Francesco de Ferrari: «Die Finanzkrise war eindeutig ein Katalysator»

Ende Februar hat die Credit Suisse ein Schulungs-Zentrum für Private Banking in Singapur eröffnet. Es soll nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch den Kunden dienen, sagt CS-Top-Manager Francesco de Ferrari.


Herr de Ferrari, unlängst hat die Credit Suisse das «Wealth Institute» in Singapur eröffnet. Was ist daran besonders?

Das Credit Suisse Wealth Institute ist ein topmodernes Schulungs- und Kompetenzzentrum auf mehr als 800 Quadratmeter, das auf die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter in der Region Asien-Pazifik ausgerichtet ist.

Eine Priorität hat dabei die Förderung junger, talentierter Leute aus der Bank selber. Zusätzlich soll das Institut dafür genutzt werden, Kunden beizubringen, wie sie ihr Vermögen gezielt ausbauen und sichern können.

Was muss man sich darunter vorstellen?

Das Wealth Institute bietet den Kunden einen Zugang zur «Thought Leadership» der Bank, das heisst, zu ihren Experten und Veranstaltungen. Allein in diesem Jahr wird das Wealth Institute mehr als 35 grosse Anlässe und Programme organisieren und «Thought-Leadership-Research» der lokalen und regionalen Kundschaft der Credit Suisse zukommen lassen.


«60 Prozent sind sehr vermögende Kunden»


Dabei reicht das Themenspektrum von Finanzprodukten, Kapitalanlagen und Vermögensverwaltung über Family Offices und familiäre Nachlassplanung bis zur Philanthropie.

Welche Klientel betreut die Credit Suisse in Singapur?

Rund 60 Prozent unseres Private-Banking-Geschäfts in der Region Asien-Pazifik entfällt auf sehr vermögende Privatkunden, so genannte Ultra-High-Net-Worth-Individuals (UHNWI).

Vor diesem Hintergrund müssen wir jederzeit sicherstellen, dass unsere Kundenberater gerüstet sind, um diesem Klientel die entsprechenden Lösungen anbieten zu können. So schulen wir unsere Mitarbeiter.

Was heisst das konkret?

Erstens: Bereits seit 2009 müssen alle unsere Kundenberater im Private Banking ein so genanntes Frontline-Training durchlaufen. Dabei handelt es sich um ein Zertifizierungsprogramm für alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt.


«Kundenberater legen eine Prüfung ab»


Es gewährleistet, dass die Berater den Kunden verständliche und umfassende Informationen zu Produkten und möglichen Investitionen und Ertragsmöglichkeiten vermitteln und ihre Beratung auf die individuellen Kundenbedürfnisse ausrichten. Bis heute haben 4'000 Mitarbeiter dieses Programm absolviert, davon 800 in der Region Asien-Pazifik.

Zweitens: Im September 2011 haben die Finanzbehörden von Singapur einen Code of Conduct im Private Banking (PB Code) eingeführt. Dafür müssen die Kundenberater eine Prüfung ablegen. Erst nach Bestehen der Client Advisor Competency Standards (CACS), können sie ihre Arbeit aufnehmen. Dieser Test ist Bestandteil der Zertifizierung im Rahmen des Frontline-Trainings der Credit Suisse.


«Ein Fokus liegt auf der Führungsschulung»


Drittens: Dieses Jahr legt die CS im asiatisch-pazifischen Vermögensverwaltungsgeschäft einen Fokus auf Führungsschulungen und alle Teamleiter müssen entsprechende Managementkurse absolvieren. Das betrifft insgesamt mehr als 50 Leute. Diese Schulungen finden ebenfalls im Wealth Institute statt.

Woher dieser plötzliche Aktivismus. Früher ging's ja auch?

Die Finanzkrise muss rückblickend als Katalysator betrachtet werden, der dazu führte, dass man der Beratungs-Komponente im Vermögensverwaltungsgeschäft heute eine wesentlich grössere Bedeutung beimisst.


