Warum die Commerzbank hier das Handtuch warf

Erstaunt es, dass gerade diese beiden deutschen Institute zu den frühesten Opfern der Konsolidierung hierzulande gehören? Keineswegs.

Vieles, was in den letzten Jahren im Zusammenhang mit den übernommenen Banken geschah, hat nicht unbedingt das Vertrauen der Kundschaft gefördert: Im Jahr 2007 beispielsweise lief eine Untersuchung der Eidgenössischen Bankenkommission (heute Finma) gegen die Dresdner Bank (Schweiz).

Im Geschäftsbericht 2007 schrieb die Bank dazu nur lapidar: «Die Bankenkommission hat auf verschiedene Versäumnisse hingewiesen, erachtet die inzwischen getroffenen und eingeleiteten Massnahmen aber als ausreichend.»

Immerhin musste im September 2007 der damalige CEO der Dresdner Schweiz, Franz-Losef Lerdo, seinen Hut nehmen. Heute ist er für ein Family Office namens IfW Institut für Wirtschaftsberatung Niggemann tätig. Die Dresdner Bank wurde vergangene Woche von der liechtensteinischen LGT Group übernommen.

«Liebe auf den ersten Blick»

Vergangene Woche wurde die Commerzbank (Schweiz) von der Bank Vontobel übernommen. In einem Zeitungsinterview in der «NZZ am Sonntag» am Wochenende erklärte Vontobel-CEO Herbert J. Scheidt: «Es war Liebe auf den ersten Blick

Die Schweizer Tochter der Commerzbank wurde 1985 gegründet, beschäftigt in Zürich, Genf und Wien 127 Personen und verwaltet Vermögen in der Höhe von rund 4,5 Milliarden Franken. Die betreuten Kundenvermögen im Private Banking der Vontobel-Gruppe steigen somit um 20 Prozent auf rund 28 Milliarden Franken.

Die Übernahme muss noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden. Der Markenname Commerzbank soll danach aufgegeben werden.

Die Commerzbank (Schweiz), analog zu ihrem Heimmarkt kleiner als die Dresdner, fiel kaum durch spezielle Leistungen auf. Es ist zu vermuten, dass sich die Schweizer Geschäftsstellen dieser deutschen Bank primär auf unversteuerte deutsche Kundschaft konzentrierten, die ihnen von den Mutterhäusern vermittelt wurde.

Ein Geschäftsmodell, das nun beerdigt wird

Offenbar ist es ihnen aber nicht gelungen (und weil sie es vielleicht auch nicht können?), die speziellen Eigenschaften des Swiss Banking herauszuheben und konnten so auch kein weiteres Wachstum erzielen. Mehr noch: sie vertraten ein Geschäftsmodell, das im Begriff ist, beerdigt zu werden.

Vor allem die Dresdner Bank, die kürzlich von der LGT Group übernommen wurde, hat in ihrem Heimatland eine wechselvolle Geschichte erlebt. finews.ch berichtete darüber. Nach einem gescheiterten Fusionsversuch mit der Deutschen Bank noch unter Josef Ackermanns Vorgänger Rolf-E. Breuer kam die Bank 2001 für 23 Milliarden Euro unter die Fittiche der Münchner Allianz Gruppe.

Staatshilfe beansprucht

Nachdem sich Allfinanz-Hoffnungen, ähnlich wie bei der CS, nicht erfüllt hatten und der Versicherungsriese zudem in den Sog der Finanzkrise geraten war, veräusserte er die Bank im August 2008 wieder an die Commerzbank für 9,8 Milliarden Euro. Diese wiederum nahm im November letzten Jahres Staatshilfe im Umfang von rund 8 Milliarden in Anspruch. All das hat wohl nicht unbedingt zum Vertrauen der Kundschaft beigetragen.

Die Vontobel-Gruppe hat auf ihrer Website derzeit 9 offene Feststellen und 3 offene Temporärstellen ausgeschrieben.

 

 

 

 

 

 

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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