Wie Mark Haefele am Mount McKinley seine Erleuchtung hatte

Der neue Investmentchef der UBS hatte eine Schwäche für Sportwetten und riskierte für seine Ideale und die von Alex Friedman einmal sein Leben. Zur UBS kam er ebenfalls durch seinen Freund. Jetzt erbt er dessen Job.

Die beiden verbindet eine lange Freundschaft: Mark Haefele (Bild), seit Montag neuer Investmentchef der UBS, und Alex Friedman, der ihm seinen Posten überlässt und nun eigene Weg geht. Dass Haefele den wichtigen Posten im Wealth Management überhaupt erhalten hat, verdankt er auch seinem Freund Friedman.

Zusammen waren sie 2011, beide noch keine 40 Jahre alt, zur UBS gestossen. Im Wealth Management herrschte Aufbruchstimmung nach den katastrophalen Jahren zuvor, als Kunden nach dem Beinahe-Kollaps der UBS knapp 230 Milliarden Franken abgezogen hatten.

Das Dreamteam der globalen Anlagewelt

Friedman sollte den Investmentablauf verbessern und die Beratungsdienstleistungen vereinheitlichen, um mehr Transparenz für Kunden zu schaffen und die Renditen ihren Anlagen zu verbessern. Haefele sekundierte ihn als Global Head Investment.

Die beiden traten gerne zusammen auf, gaben gemeinsam Interviews. In der Fachpresse wie Barron's waren es Friedman und Anlagespezialist Haefele, welche das globale Wealth Management der UBS wieder zu Wachstum und zur treibenden Kraft im Konzern geführt hatten.

Camping, AIDS und Bergsteigen

Sie waren noch keine 20 Jahre alt, als sich Haefele und Friedman in Princeton zusammentaten. Haefele studierte Geschichte, Friedman orientierte sich mehr in Richtung Recht und Politik. Gemeinsam war ihnen der Idealismus und eine Leidenschaft für die Natur.

Aus den gemeinsamen, studentischen Camping-Ausflügen wurden alsbald auch Bergtouren. Aber die Kletterei allein zum Vergnügen reichte Friedman nicht: 1991 gründete er die Stiftung «Climb for the Cure», um Geld für AIDS-Forschung und -Kranke zu sammeln.

Die Maske sprach zu Haefele

Zwei Jahre darauf organisierte Friedman eine Expedition zum Mount McKinley in Alaska, dem höchsten Berg Nordamerikas. Mit von der Partie war sein Freund Mark Haefele sowie weitere drei Studenten und vier Studentinnen.

Für Haefele war der Denali, wie der Berg in der Sprache der Indianer heisst, aber eine Nummer zu gross: Schwindel und Übelkeit plagen ihn am Aufstieg zum Gipfel, es tobt ein eiskalter Sturm. «Ich hatte eine Halluzination», erzählt er später. Er habe in einer Maske im Schnee den Kopf eines Ureinwohners Alaskas gesehen.

Die Maske habe gesagt: «Du bist mit dem Berg nicht eins, denn du versuchst, ihn zu erobern». Der 22-Jährige deutet dies als Zeichen und bewegt sein Team zur Umkehr.

Friedman schaffte den Gipfel

Zehn Tage später macht Friedman erneut einen Versuch. Er und drei weitere seines Teams erreichen den Gipfel. Sie werden von Scott Fischer geführt, der 1996 am Mount Everest stirbt und eine der Hauptfiguren in Jon Krakauers «In Eisige Höhen» ist. Haefele war im Basislager geblieben.

Als promovierter Historiker schlug Haefele wie so viele Abgänger von Harvard in den neunziger Jahren den selben Weg ein: Er ging in die Finanzbranche und gründete 1997 den Hedge-Fund Sonic Capital in Boston.

Haefele war Spezialist für Sportwetten

Der Investmentansatz war recht ungewöhnlich: Sonic Capital nutzte quantitative Methoden in Sportwetten. Im Jahr 2005 wurde er Managing Director bei Matrix Capital, eine Investmentberatungsgesellschaft für Institutionelle Anleger, die ihren Sitz in Liechtenstein hat.

Jetzt ist die Seilschaft Friedman-Haefele wieder getrennt. Über die Gründe von Friedmans Abgang schweigt sich die UBS aus. Er wolle eine Auszeit nehmen, schreibt die Nachrichtenagentur «Bloomberg».

Seinen Freund Haefele lässt er zwar in Zürich zurück, vererbt ihm aber auch seinen machtvollen Posten als Anlagechef. Haefele hat seinen Gipfel doch noch erklommen.

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