«Früher war das Risiko-Profil weniger zentral»


Das Risiko-Profil des Kunden ist zentral, um ihm das richtige Produkt anbieten zu können. Das war früher weniger der Fall.

Wie muss man sich den asiatischen Kunden vorstellen?

In Asien gehören die meisten vermögenden Kunden der ersten oder zweiten Unternehmergeneration an. Als Universalbank verwalten wir nicht nur deren Vermögen, sondern auch deren Verbindlichkeiten und illiquiden Vermögenswerte, wie Immobilien oder grosse Kapitalbeteiligungen. Zum Teil arbeiten wir als Bank auch mit ihren jeweiligen Firmen zusammen.

Hat die Swissness in diesem Kontext noch eine Relevanz?

Aber sicher. Für asiatische Kunden kommt es bei der Auswahl einer Bank vor allem auf die Vertrauenswürdigkeit und auf die Beratungskompetenzen an.


«Mitarbeiter müssen regelkonform arbeiten»


Die Tatsache, dass Kunden in uns einen stabilen und verlässlichen Partner sehen, hat durchaus mit unseren Wurzeln zu tun. Das assoziieren die Kunden mit der langen Erfahrung der Schweiz im Private Banking und mit der Stabilität unseres Landes.

Welche Rolle spielt dabei das Bankgeheimnis, das hierzulande enorm unter Druck steht?

Die Pflege einer robusten Compliance- und Kontrollkultur ist für uns ein wichtiger Weg, um das Vertrauen der Kunden, Anleger und Aufsichtsbehörden in allen unseren Märkten zu gewinnen – und damit auch in Asien.

In jüngster Zeit sorgen Bankmitarbeiter regelmässig für Schlagzeilen, wonach sie ihren Kunden bei der Hinterziehung von Steuern behilflich waren. Wie gehen Sie damit um?

Wir erwarten von allen unseren Mitarbeitenden, dass sie laufend über die sich rasch verändernden regulatorischen Bestimmungen informiert sind und sich jederzeit regelkonform und verantwortungsvoll verhalten.


«Rund 121 Milliarden Franken in Asien-Pazifik»


Das ist unerlässlich, um die Interessen der Kunden und Investoren zu wahren und unser Geschäft und unsere Reputation zu schützen.

Welche abschätzbaren Ziele haben Sie sich mit dem Wealth Institute gesetzt?

Es soll entscheidend dazu beitragen, dass die Credit Suisse ihre Geschäfte in der Region ausbauen und weiterentwickeln kann. Aktuell verwaltet die Bank im asiatisch-pazifischen Raum rund 121 Milliarden Franken an privaten Kundenvermögen.


«Im Schnitt 17 Kursstunden»


Wir wollen ausserdem unseren Pool an Talenten fördern, die Qualität unserer Kundenberater steigern und die Führungskräfte von morgen auf ihre Aufgabe besser vorbereiten. Zudem soll das Institut als Plattform genutzt werden, um einen engeren Kontakt mit unserer Klientel zu haben.

Allein in diesem Jahr werden wir am Wealth Institute mehr als 250 Lern- und Entwicklungseinheiten anbieten und damit gut 3'500 Beschäftigte weiter ausbilden. Im Schnitt wird eine Person 17 Kursstunden absolvieren. Ein wesentlicher Teil dieser Module werden lokale Angestellte in Singapur belegen.


Francesco de Ferrari 180Francesco de Ferrari ist Managing Director und leitet in dieser Funktion das Private Banking Asia Pacific. Er arbeitet in Singapur. Seit 2002 steht er in den Diensten der Credit Suisse. Vor seiner gegenwärtigen Funktion leitete er als CEO das Private Banking Italien und amtete als Chief Operating Officer für das Private Banking in der EMEA-Region. Er begann seinen Berufsweg 1990 und hat bei einer Reihe von Grossfirmen gearbeitet, darunter Deloitte, Nestlé und McKinsey. Er studierte an der INSEAD in Frankreich sowie an der Stern School of Business in New York. 

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Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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