«Toilet Nap»: Wie Barclays-Banker sich erholen

Der Karrierebeginn im Investmentbanking bedeutet lange Arbeitszeiten und wenig Erholung. Banker von Barclays sind kreativ, wenn sie Schlaf nachholen. 

Einsteiger im Investmentbanking der britischen Barclays Bank in Hongkong sollen sich - erschöpft von stundenlagem und unterbruchslosen Arbeiten – in Toiletten zum Kurzschlaf eingeschlossen haben, berichtete das «Wall Street Journal». Die Zeitung beruft sich dabei auf Berichte mehrerer ehemaliger Jungmitarbeiter, die im Sommer 2011 bei der Bank an einem Internship-Programm teilgenommen haben. Der Rückzug in die Toilette sei von den Juniors als «Toilet Nap» bezeichnet worden.

Informanten der Zeitung berichteten zudem, ein Karriere-Beginner bei Barclays sei auch dabei entdeckt worden, wie er unter seinem Pult geschlafen und sich am Morgen in der Toilette des Büros gewaschen habe. Damit habe er sich den Zeitverlust für den Arbeitsweg von der nahegelegenen Residenz, in der die Teilnehmer des Internship-Progamms wohnten, zum Büro sparen wollen.

Ein Branchenphänomen

Die erwähnten Vorfälle sind gemäss der Zeitung indes kein Phänomen, das nur bei Barclays anzutreffen ist. Solche Vorkommnisse seien in der gesamten Investmentbanking-Branche zu beobachten.  

Dort seien lange Arbeitstage von 13 bis 14 Stunden und Präsenzzeiten bis in die frühen Morgen für Karrierebeginner die Norm, heisst es weiter. Von den künftigen Bankern werde erwartet, dass sie am Morgen zwischen 8.30 und 9.30 Uhr zur Arbeit erscheinen.

Da ihnen aber meist erst am späten Nachmittag oder gar am Abend Aufgaben zugetragen würden, bliebe ihnen nichts anderes übrig, als diese bis spät in die Nacht zu erledigen. Während der regulären Arbeitszeit hätten sie dagegen oft nichts zu tun oder würden nur mit niedrigen Arbeiten beauftragt.

Gut bezahlte Analysten-Positionen

Internship-Programme führen gemäss «Wall Street Journal» oft zu einer Position als Analyst. Diese Jobs gehörten zu den bestbezahlten für junge Leute in den USA. Das Basissalär für einen Einsteiger als Analyst betrage etwa 70'000 Dollar pro Jahr und zusammen mit den Boni könne die Gesamtvergütung rasch über 140'000 Dollar steigen.

Dass die Arbeitsbedingungen für die Karriere-Einsteger verbesserungswürdig sind, ist offensichtlich auch den Banken bewusst geworden. Verschiedene Institute, unter anderen die Credit Suisse, J.P. Morgan oder Goldman Sachs, haben jüngst Massnahmen ergriffen, um den Junior-Angestellten mehr Erholung zu gönnen.

Wochnenden sollen der Erholung dienen

Die Banken wollen, dass sich die jungen Mitarbeiter insbesondere am Wochenende erholen können und haben entsprechende Regeln aufgestellt. So empfehle die Credit Suisse gemäss der Nachrichtenagentur «Bloomberg» unter anderem, dass Analysten und deren Mitarbeiter das Büro von Freitagabend 18.00 Uhr bis Sonntagmorgen 10.00 Uhr nicht aufsuchen sollen, es sei denn, sie würden gerade an einem aktuellen Deal arbeiten.

Lesen Sie dazu auch auf finews.ch: Die Credit Suisse verordnet ihren Investmentbankern Wochenendruhe

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