«Bernard Madoff ist ein Mörder»

Die Witwe des Bankers Thierry de la Villehuchet beschuldigt Bernard Madoff öffentlich als Mörder. Thierry de la Villehuchet beging im Dezember Selbstmord.

Für Claudine de la Villehuchet ist der Grund für den Freitod ihres Gatten im vergangenen Dezember völlig klar. Es ist der Verlust von 1,4 Milliarden Dollar an Kundengeldern, welche René-Thierry Magon de la Villehuchet über seine Finanzgesellschaft Access International Advisors in das Schneeballsystem des amerikanischen Grossbetrügers Bernard Madoff investiert hatte.

«Ich denke, er ist ein Mörder», sagt Claudine de la Villehuchet über Madoff in einem exklusiven Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender «FOX News». Die Witwe gibt an, der Selbstmord ihres Mannes sei überraschend gekommen. Nie hätte sie mit so etwas gerechnet. Thierry sei sehr, sehr unglücklich über den Verlust für seine Klienten und seine Firma gewesen: «Er dachte, alle Kunden würden sich von ihm abkehren», erzählt seine Frau.

Er war sehr charmant

Madoff sei immer sehr charmant gewesen, berichtet de la Villehuchet weiter, und habe nie viel über Geschäftliches geredet. «Er und seine Frau mochten Filme, also haben wir über Filme geredet». Eine Abschrift des Interviews hat der amerikanische Online-Dienst DealBook aufgeschaltet.

In einem Nachruf schrieb die «Süddeutsche Zeitung» unlängst folgendes über den verstorbenen Banker: René-Thierry Magon de la Villehuchet stammte aus einer französischen Adelsfamilie, einer reichen. Da er zudem in der Bretagne geboren worden war, wurde er bald ein begeisterter Segler, eine Leidenschaft, die ihn sein Leben lang begleitete. Er war Mitglied zum Beispiel im New York Yacht Club und im Larchmont Yacht Club. Den Grossteil seiner Zeit verbrachte er in den USA. In einem Vorort von New York, in Westchester County, besass er ein Haus. Er hatte auch ein Haus in der Bretagne, das er bisweilen aufsuchte.

In falscher Sicherheit gewähnt

Beruflich hatte er stets mit Geld zu tun, er brachte es bis zum Chief Executive Officer (CEO) der Credit Lyonnais in den USA, bevor er 1994 seine eigene Firma gründete: Access International Advisors legte das Geld von Investoren an, vornehmlich aus Europa. De la Villehuchet sandte so genannte Alpine Berater aus, die in europäischen Kasinos, Yachtklubs und noblen Skiresorts Kunden warben. Verkauft wurde der Fonds Luxalpha, genauer: der Lux-Alpha American Selection Fund. Dieser Fonds investierte 1,4 Milliarden Dollar bei Bernard L. Madoff Investment Securities.

Zwei Wochen bevor Madoff festgenommen wurde, sagte de la Villehuchet einem Vertrauten, wie beruhigend es sei, dass es trotz der Krise bei Madoff weiterhin gut laufe. Dann flog Madoff auf, er hatte ein Schneeballsystem aufgebaut, in das insgesamt 50 Milliarden Dollar investiert worden waren. De la Villehuchet versuchte fieberhaft, die gigantischen Verluste seiner Kunden auszugleichen, zu denen die Familie Rothschild und Liliane Bettencourt (Erbin der Hauptanteile am Kosmetikkonzern L"Oreal und eine der reichsten Frauen der Welt) gehörten. Bald erkannte er, dass dieses Unterfangen aussichtslos war. Die Schande erschien ihm unerträglich.

Unterarme und Bizepts aufgeschnitten

Am Abend des 23. Dezember 2008, ein Montag, arbeitete er länger. Ungewöhnlicherweise bat er die Putzfrauen, ihm beim Reinigen seines Büros zu helfen. Dann schloss er sich ein. Am Dienstagmorgen wurde er mit Wunden an den Armen gefunden, er hatte sich die Unterarme und den Bizeps aufgeschnitten. Seine Füße hatte Rene-Thierry Magon de la Villehuchet, 65, auf den Schreibtisch gelegt und einen Papierkorb herangezogen, um das Blut aufzufangen.

 

 

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