Let's face it: Banking ist ein schlechtes Geschäft

Wertschöpfung? Welche Wertschöpfung? Unterm Strich vernichten die Banken in Europa immer noch Wert. Gerade die Schweizer Häuser enttäuschen.

Auch fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise verdienen viele Banken nicht mal ihre Kapitalkosten. Die Hauptgründe: Hohe Kreditrisiken respektive Kreditausfälle sowie steigende operative Kosten.

Dies zeigen neue Daten von Bain & Company. Der Management-Beratungs-Konzern mass dabei die risikogewichtete Rendite der Finanzinstitute in den wichtigsten europäischen Ländern – und heraus kam, dass diese Kennzahl letztes Jahr durchschnittlich gerade mal 0,5 Prozent erreichte. Insgesamt 121 Banken in Europa und einigen Vergleichsländern wurden dabei untersucht.

Down & Up in der Schweiz, stabile Rentabilität im Norden

Bemerkenswert: Die Schweizer Banken schnitten enttäuschend ab – sie finden sich am Ende der Rangliste, in nächster Verwandschaft zu den europäischen Krisenstaaten. Dazu tragen die Bemühungen der beiden Schweizer Vertreter in der Studie, UBS und Credit Suisse, um eine bessere Kapitalausstattung natürlich erheblich bei.

Deutsche Banken (RoRWA: 0,7 Prozent) schlugen sich indes besser – am besten unter den Finanzinstituten in den grossen Eurostaaten. Doch ihre Rentabilität erreicht bei Weitem nicht das Niveau der Banken in Skandinavien (1,9 Prozent) sowie in aufstrebenden Ländern wie der Türkei (4,9 Prozent).

banken risikogewichtete rendite

(Die katastrophale Zahl für die Schweiz in 2008 erklärt sich aus dem damaligen Cluster-Problem bei der UBS.)

Allgemein weist der Trend nach unten: Im Durchschnitt fiel die Rendite der risikogewichteten Aktiva bis 2012 auf 0,5 Prozent. 2010 hatte sie sich noch auf 1,3 Prozent belaufen. Dies entspricht für 2012 einer Eigenkapitalrendite von 4,9 Prozent, die damit weit unter den Kapitalkosten der Banken liegt.

Cost-Income-Ratio wird wieder schlechter

«Demzufolge vernichten viele europäische Banken fünf Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise weiterhin Wert», meldet Bain & Company – und interpretiert: «Bei anhaltendem Druck auf Erlöse und Margen lässt sich das vor allem auf zwei Faktoren zurückführen: Uneinbringliche und ausfallgefährdete Kredite erforderten 2012 höhere Wertberichtigungen und verursachten entsprechende Risikokosten. Gleichzeitig stiegen seit 2010 die operativen Kosten gemessen am Anteil an den risikogewichteten Aktiva und den Erträgen deutlich an.»

Die durchschnittliche Cost-Income-Ratio der europäischen Banken lag letztes Jahr bei 70 Prozent gegenüber 62 Prozent im Jahr 2010.

Die neue Normalität ist noch weit weg

Walter Sinn, Leiter der Banking-Praxisgruppe von Bain & Company im deutschsprachigen Raum, folgert aus den Ergebnissen: «Angesichts weiterhin schwieriger Marktbedingungen und verschärfter Regulierung müssen die Renditeansprüche gesenkt werden. Mehr denn je kommt es jetzt auf ein konsequentes Bilanz- und Kostenmanagement an. Die Restrukturierung des europäischen Bankensektors ist noch lange nicht zu Ende.»

Im Gegenteil: Für die kommenden Jahre sei eine stärkere Dynamik hinsichtlich der Übernahme von Banken in Europa und eine weitere Konsolidierung zu erwarten.

«Die Suche nach der neuen Normalität im europäischen Bankensektor geht weiter», so Walter Sinn. «Banken müssen jetzt mit aller Entschlossenheit handeln.»

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NEWS GANZ KURZ

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

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