Im Verwaltungsrat: Mehr als nur Alibi-Frauen?

Die Zeit der Generalversammlungen steht an. Dabei fällt auf, dass zahlreiche Banken Frauen als Verwaltungsrätinnen nominiert haben. Ein neuer Trend?

Prominente Namen wie Antoinette Hunziker-Ebneter, früher CEO der Schweizer Börse, oder Ingrid Deltenre, ehemalige Direktorin des Deutschschweizer Fernsehens, lassen aufhorchen. Die beiden Frauen wurden jüngst als neue Mitglieder in den Verwaltungsrat der Berner Kantonalbank (BEKB) respektive der Banque Cantonale Vaudoise (BCV) vorgeschlagen.

Sie sind nicht die einzigen Frauen, die sich an kommenden Generalversammlungen für ein Aufsichtsmandat bei einer Bank hierzulande zur Verfügung stellen. So schlägt beispielsweise die Luzerner Kantonalbank (LUKB) Martha Schreiber vor, und die Liechtensteinische Landesbank (LLB) stellt die Schweizerin Gabriela Nagel-Jungo zur Wahl.

Alles bloss Alibi-Frauen?

Ist die Nominierung dieser Frauen ein Indiz dafür, dass die Schweizer Banken weibliche Kompetenzen zu schätzen gelernt haben, und diese nun verstärkt nutzen wollen?

Zumindest bei der BCV könnte diese Überlegung eine Rolle gespielt haben. Denn das Waadtländer Staatsinstitut hat sich beim Vorschlag für Deltenre bewusst für eine Frau entschieden, wie die BCV auf Anfrage von finews.ch erklärte. Es sei wichtig, dass diese Hälfte der Bevölkerung im Verwaltungsrat vertreten sei. Vielfältigkeit sei ein Reichtum und die Vielfalt der Gesichtspunkte bringe mehr Ressourcen bei der Lösungsfindung, sagte ein Sprecher weiter.

Totale Durchmischung

Für die Luzerner Kantonalbank wie auch die Berner Kantonalbank spielte bei der Nominierung der beiden Verwaltungsrätinnen das Geschlecht dagegen keine entscheidende Rolle. Die LUKB strebe in ihrem Aufsichtsgremium eine Durchmischung bezüglich geographischer Herkunft, beruflichem Hintergrund, fachlicher Kompetenz und dem Geschlecht an, erklärt ein Sprecher des Instituts gegenüber finews.ch.

Der Verwaltungsrat habe darauf geachtet, dass das neue Mitglied über die nötigen Kompetenzen verfüge, einen Bezug zur Region habe und zur beschriebenen Durchmischung beitrage. Das Geschlecht sei ein wichtiges Kriterium, aber bei weitem nicht das einzige gewesen, heisst es bei der LUKB weiter.

Für die BEKB war es primär wichtig, dass sich die Person für den Verwaltungsrat eigne. Das Geschlecht sei dabei sekundär gewesen, hiess es bei der Pressestelle.

Männliche Übermacht

Ob sich eine Bank bewusst für Frauen entschieden habe oder nicht –  in den Verwaltungsräten der Schweizer Banken sei das weibliche Geschlecht noch immer eine klare Minderheit, erklärt Denise Chervet, Geschäftsführerin des Schweizerischen Bankenpersonalverbands (SBPV).

Zwar gibt es nur noch wenige Banken, in denen der Verwaltungsrat ausschliesslich aus Männern besteht (vgl. Tabelle unten). In den meisten Aufsichtsgremien hat es inzwischen mindestens eine bis zwei weibliche Verwaltungsräte. Ihnen stehen jedoch bis zu zehn männliche Kollegen gegenüber.

Ausnahme ist die Alternative Bank Schweiz (ABS), die fünf weibliche Verwaltungsräte stellt. Trotzdem stellen auch hier die Männer weiterhin die Mehrheit.

Prekäre Situation auf der Chefetage

Beunruhigend ist gemäss Chervet der Umstand, dass Frauen in den Geschäftsleitungen der Banken kaum bis gar nicht vertreten seien. Tatsächlich gibt es nur ganz wenige Bankerinnen, die diesen Schritt geschafft haben in der Schweiz.

Selbst bei der Alternativen Bank Schweiz figuriert keine einzige Frau in der Geschäftsleitung. Förderprogramme wie sie die Credit Suisse oder die BCV lanciert haben, scheinen noch nicht ihre volle Wirkung entfaltet zu haben.

Frauen in den Leitungs- und Aufsichtsgremien der Banken

Verwaltungsratinnen

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Mit einer Performance von durchschnittlich 0,5 Prozent schnitten die Pensionskassen im August leicht besser ab als im Monats-Durchschnitt seit Jahresbeginn. Das stellte der «Pensionskassen-Barometer» der Grossbank fest.

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