Raoul Weil in Bologna verhaftet

Dem ehemaligen UBS-Spitzenmann droht die Auslieferung an die USA. Es ist ein konkretes Beispiel dafür, dass die Bereinigung des Steuerstreits auf Unternehmensebene den betroffenen Mitarbeitern und Managern am Ende wenig hilft.

Der ehemalige Wealth-Management-Chef der UBS, Raoul Weil, wurde an diesem Sonntag in Italien verhaftet. Laut Meldungen in den dortigen Medien (etwa hierhier und hier) stiessen die Behörden über einen Hotel-Eintrag auf den ehemaligen Banker: Weil hatte unter eigenem Namen in einem Luxus-Hotel im Zentrum von Bologna genächtigt. 

Die Verhaftung erfolgte offenbar auf Ersuchen der US-Behörden. Das amerikanische Justizministerium  und die Bundesstaatsanwaltschaft von Florida werfen Weil Betrug, Verschwörung und Organisation zum Steuerbetrug im Umfang von 20 Milliarden Dollar vor (zur Anklageschrift).

Im Zentrum stehen Tätigkeiten, die Weil in seiner Funktion als Head Wealth Management International respektive als Chef des Global Wealth Management and Business Banking zwischen 2002 und 2008 ausgeübt hatte. Der Schweizer Bankier soll dabei wissentlich amerikanisches Recht verletzt haben, so der Vorwurf. Dieser wies die Anschuldigungen durch seine Anwälte stets zurück.

Ablasshandel, aber nicht für ihn

Weil war der höchstrangige Schweizer Banker, den die US-Staatsanwälte im Rahmen der Bradley-Birkenfeld-Enthüllungen ins Visier nahmen. Auch nach dem Ablass-Vertrag zwischen UBS beziehungsweise der Schweiz und den USA im Jahr 2010 blieb die Klage gegen ihn bestehen. Die UBS hatte sich da längst – genauer: im April 2009 – von Weil getrennt.

Zuletzt arbeitete der 54-Jährige in der Geschäftsführung der Vermögensverwaltungs-Gruppe Reuss Private.

Es gehe um die Automobilbranche

Den Polizeibeamten, die Raoul Weil in Bologna mit dem amerikanischen Betrugsvorwurf konfrontierten, soll er gesagt haben, der Fall drehe um eine Problematik in der Automobilbranche. Einen Grund für seinen Aufenthalt in der Emilia-Romagna nannten die Behörden nicht.

Die Verhaftung lässt Befürchtungen konkret werden, die in Schweizer Private-Banking-Kreisen seit Jahren grassieren – nämlich dass einen eine Anklage beziehungsweise eine Verdächtigung im Rahmen des Steuerstreits faktisch zu einem Gefangenen in der Schweiz macht. Bereits jenseits der Grenze droht die Verhaftung und Auslieferung.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nackfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

So werden Sie ein guter Chef

Ausgezeichnete Fachkenntnisse reichen nicht. Diese sieben Punkte sind genauso wichtig.

Selection

Wie Sie eine Kündigung richtig verarbeiten

Wie Sie eine Kündigung richtig verarbeiten

So reagiert man perfekt, wenn man plötzlich den blauen Brief kriegt.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

weitere News