Stadelmann.Jolanda.zCapital.250Jolanda Stadelmann, Partnerin des auf Nebenwerte spezialisierten Zuger Vermögensverwalters zCapital (Bild), hat die 130 SPI-Extra- und die SMI-Unternehmen auf 52 Kriterien aus dem Bereich Corporate Governance untersucht. Die Kriterien sind in die vier Kategorien Aktionärszusammensetzung und Kapitalstruktur, Zusammensetzung des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung, Entschädigungs- und Beteiligungsmodelle der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates sowie Mitwirkungsrechte der Aktionäre unterteilt. Sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte wurden berücksichtigt.

Finanzunternehmen unterdurchschnittlich

In einer Auswertung für finews.ch sagt Jolanda Stadelmann: «Die Finanzunternehmen belegen eher die hinteren Ränge. Die durchschnittliche Punktzahl im zRating zeigt, dass die Corporate Governance nicht die beste ist: Die Unternehmen aus der Finanzbranche erreichen im Schnitt 2 Punkte weniger als die übrigen Branchen.»

Mehr unabhängige VR

Die Finanzfirmen haben mehr unabhängige Verwaltungsräte als die übrigen Branchen. Interessant ist, dass der Median viel höher ist als der Durchschnitt. Das heisst, die meisten Unternehmen haben viel mehr unabhängige Verwaltungsräte, doch es gibt Ausreisser. Ein Blick auf die Daten zeigt, dass die Liechtensteinische Landesbank und EFG International sowie die Bank Coop und CFT mit weniger als einem Drittel unabhängigen Verwaltungsräten das Ergebnis nach unten ziehen.

Die höhere Anzahl unabhängiger Verwaltungsräte erklärt die tieferen Beteiligungen von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung in der Finanzbranche, schreibt die zCapital-Analystin in der Auswertung für finews.ch.

Weniger Entrepreneurs

Die Beteiligungen von Geschäftsleitung und Mitgliedern des Verwaltungsrats an ihren Unternhemen sind in der Finanzbranche ganz klar tiefer. Der Median aller Unternehmen liegt bei 68,72 Millionen Franken, in den Finanzunternehmen im SPI Extra bei lediglich 15,1 Millionen Franken. Das heisst, der typische Entrepreneur ist nicht in der Finanzbranche zu finden – obwohl es den auch gibt. Die tieferen Beteiligungen und der damit verbundene geringere Anteil Familienunternehmen erklären auch die höhere Anzahl unabhängiger Verwaltungsräte in der Finanzbranche.

Teurere Führung

Die Entschädigungen der Führungsgremien in der Finanzbranche sind – nicht überraschend – deutlich höher als jene in den übrigen Branchen. Auffallend ist der hohe Median von 5,748 Millionen Franken im Vergleich zu 4,84 Millionen Franken für alle Unternehmen. Er zeigt, dass die höheren Entschädigungen über die ganze Finanzbranche hinweg üblich sind.

Auch die Verwaltungsratspräsidenten in der Finanzbranche lassen sich besser bezahlen als die Kollegen in den übrigen Branchen. Der Median beträgt 340‘000 Franken verglichen mit 238‘000 Franken für alle Unternehmen.

Das typische kotierte Schweizer Small & Mid Cap Unternehmen wendet für die Entschädigungen der Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder 4.6% des EBITDA auf. Dieser relative Anteil ist aufgrund der tieferen operativen Ergebnisse im 2009 leicht angestiegen. Die absoluten Entschädigungen der Verwaltungsräte sind im vergangenen Jahr leicht gesunken. Die Entschädigungen der Geschäftsleitungsmitglieder sind ebenfalls bei den meisten Unternehmen
leicht reduziert worden. Der Durchschnittslohn ist aber angestiegen, weil einige Unternehmen exzessive Entschädigungen bezahlt haben.

Ein «durchschnittlicher» CEO der SPI-Extra-Unternehmen verdient 1,1 Millionen Franken. In der Finanzbranche, in der zCapital 24 Unternehmen führt, ist es erstaunlicherweise mit 1,11 Millionen Franken nur unwesentlich mehr.

Die Bandbreite geht von 30‘000 Franken bis 7,4 Millionen Franken bei den Entschädigungen der Verwaltungsratspräsidenten, respektive von 320‘660 Franken bis 29,8 Millionen Franken bei den CEO-Gehältern.

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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