Konsolidierung: Safra und Sarasin plus BSI?

Im Schweizer Private Banking könnte ein neuer Gross-Player entstehen: Laut Nachrichtenagentur «Reuters» bietet die Safra-Gruppe für die Tessiner BSI mit.

Dass der Verkauf der Tessiner Privatbank BSI «on track» sei, hatte Mario Greco, der Chef des Mutterkonzerns Generali, in dieser Woche gleich bei mehreren öffentlichen Auftritten erwähnt (siehe etwa hier und hier).

Aber wer will Generali die BSI  abkaufen? In letzter Zeit geisterten diverse Namen von Interessenten herum, gerüchteweise wurden etwa Julius Bär, die Genfer UBP oder die Royal Bank of Canada genannt.

Die Nachrichtenagentur «Reuters» meldete aber nun am Freitagabend, dass Generali mit drei Parteien ernsthaft in Verhandlung stehe. Und sie nannte neue Namen.

Der eine Interessent sei die brasilianische Safra-Gruppe, welche erst vor einem Jahr die Mehrheit an Sarasin übernommen hatte. Der nächste Interessent sei die chinesische ICBC. Und als drittes interessiere sich auch ein europäisches Konsortium mit einer Private-Equity-Firma und einer Bank für die BSI. 

«Reuters» beruft sich dabei auf zwei Quellen, «die mit der Situation vertraut sind». Zwei der Interessenten hätten nicht-bindende Angebote über 2 Milliarden Euro abgegeben, so die Wirtschafts-Nachrichtenagentur weiter.

Nahost plus Asien, Deutschland plus Italien

Die Lage ist zweifellos noch unsicher. Mario Greco sprach am Freitag am Rande einer Konferenz noch von Monaten, die der Verkaufsprozess beanspruchen könnte.

Einer der Informanten von «Reuters» sagte denn auch, es sei schwierig vorauszusagen, wie sich der Verkaufsprozess entwickeln werde.

Aber reizvoll ist es schon, sich eine Übernahme von BSI durch Safra auszumalen.

Immerhin scheinen die Häuser tatsächlich aufeinander zu passen: Safra verfügt über eine starke Position in Lateinamerika, Sarasin hat ein gewisses Standing im Mittleren Osten, während die BSI in den letzten Jahren in Südostasien massiv expandieren konnte. Auch in Europa treten sich Sarasin, das beispielsweise in Deutschland ausgebaut hat, sowie die mit Italien verbundene BSI wenig auf die Füsse.

Julius Bär und Pictet wären nicht mehr alleine

Vor allem: Mit der BSI würde die Safra-Gruppe im Schweizer Private Banking gut 300 Milliarden Franken an Assets under Management (AuM) erreichen, und die gemeinsame Beschäftigtenzahl käme in den Bereich von 3'500 Personen.

Damit würde das neue Konstrukt im reinen Private-Banking um die Spitzenplätze auf dem Finanzplatz Schweiz kämpfen. Denn Safra könnte mit Sarasin und BSI als Verfolger von Julius Bär (derzeit 269 Milliarden Franken AuM ohne Merrill-Lynch-Geschäft, 3'600 Mitarbeiter) als auch von Pictet (251 Milliarden Franken AuM, 3'200 Mitarbeiter) auftreten.

• Die grössten Schweizer Vermögensverwalter
Assets under Management, Stand Geschäftsjahr 2011

1. UBS (Private Banking) 1'371 Milliarden Franken

2. Credit Suisse (Private Banking) 1'038 Milliarden Franken

3. Julius Bär 259 Milliarden Franken (plus ca. 80 Milliarden aus dem zu integrierenden Merrill-Lynch-Geschäft)

4. Pictet 251 Milliarden Franken

5. Safra 209 Milliarden Franken

6. HSBC Private Bank (Suisse) 177 Milliarden Franken

7. Zürcher Kantonalbank 166 Milliarden Franken

8. Raiffeisen 141 Milliarden Franken

9. Lombard Odier 140 Milliarden Franken

10. Vontobel 129 Milliarden Franken

[11. Clariden Leu 94 Milliarden Franken]

