«Ein guter Private Banker besitzt Menschenkenntnis»

Valartis war vor allem im Investment Banking und im Asset Management tätig. Das ändert nun. René Hermann, Head Private Banking Zürich, sagt warum.

Herr Hermann: Wie kommt es, dass Valartis gerade im heutigen garstigen Umfeld für die Vermögensverwaltung vermehrt auf Private Banking setzt?

René Hermann: In der Vergangenheit stammten die Erträge der Valartis-Gruppe zu einem grossen Teil aus dem Investment Banking und dem Asset Management. Die Gruppe verfolgt aber schon seit Längerem eine Strategie, die darauf abzielt, die Ertragsvolatilität, die im Investment Banking und im Asset Management naturgemäss gegeben ist, zu verringern. Mit der Expansion des Private Banking lässt sich die Ertragskraft der Gruppe breiter abstützen und die Volatilität verringern.

Das kann aber kaum der einzige Grund für den Ausbau des Private Banking sein.

Nein, ein weiterer Grund liegt darin, dass sich die Bedürfnisse und Anforderungen von institutionellen und vermögenden privaten Investoren in den letzten Jahren immer mehr angenähert haben. Valartis betreut seit jeher eine bedeutende Anzahl institutioneller Investoren. Von diesem in der institutionellen Vermögensverwaltung gewonnenen Know-how sollen auch Privatanleger profitieren.

Es geht also um einen Knowhow- Transfer vom institutionellen zum Privatkundengeschäft?

Das wäre eine etwas verkürzte Betrachtungsweise. Valartis betreut auch seit vielen Jahren zahlreiche private Kunden; wir starten mit unseren Private-Banking-Aktivitäten also nicht bei null. Die privaten Kunden haben seit jeher von unserem institutionellen Know-how profitiert. Nun sollen unsere Privatkunden noch intensiver und umfassender betreut werden als in der Vergangenheit.

Und warum gerade jetzt?

Wir sind der Meinung, dass die gegenwärtige Krise nicht nur Gefahren, sondern vor allem auch Chancen bietet. Als unternehmerisch denkende Banker sehen wir im gegenwärtigen Finanzmarktumfeld viele Opportunitäten, um langfristig lukrative Anlagemöglichkeiten zu identifizieren und wahrzunehmen. Zudem bieten wir eine interessante Plattform für unternehmerisch denkende Anlageberater. Die Vergangenheit lehrt uns, dass die grössten Krisen immer auch die grössten Chancen geboten haben – und dass diejenigen, die den Mut hatten, auch einmal gegen den Strom der Unentschlossenen und Ängstlichen zu schwimmen, am meisten profitierten.

René HermannWie wichtig sind der Standort und die Marke Schweiz für Ihre Geschäftstätigkeit?

Ganz zentral. Wir bekennen uns uneingeschränkt zu den Grundwerten des Schweizer Private Banking und zu all dem, was die Marke Schweiz für eine Bank repräsentiert: Vertraulichkeit und Diskretion, persönliche und individuelle Zusammenarbeit mit den Kunden, umsichtige Asset-Allocation, sorgfältiges Risikomanagement, Sicherheit. Der Begriff «Schweizer Bank» zählt auch heute noch, im Ausland noch mehr als in der Schweiz. Deshalb sind und bleiben wir als Schweizer Bank unserem Heimmarkt verbunden, auch wenn wir unser Glück manchmal jenseits der Grenzen suchen und finden.

Sie sprechen damit auch Ihre neue Tochtergesellschaft in Österreich an. Wie gross ist der Stellenwert der Valartis Bank (Austria) AG?

Die Übernahme der Anglo Irish Bank (Austria) AG, die wir in Valartis Bank (Austria) AG umgetauft haben, bedeutete einen Meilenstein für unser Private Banking. Zum einen, weil die 1890 gegründete Bank bereits heute mit gut 100 Mitarbeitern rund 4'000 Kunden betreut und, zusammen mit der Valartis Asset Management (Austria) Kapitalanlagegesellschaft mbH, rund 1,6 Milliarden Franken Kundengelder und Fonds verwaltet. Zum anderen erleichtert uns der Sitz in Wien den Ausbau unserer Private-Banking- und anderer Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa.

Was für andere Aktivitäten meinen Sie?

Die Valartis Gruppe ist mit der Valartis Europe AG bereits seit längerem mit 25 Mitarbeitern in Wien und Zürich im Corporate-Finance- und M&A-Bereich aktiv. Von der Zusammenarbeit der beiden Einheiten erwarten wir wertvolle Synergien für uns und unsere Kunden. Gerade in Mittel- und Osteuropa haben viele unserer Kunden einen unternehmerischen Werdegang hinter sich. Diesen Kunden kann die Valartis Gruppe professionelle Dienstleistungen anbieten.

Wie läuft bei Ihnen der Beratungsprozess ab?

Unsere Vermögensberater haben langjährige Erfahrung in der Beratung von vermögenden Kunden. Die systematische Analyse der Vermögenssituation wird nicht schematisch, sondern gezielt entsprechend den individuellen Kundenbedürfnissen vorgenommen. Vermögenssituation, berufliches und familiäres Umfeld, Risikofähigkeit und -bereitschaft fliessen dabei in ausführlichen Gesprächen in die Portfoliokonstruktion ein. In der Betreuungsphase werden, je nach Bedarf, Spezialisten für besondere Fragen beigezogen, wenn es beispielsweise um Vorsorge- oder Nachlassplanung geht. Parallel zur Betreuung erfolgt die laufende Überwachung des Kundenportfolios durch den Berater.

In den letzten Monaten hat das Vertrauen in die Banken generell arg gelitten. Spüren Sie auch mehr Skepsis und Zurückhaltung auf Kundenseite?

Nein, im Gegenteil. Natürlich kann sich auch Valartis dem gegenwärtigen unfreundlichen Finanzmarktumfeld nicht entziehen. Auch unser Aktienkurs hat gelitten. Aber wir waren beispielsweise nie im amerikanischen Subprime-Hypothekenmarkt engagiert. Wir sind solider aufgestellt als viele andere, auch grössere Institute.

Trotzdem: Sind Sie auch mit Mittelabflüssen konfrontiert?

Nein, im Gegenteil. Unsere verstärkten Aktivitäten im Private Banking werden positiv aufgenommen. Wir erhalten guten Zuspruch von Neukunden in Zürich, Genf und Wien. Die überdurchschnittliche Eigenkapitalausstattung und unser Team von erfahrenen Beraterpersönlichkeiten werden von den bestehenden und neuen Kunden positiv aufgenommen und geschätzt.

Letzte Frage: Was ist ein guter Private Banker?

Grundlage ist ein einwandfreier Charakter. Ein guter Private Banker verfügt über Menschenkenntnis, Anstand und Diskretion. Er kann zuhören und sich in die Situation seines Gegenübers hineinversetzen. Er hat eine breite Allgemeinbildung, aber auch fundiertes Fachwissen. Er kennt sich aus mit Finanzprodukten, Börsengeschäften und Portfolio Management. Er ist loyal, seinem Kunden und seiner Bank gegenüber. Loyalität ist ein wichtiger Charakterzug – schliesslich will ein Bankkunde nicht bei jedem Bankbesuch mit einem neuen Kundenberater konfrontiert sein, sondern möglichst viele Jahre mit «seinem» Berater zusammenarbeiten.

***

Das Interview erschien erstmals in PRIVATE, dem Magazin für private und institutionelle Investoren. Eine ausführliche Fassung des Gesprächs findet sich auf diesem Link.

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Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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