Wird die Credit Suisse weichgeklopft?

Die Credit Suisse wird mit abstrusen Forderungen konfrontiert, der Bundesrat appelliert an die Vernunft der Amerikaner, Notrecht wird diskutiert. 

Es ist derzeit schwierig, abzuschätzen, wie es tatsächlich im Steuerstreit zwischen den US-Behörden und der Credit Suisse (CS) steht.

Glaubt man den jüngsten Medienberichten, dann ist der Tonfall der amerikanischen Seite, der sich nach der Anhörung des CS-Managements vor dem US-Senat im Februar bereits verschärft hatte, nochmals um einige Nuancen härter geworden.

Schuldbekenntnis gefordert?

In den vergangenen Wochen seien bei der CS aus Washington Forderungen eingegangen, die eine Quelle aus dem direkten Umfeld der Grossbank als «jenseits von Gut und Böse» bezeichnete, wie die «Neue Zürcher Zeitung» am Wochenende schrieb.

Dabei gehe es nicht nur um die Höhe der Busse – laut Medienberichten bis zu 2 Milliarden Dollar. Washington verlange auch noch ein Schuldbekenntnis von der Bank. Selbst die Drohung einer Strafklage stehe im Raum.

Bundesrat appelliert

Diese offenen Drohungen, die der drittgrösste CS-Aktionär, die Firma Harris Associates, als «grenzwertige Erpressung» bezeichnete, haben die offizielle Schweiz aufgeschreckt.

So wandte sich Bundespräsident Didier Burkhalter an die USA mit dem Aufruf: «Der Bundesrat appelliert daran, die Regeln des Fairplay einzuhalten und die Verhältnissmässigkeit zu respektieren».

US-Banken geschont

Auch Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat bei einem Treffen mit dem US-Justizminister Eric Holder am vergangenen Freitag für ein «faires und ausgewogenes Verfahren» plädiert. Schweizer Banken dürften nicht schlechter behandelt werden als andere, sagte sie.

Ein Hinweis, der angebracht scheint. Denn bisher wurde keine einzige US-Bank für ihre Vergehen während der Finanzkrise mit einer Strafanklage eingedeckt. Bisher liessen die amerikanischen Behörden Banken und Finanzinstitute mit Bussen laufen. Oder sie bürdeten einer Tochtergesellschaft die Schuld auf und forderten von ihr ein Geständnis.

Notrecht gefordert

Doch hinter den Kulissen scheint die Schweiz bereits Massnahmen zu planen, wie man dem nun zu eskalierenden Streit begegnen will. Wie bei der UBS soll der Bundesrat der Credit Suisse die Bewilligung erteilen, den USA Daten per Notrecht zu senden, heisst es in den Sonntags-Medien. Die Regierung diskutiere dies ernsthaft, sei aber noch zu keinen Schluss gekommen.

Ein einfacherer und dazu noch ein legaler Weg wäre es indes, wenn die USA das Doppelbesteuerungsabkommen aus dem Jahr 2009 ratifizieren würden. Das Abkommen würde es der CS ermöglichen, die von den USA geforderten Daten liefern zu können, ohne dass die Bank gegen Schweizer Gesetze verstossen würde.

Kaum Reaktion an der Börse

Darauf wies die CS bereits an der Anhörung vor dem Senat hin. Sie sicherte damals auch ihre volle Kooperation in dem anhaltenden Steuerstreit zu. Das Doppelbesteuerungsabkommen hängt aber seit drei Jahren beim US-Senat fest.

Erstaunlicherweise hat die Börse bisher auf den verschärften Tonfall aus den USA kaum reagiert.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

 

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Wie Goldman Sachs 1,2 Milliarden Dollar aus Libyen versenkte
  • Blackrock-Mitgründerin: «Asset Manager sind keine Banken»
  • Nullzins-Politik: Und sie funktioniert doch – sagt Mario Draghi
  • Europas Zukunft steht auf dem Spiel
  • Bankchef muss auf 41 Millionen Dollar verzichten
  • Wohnen wie Leonardo DiCaprio
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram

Zürcher Bankenverband

Führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche zum Thema Regulierung.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

SELECTION

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Ideen aus fünf Kontinenten für die Bank der Zukunft.

Selection

Selection

So empfängt die UBS künftig ihre besten Kunden

Die grösste Schweizer Bank gestaltet weltweit ihre Empfangsbereiche und Sitzungszimmer für die reiche Klientel neu.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Gottex

Der Hedgefonds-Anbieter Gottex hat die Publikation seiner Halbjahreszahlen verschoben. Offenbar verzögern sich die Verhandlungen um eine zweite Finanzierungsrunde.

UBS

Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt.

Avaloq

Der Bankensoftware-Entwickler Avaloq und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) haben einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 soll analysiert und erarbeitet werden, inwiefern die Umsetzung der Apobank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank will den britischen Versicherer Abbey Life an die Phoenix Life, eine Gesellschaft der Phoenix Group, verkaufen. Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Phoenix Life 100 Prozent von Abbey Life zum Preis von 935 Millionen Pfund erwirbt. Abbey Life ist derzeit Teil der Deutschen Asset Management.

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

weitere News