Die Banken produzieren am meisten Skandale

Eine exklusive Auswertung des FÖG für finews.ch zeigt: Die Finanzbranche sorgte in den letzten 50 Jahren in der Schweiz für die grössten Skandale – mit einer Ausnahme.

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Nicht immer sorgten die Wirtschaft oder die Banken für die grössten Skandale.

Das zeigt der Langzeitvergleich über die Wirtschaftsskandale der letzten 50 Jahre, den das FÖG, Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich, exklusiv für finews.ch gemacht hat.

Zunahme der Wirtschaftsskandale in den 80er-Jahren

Erst mit der Ablösung der Parteipresse ab den 1960er-Jahren nimmt der Anteil an Wirtschaftsskandalisierungen zu. Da tauchen Anfang 80er-Jahre zunächst der Giftgasskandal in Seveso von Roche auf, der damals noch Chemiekonzern war, oder die Brandkatastrophe von Schweizerhalle auf dem Areal von Sandoz.

In den 1990er-Jahren nahmen sodann die Skandalisierungen aus der Finanzbranche zu. Diese dominierte fortan Schlagzeilen wie keine andere Branche zuvor. Innerhalb der Finanzbranche waren die Banken jedes Jahr für die grössten Skandale besorgt:

  • Die Affäre um die Holocaust-Gelder in der Schweiz machte 1997 etwa einen Drittel aller Artikel der zehn grössten Kommunikationsereignisse aus.
  • Im Jahr 2009 stieg der Anteil der Artikel über die Finanzbranche innerhalb der Top-10-Skandale sogar auf rund 45 Prozent.

Swissair-Grounding ist Nr. 2-Skandal

Grounding-FilmNach den Debatten über Managerlöhne und über das Bankgeheimnis stellte die Finanzkrise und das Versagen der Finanzmärkte alle bisherigen Skandale in den Schatten.

Nur das Grounding der Swissair sorgte für einen Unterbruch auf der Rangliste der skandalträchtigsten Branchen.

Der Swissair-Skandal in all seinen Facetten war in den Jahren 2001 bis 2004 für die grössten Schlagzeilen besorgt.

Weil Aktiensparen zum Volkssport wurde

«In den 90er-Jahren hat das Shareholder-Value-Denken unser Gesellschaftsmodell umgepflügt», erklärt Mark Eisenegger aus dem Leitungsteam des FÖG, die Skandaldynamik. «Das ging soweit, dass Aktiensparen zum Volkssport mutierte. Genau deshalb ist die Finanzindustrie dem Risiko der Skandalisierung ausgesetzt.»

In der Ära der Parteipresse sei der Journalismus vor allem ideologisch geprägt gewesen. Mit der fortschreitenden Kommerzialisierung der Medien sei jedoch die Wirtschaft und die Unternehmen zu ihrem liebsten Gegenstand mutiert.

Expertenkultur zur Herstellung von Skandalen

«Die Medien unterstellten sich selber dem ökonomischen Zwang und entdeckten die die Unternehmen und die Wirtschaft als gesellschaftliche Treiber», erklärt Eisenegger. «Zugleich bildete sich innerhalb der Redaktionen eine Expertenkultur zur Herstellung von Skandalen zwecks Aufmerksamkeitsmaximierung heraus.»

Die Unternehmen würden so unter einen verstärkten Legitimationsdruck geraten.



Untersuchungsmethode:

- Für die Untersuchung hat das FÖG – Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich – die grössten Kommunikationsereignisse der Zeitungen NZZ, «Tages-Anzeiger» und «Blick ausgewertet.

- Aufgenommen wurde nur Artikel mit einer Mindestlänge von 2/10-Zeitungsseiten (Agentur- und Kurzmeldungen wurden nicht mitgezählt.)

- Das FÖG stellt drei Bedingungen an einen «Skandal»: (1.) Es wird eine moralische Verfehlung angeprangert. (2.) Das Medium transportiert die Beschuldigung. (3.) Das Wort «Skandal» wird von den Medien für die Skandalisierung genutzt.

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