Sarasin Deutschland: Zwei Interims-Chefs

Frank_Niehage_kleinDer Austritt von Frank Niehage, dem Vorstands-Vorsitzenden von Sarasin Deutschland, wurde nun bestätigt.

Frank Niehage legt sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Bank Sarasin Deutschland zum Jahresenende nieder. Die Trennung, so das Communiqué, erfolgt «aufgrund unterschiedlicher Auffassung bezüglich der zukünftigen strategischen Ausrichtung der Bank» und geschehe «im besten Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat».

Interimistisch übernehmen die beiden weiteren Mitglieder des Vorstands, Aris Prepoudis und Bernd Würfel, die Aufgaben von Frank Niehage.

Bereits am Sonntag berichteten «Die Welt» und die «Berliner Morgenpost» vom bevorstehenden Abgang, wobei sie sich auf anonyme Quellen aus «dem Umfeld der Bank» beriefen. 

Grund seien Meinungsverschiedenheiten über die künftige Ausrichtung des Geldhauses, so «Die Welt». Ein Streitpunkt liege beim möglichen Rückzug aus dem Kreditgeschäft, das bislang einen bedeutenden Teil zu den Erlösen der Bank in Deutschland beisteuert.

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Frank Niehage beim Empfang des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2009

Angeblich solle Sarasin in Deutschland – auf Betreiben des neuen Besitzerin Safra – mit ihren rund 100 Mitarbeitern in Deutschland deutlich kleiner werden.

UBS, CS, Sarasin?

Damit wäre Sarasin die dritte Schweizer Bank, die innert weniger Wochen einen spürbaren Abbau in Deutschland in Angriff nimmt. Bereits Mitte Dezember bestätigte Credit Suisse, dass drei Standorte geschlossen werden und rund 150 Stellen in Deutschland verschwinden; eine Woche zuvor meldete die UBS, dass sie vier Niederlassungen schliessen respektive in anderen Standorten integrieren will. 

Der Fall Sarasin wäre insofern anders gelagert, als – offenbar – insbesondere das Kreditgeschäft zur Disposition steht, während die beiden Grossbanken eine Reduktion ihrer Private-Banking-Präsenz ins Auge fassen.

Zwei aktuelle Probleme

Obendrein war die Situation von Frank Niehage stark mit zwei aktuellen Turbulenzen verbunden:

  • Zum einen ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, weil Sarasin im so genannten Fall Hypo Vereinsbank eventuell bei Steuerumgehungsgeschäften geholfen haben könnte. Allerdings: Die Vorwürfe beziehen sich offenbar auf die Zeit vor seinem Amtsantritt.
  • Zum anderen ist die Bank mit unzufriedenen Kunden konfrontiert,  weil ihnen von Sarasin-Beratern in Deutschland empfohlen worden sei, Unternehmensanleihen des Windpark-Planers Windreich AG zu kaufen.

Einzelnen Sarasin-Kunden seien durch das Windreich-Investment bereits Buchverluste im Millionen-Euro-Bereich entstanden, schrieb das «Handelsblatt» in Düsseldorf letzte Woche. Sie würden darüber hinaus beklagen, dass die Bank nicht darüber informierte, dass sie selber an Windreich schon Kredite über 70-Millionen-Euro vergeben hatte, bevor sie die Anleihe zum Kauf empfahl.

Die Bank Sarasin nahm dazu am Freitag Stellung:

1. Zu den Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt:

Wie bereits früher erklärt, hat die Bank Sarasin derzeit keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Bank. So gibt es auch keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten des heutigen Vorstandsvorsitzenden der Bank Sarasin AG, Deutschland, Frank Niehage.

2. Zu den Vorwürfen von Anlegern:

Die Kreditbeziehungen zwischen der Bank Sarasin AG und der Firmengruppe des Herrn Balz waren und sind öffentlich bekannt. So steht beispielsweise im Konzernabschluss zum 31.12.2011 der Windreich AG auf Seite 35: 'Eine Intensivierung der Geschäftsbeziehung erfolgte mit der Bank Sarasin AG, die die bereitgestellten Kreditlinien im Zusammenhang mit der Projektzunahme sukzessive ausgedehnt und die Finanzierung wichtiger Schlüsselprojekte übernommen hat.'

Auch zum Thema: Die Aussteiger des Jahres 2012

 

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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