«Abfindungen sind kein Bestandteil unserer Unternehmenskultur»

Zahlreiche Banken verabschieden sich vom Schweizer Finanzplatz. Olivier Jaquet, CEO der liechtensteinischen Centrum-Gruppe, erklärt im Gespräch mit finews.ch, wo die Prioritäten künftig liegen.


Herr Jaquet, die Centrum-Gruppe gibt ihre Banklizenz in der Schweiz ab, und der CEO Sandro Schmid geht von Bord. Was geschieht mit den übrigen Mitarbeitern in der Schweiz?

Wir bemühen uns, für alle betroffenen Mitarbeiter eine Lösung zu finden. Einige werden bei der Centrum Bank in Liechtenstein oder bei der Bélvèdere Asset Management in Zürich weiter beschäftigt. Wo wir keine interne Lösung finden, werden wir mit Outplacement-Unterstützung helfen, ausserhalb der Bank eine Stelle zu finden.

Wie viele Mitarbeiter in der Schweiz sind davon betroffen?

Derzeit beschäftigt die Centrum Bank (Schweiz) 25 Personen. Ein grosser Teil dieser Leute bleibt auch mindestens angestellt, bis wir die Lizenz abgegeben haben. Dies ist ein Prozess, der sich über mehrere Monate hinzieht.

Wie viel Vermögen hat die Centrum Bank (Schweiz) verwaltet?

Diese Zahl haben wir nie offengelegt. Die Centrum-Gruppe betreut über 8 Milliarden Franken – nur ein kleiner Teil davon war in der Schweiz gebucht.

Und in Zukunft?

Der allergrösste Teil der Vermögen der Centrum Bank Schweiz soll in Liechtenstein gebucht werden. Die Betreuung dieser Kunden wird in den meisten Fällen durch die Belvédère Asset Management erfolgen.


«Die Kontinuität ist sichergestellt»


Wir haben mit den meisten grossen Kunden bereits Gespräche geführt, und sind sehr zuversichtlich, dass sie uns die Treue halten werden. Für die Kunden ändert sich im Grunde nicht viel.

Das heisst es bei Reorganisationen immer. Und dann...

Bei uns stimmt es. Auch in Zukunft werden die Kunden, so sie dies wünschen, von Giorgio Saraco beraten, der sie schon bei der Centrum Bank (Schweiz) betreute. Er wird zu Bélvèdere Asset Management wechseln. Damit ist die Kontinuität in der Beratung der Kunden sichergestellt.

Geht mit dem personellen Abbau in der Schweiz eine personelle Aufstockung in Liechtenstein einher?

Ausser jenen Mitarbeitenden, die von Zürich nach Vaduz wechseln, ist das nicht vorgesehen. Wir verfügen in Liechtenstein über eine sehr effiziente und skalierbare Buchungs- und Abwicklungsplattform. Damit können wir zusätzliche Kundengelder ohne Personalaufstockung abwickeln.


«Externe Vermögensverwalter sind wichtig»


Können sich auch unabhängige Vermögensverwalter Ihrer Plattform anschliessen?

Ja. Externe Vermögensverwalter sind tatsächlich eine sehr wichtige Kundengruppe für uns. In diesem Bereich wollen wir sicherlich weiter wachsen.

Hat der US-Steuerstreit mit der Aufgabe der Centrum Bank Schweiz etwas zu tun?

Ganz und gar nicht. Wir haben alle notwendigen Abklärungen für die Teilnahme am US-Programm vorgenommen und festgestellt, dass wir uns problemlos der Kategorie 3 zuordnen können.

Die Rückgabe der Schweizer Lizenz erfolgt nicht aus einer Not heraus, sondern auf Grund strategischer Überlegungen.

Wo liegt denn die kritische Grösse für eine Schweizer Bank?

Es ist schwierig, eine generelle Grösse zu definieren, da jede Bank anders aufgestellt ist. Klar waren die Kosten bei unseren Überlegungen wichtig. Die strategischen Überlegungen standen aber im Vordergrund.


«Wir haben den Fünfer und das Weggli»


Macht es wirklich Sinn, im heutigen Umfeld zwei Banken zu haben, die gerade mal 100 Kilometer voneinander entfernt sind und einander in Bezug auf die Finanzplatzvorteile ebenbürtig sind?

Unser Ziel war es, Effizienzgewinne zu erzielen und die Nähe zu unseren Kunden gleichzeitig zu erhöhen.

Trotzdem behalten Sie mit Ihrer Vermögensverwaltung einen Fuss in der Schweiz. Warum?

Die Schweiz bleibt unser zweiter Heimmarkt. Mit Bélvèdere Asset Management erhalten wir uns die Möglichkeit, Kunden von der Schweiz aus zu betreuen unabhängig davon, ob sie bei der Centrum Bank oder einer Drittbank ihre Vermögen deponiert haben. Insofern haben wir den Fünfer und das Weggli.

Der scheidende Schweiz-CEO ist wie Sie ein ehemaliger Clariden-Leu-Mann, der seinerzeit einiges dazu beitrug, dass Sie bei der Centrum Bank ins Gespräch kamen. Was macht er künftig? Erhält er eine Abfindung?

Im Rahmen dieser Umstrukturierungen war für uns die Kontinuität in der Kundenbetreuung zentral. Diese wird durch Giorgo Saraco als neuer Co-Head der Belvédère Asset Management gewährleistet.


«Wir übernehmen eine Vorreiterrolle»


Die Zukunftspläne von Sandro Schmid kenne ich nicht. Abfindungen sind kein Bestandteil unserer Unternehmenskultur.

Was bringt die Neupositionierung der Centrum-Gruppe?

Mit der Belvédère Asset Management können wir unsere Kunden in ihrer Gesamtheit betreuen, unabhängig von der Depotbank. . Bisher waren wir in der Schweiz nur eine kleine Bank unter vielen anderen.

Bélvèdere Asset Management hingegen wird künftig, gemessen an den verwalteten Vermögen, ein grosser unabhängiger Vermögensverwalter in der Schweiz sein.

Zudem glaube  ich, dass wir mit unserer Neuausrichtung eine Vorreiterrolle übernehmen, in einer Branche, die tiefgreifenden Umwälzungen ausgesetzt ist.


Olivier Jaquet trat sein Amt als CEO der Centrum-Gruppe am 1. August 2013 an. Zuvor war er CEO der Clariden Leu Bank, bevor diese 2012 in die Muttergesellschaft Credit Suisse integriert wurde. Ab 1994 hatte der ehemalige Vizeweltmeister im Degenfechten diverse Führungsaufgaben beim Schweizerischen Bankverein (SBV), später UBS, und bei der Credit Suisse inne.

 

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

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Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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