Rolf Bögli: «Nicht alle reagieren positiv»

Künftig sollen sich die Kundenberater auch für Neugeld verantwortlich fühlen, sagt Rolf Bögli. Der Credit-Suisse-Manager hat auch klare Vorstellungen, wie das geschehen soll.

Herr Bögli, was braucht es eigentlich, um das Personal alle zwei Jahre auf eine neue Organisation einzuschwören?

Guter Punkt. Steter Wandel ist anspruchsvoll. Grundsätzlich ist es ja nicht so, dass wir permanent umorganisieren, sondern sich das Umfeld verändert. Darauf müssen wir reagieren, genauso wie jeder Unternehmer.

Das führt zu strukturellen Veränderungen, auf die nicht alle Mitarbeiter prima vista positiv reagieren. Meine Erfahrung ist, dass Mitarbeitende Verständnis aufbringen, wenn man die Gründe für die organisatorischen Veränderungen und die Marktentwicklungen transparent macht und erläutert.

Stellen Sie noch Leute an?

In meinem Bereich «Premium Clients Switzerland & Global External Asset Managers» halten wir laufend Ausschau nach guten Kundenberatern. Wir führen insofern regelmässig Bewerbungsgespräche.


«Die qualitative Hürde ist hoch»


Das Anforderungsprofil und damit die qualitative Hürde ist hoch gesetzt, was den Kreis der Kandidaten eher begrenzt. Und zudem besteht auch in diesem Bereich ein Kampf um die besten Talente.

Welche Botschaft geben Sie jenen Leuten auf den Weg, die sich bei Ihnen bewerben?

Dass wir unseren Marktanteil stark ausbauen wollen. Einerseits über die Anwerbung neuer Kunden und anderseits durch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bereichen innerhalb der Credit Suisse.

Überdurchschnittlich wachsen – wie soll das konkret vor sich gehen?

Die Wahrnehmung im Markt muss sein, dass die Credit Suisse betreffend Qualität und Breite der Dienstleistungen führend ist, insbesondere auch dank der Zusammenarbeit innerhalb der integrierten Bank. Das ist quasi die Voraussetzung. Wir betreuen über 2 Millionen Privatkunden bei der Credit Suisse. Darunter gibt es viele, die heute nur einen Teil ihres Vermögens bei uns haben. Diese Leute wollen wir ansprechen.


«Für manche Banken ist das ein enormes Risiko»


Dazu kommt natürlich auch die klassische Neukunden-Akquisition. Tatsache ist aber, dass die Intensivierung einer bestehenden Kundenbeziehung einfacher ist als die Akquisition eines Neukunden. In beiden Fällen geht es darum, möglichst konkret auf die Bedürfnisse der Klientel einzugehen.

Das können alle anderen Banken auch.

Grundsätzlich schon, aber ich gebe Ihnen noch ein konkretes Beispiel. Wenn ein Kunde einen 300-Millionen-Franken-Kredit haben will und dafür als Bürgschaft eine einzige Aktienposition anbietet, stellt dies für manche Banken ein enormes Klumpenrisiko dar. Als grosses Institut mit einer Investmentbank können wir diese Position jedoch absichern – und den Kredit vergeben.


«Wir etablieren eine wachstumsbezogene Kultur»


Welche Prioritäten setzen Sie in den nächsten sechs Monaten?

Zum einen müssen wir sicherstellen, dass wir weiterhin den regulatorischen und gesetzlichen Anforderungen und Veränderungen zu 100 Prozent entsprechen. Hier investieren wir viel in ­Ausbildung und Training unserer Mitarbeitenden. Zum andern wollen wir eine wachstumsbezogene Kultur etablieren.

Wie bitte?

Es ist unser Ziel, dass sowohl der Kunde wie auch die Bank Erfolg haben – in der Vermögensvermehrung wie auch in der Erzielung von Rendite. Intern bedeutet das, dass sich unsere Kundenberater auch für Neugeld verantwortlich fühlen.

Wie muss man sich das vorstellen?

Jeder Kundenberater entwickelt gemeinsam mit dem Teamleiter Ideen, wie er potenzielle Neukunden angehen kann – dies zusätzlich zur Entwicklung der bestehenden Kunden.


«Weniger reden, mehr zuhören»


Im nächsten Schritt wird es dann darum gehen, diese Kunden anzusprechen, sei es über eine Empfehlung, also einen Türöffner, ober über eine Fachveranstaltung, wie wir sie regelmässig organisieren, oder über einen Event, der sich nicht mit Geld kaufen lässt. Meist braucht es eine Kombination der verschiedenen Vorgehensweisen.

Mussten die Kundenberater denn früher nicht akquirieren?

Klar ist, dass der Konkurrenzkampf heute viel grösser ist als früher. Der Kunde vergleicht gerade im Premium-Segment laufend die Qualität der Dienstleistungen. Damit spielen heute Ausbildung und Entwicklung der Kundenberater eine viel wichtigere Rolle.

Worauf kommt es an?

Weniger reden und mehr zuhören ist die Kunst. Gerade die sehr begüterte Klientel weiss in den meisten Fällen ganz genau, was mit ihrem Vermögen geschehen soll. Für einen Kundenberater ist es daher zentral, dass er zuhört, so dass er die Bedürfnisse erkennt und die nötigen Spezialisten innerhalb der Bank beiziehen kann.


«Es braucht viel Einfühlungsvermögen»


Das braucht viel Einfühlungsvermögen und Geduld. Langfristiges Denken ist angesagt. Das meine ich mit wachstumsbezogener Kultur. Ich bin sicher, das werden Sie vermutlich nicht von vielen anderen Bankern hören.


Der 49-jährige Rolf Bögli ist seit diesem Jahr Leiter Premium Clients Switzerland & Global External Asset Managers (EAM). Der Bereich beschäftigt rund 600 Personen. Zur Credit Suisse stiess Bögli 2009. Zuvor hatte er diverse Führungspositionen im Private Banking der UBS inne. 

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Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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