Wirtschaftskriminalität in der Schweiz kaum geahndet

Trotz Zunahme und Enttabuisierung von Wirtschaftsdelikten kommt es in der Schweiz nur in wenigen Fällen zur Klage. Das zeigt eine Studie von KPMG.

Datendiebstahl ist das Top-Thema, das Schweizer Unternehmen derzeit als grössten Gefahrenherd der Wirtschaftskriminalität laut einer aktuellen Studie des Wirtschaftsprüfers KPMG einschätzen. Diverse Kundendaten-Diebstähle der vergangenen Jahre, vor allem im Bankenbereich, haben Unternehmen auf diese Gefahr sensibilisiert.

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Dabei rührt nur ein kleiner Teil der effektiven Schadensfälle aus gestohlenen Unternehmensdaten. Die grösste Deliktkategorie ist der Diebstahl und die Unterschlagung, was von den von KPMG befragten Grossunternehmen nicht als besonders gefährlich eingeschätzt wird. KMUs nehmen diesen Bereich der Wirtschaftskriminalität eher war (siehe Grafik oben, Deliktarten und Risikowahrnehmung Grafiken unten).

Seltene Strafanzeigen

In der Schweiz kommt es noch immer zu vergleichsweise wenigen Strafverfahren wegen Wirtschaftsdelikten. Nur in 36 Prozent aller kriminellen Tätigkeiten, die in Grossunternehmen entdeckt wird, kommt es tatsächlich zu strafrechtlichen Sanktionen. In Deutschland liegt die Quote bei 67 Prozent.

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Gründe für die Zurückhaltung von Schweizer Unternehmen bei strafrechtlichen Massnahmen führt Anne van Heerden, Head Forensic bei KPMG Schweiz und Mitautorin der Studie, auf die geringe Klagerate resp. auf die Schweizer Diskretionskultur zurück. Oft komme es bei aufgedeckten Delikten zu einem Übereinkommen zwischen den geschädigten Unternehmen und den Tätern: Beispielsweise, dass der entstandene Schaden zurückgezahlt und im Gegenzug auf eine Klage verzichtet wird.

Reputation steht auf dem Spiel

Auch stehe die Reputation des geschädigten Unternehmens auf dem Spiel, wenn eine strafrechtliche Anzeige eingereicht werde, sagt van Heerden. Wenn man sich mit den Tätern aussergerichtlich einigen könne, sei dies auch für das Unternehmen oft einfacher und der Fall auch schneller abgehandelt, als wenn man vor Gericht gehe.

Die Täter – von denen rund zwei Drittel Schweizer sind – verursachen laut KPMG pro Fall rund 360'000 Franken Schaden. Bei der Zürcher Staatsanwaltschaft registriert man zwar eine Zunahme der eingereichten Anzeigen in Wirtschaftkriminalitätsfällen, die Dunkelziffer sei aber noch hoch, sagt van Heerden.

Dunkelziffer bei KMUs hoch

Bei Grossunternehmen seien oft Mechanismen installiert, um Wirtschaftsdelikte zu erkennen und zu verhindern. Anders sehe da die Situation bei KMUs aus. Dort werde oft Vertrauen missbraucht, und wenn ein Fall zum Vorschein komme, heisse es oft, dass man ein solches Vorgehen von dieser Person nie erwartet habe.

Für die Studie befragte KPMG Grossunternehmen und KMUs in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH). In der Schweiz wurden 100 KMUs (mit weniger als 250 Mitarbeiter und einem Jahresumsatz von weniger als 50 Millionen Franken) befragt.

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Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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