12. Banque Privée Edmond de Rothschild 92 Milliarden Franken

13. BSI 78 Milliarden Franken

14. Union Bancaire Privée 76 Milliarden Franken

 

 

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NEWS GANZ KURZ

Saxo Bank

Antonio Ferrante, der Chef der Saxo Bank Schweiz, ist zurückgetreten. Interimistisch übernimmt Patrick Hunger seinen Posten. Ferrante war nur wenig länger als zwei Jahre lang Chef des Online-Trading-Hauses. Er kam Anfang 2014 von der Credit Suisse für Søren Mose, der Saxo zusammen mit COO Ian Keates und Finanzchef Martin Beinhoff verlassen hatte.

Aargauische Kantonalbank

Das Staatsinstitut muss dem Kanton Aargau aus dem Rekordgewinn von 2015 mehr Geld abliefern. In die Staatskasse fliessen gemäss Beschluss des Eigners 91 Millionen Franken. Das sind 16 Millionen Franken mehr, als die Bank vorgeschlagen hat.

Fonds-Daten

Nach zweijähriger Zusammenarbeit haben sich zwei Dutzend Finanzinstitute angeführt von UBS, Credit Suisse und Julius Bär in Kooperation mit der Firma Fundinfo auf die Veröffentlichung des «openfunds-Standards». Die Initiative definiert häufig verwendete Fonds-Datenfelder. Jedes der 200 einzelnen Felder wird für die Datenübertragung spezifiziert und mit einem Identifier versehen.

SIX

Die Netzwerkprobleme der SIX sind nun vollständig behoben. Die Ursachen seien identifiziert. Die Systeme würden seit Mittwoch wieder stabil und ohne weitere Unterbrüche laufen. Die SIX hatte während über zwei Tagen mit grossen Netzwerkstörungen gekämpft, insbesondere der Zahlungsverkehr war betroffen gewesen.

Fondsmarkt

Das Vermögen der in der Statistik von Swiss Fund Data und Morningstar erfassten Anlagefonds erreichte im Mai 2016 rund 894 Milliarden Franken. Dies entspricht im Vergleich zum Vormonat einer Zunahme von knapp 20 Milliarden Franken oder 2,2 Prozent. Die Nettomittel-Zzuflüsse betrugen rund 340 Millionen Franken.

Postfinance

Die Postbank beteiligt sich am Kölner Fintech-Startup Moneymeets. Dieses betreibt eine Online-Plattform in den Bereichen Multibanking, Personal Finance Management und Versicherungen. Angestrebt ist ein Wissenstransfer, der Postfinance den Vorstoss in neue Geschäftsfelder ermöglichen soll.

Credit Suisse

Die Credit Suisse hat zum dritten Mal ihre Studie zum Finanzplatz Schweiz veröffentlich. Darin legt die Bank die Entwicklungen der letzten zwei Jahre dar, vergleicht die Positionierung internationaler Finanzplätze und geht auf Trends ein. Ausserdem sind in der Studie Faktoren für den zukünftigen Erfolg des Finanzplatzes definiert und es werden Handlungsempfehlungen sowohl für Marktteilnehmer als auch für Politik und Regulatoren gegeben.

Thurgauer Kantonalbank

Das Wahlprozedere für den Bankrat der Thurgauer Kantonalbank ist bestätigt worden. Der Thurgauer Grosse Rat hat eine parlamentarische Initiative von drei SVP-Kantonsräten abgelehnt: Darin wurde verlangt, dass künftig das Parlament neue Mitglieder für den Bankrat vorschlagen kann - und nicht mehr die Regierung.

Banken-Rating

Die Ratingagentur Fitch hat das Langfristrating für die UBS auf «A+» von bisher «A» erhöht. Die Erhöhung der Langfristratings für UBS AG und UBS Schweiz reflektiere die Kapitalposition der Gruppe. Die Gruppe sei damit in der Lage, die vorrangigen Verpflichtungen auch im Liquidationsfall zu decken. Das Langfristrating für die Credit Suisse bleibt bei «A».

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