Wie die UBS Frankreichs Fussball-Stars bezirzte

Patrick Vieira und Claude Makelele sind nur die Spitze des Eisbergs: Die UBS umwarb in Frankreich gezielt namhafte Sportstars. Wie die Bank vorging, enthüllen neue Dokumente.

«Eine sehr sensible Person, die Vertrauen nicht einfach schenkt», schrieb Caroline Duret nach einem Treffen im November 2001 mit dem Fussball-Profi  Patrick Vieira in London.

Und über Silvain Wiltord, einen weiteren französischen Profi-Kicker, der bei Arsenal London sein Geld verdiente, schrieb sie im Februar 2002: «Hat begonnen, über Geld zu sprechen. Müssen ihn noch ein wenig bearbeiten».

David Trezeguet besuchte Duret in Turin: «Sein Papa kümmert sich um das Vermögen, eher altmodisch».

Und so geht das über Seiten: Die UBS-Bankerin Caroline Duret führte fein säuberlich Buch über ihre «Key Clients». Es ist das «Who is Who» im französischen Fussball, mit denen Duret über Geld und Konten sprach: Von Laurent Blanc bis Zinedine Zidane, von Arsène Wenger bis Michel Platini.

Kundengruppe «Sports and Entertainment»

Die Liste kursiert nun in den französischen Medien, seit die Behörden eine Untersuchung gegen die UBS in Frankreich eröffnet haben. Caroline Duret kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Im Jahr 2001 stiess sie zur UBS – ohne, dass sie über grosse Kenntnisse im Banking verfügt habe, wie ehemalige Mitarbeiter erzählten.

Die UBS interessierte sich für ihr Adressbuch, das voll mit Namen aus dem Sport- und Showbusiness war. Um Duret wurde die Gruppe SEG aufgebaut – das steht für Sports and Entertainment Group. Eine Truppe mit drei Kundenberatern, die es vor allem auf die Stars der französischen Fussball-Nationalmannschaft abgesehen hatte, die 1998 mit dem Weltmeistertitel zu Ruhm, Ehre und lukrativen Auslandverträgen gekommen waren.

Platini schwärmte von der UBS

Duret zeigte Geschick und Hartnäckigkeit, wenn es darum ging, potenzielle Kunden zu bezirzen. Mit Platini traf sie sich mehrmals an der Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan. Es habe «lange und schwierige Treffen» mit Platini gegeben, die aber «fruchtbar» gewesen seien, weil der Fussball-Funktionär und heutige UEFA-Chef sie mit einer Reihe von Club-Präsidenten bekannt gemacht habe, hielt die UBS-Managerin in ihren Notizen fest. Platini habe dabei von «der Professionalität und der Intelligenz» der UBS geschwärmt.

Die Liste zeigt auch, dass manche der Sportstars offenbar genau wussten, was sie der UBS wert sein würden. So wollte Silvain Wiltord, dass ihm Duret zuerst einmal ein Appartement in Paris besorgt, bevor weiter über Geld gesprochen würde.

«Client off» steht für Offshore-Kunden

Der Verdacht besteht, dass Duret den Sportstars Offshore-Konstruktionen angeboten hat. Die Kundendaten von Patrick Vieira und von Claude Makelele hat die Schweiz unlängst an Frankreich ausgeliefert. Aber bis heute ist unklar, ob die Kicker unversteuertes Geld auf ihren UBS-Konto hatten oder nicht.

Aus der Liste geht dies nicht hervor, auch wenn beispielsweise bei Kunden wie Christian Karembeu, Laurent Blanc oder Youri Djorkaeff der von Hand geschriebene Zusatz «Client off» steht. Dies soll die Bezeichnung für «Offshore»-Kunden sein.

Allerdings sollen diese handschriftlichen Ergänzungen nicht von Duret selber stammen, sondern von einem internen Auditor der UBS, Nicolas Forissier. Diesen hatte die UBS 2010 entlassen, nachdem er sich als «Whistle Blower» betätigt hatte. Duret verliess die Bank 2009. Sie hat ihre Aussagen vor den Untersuchungsrichtern bereits gemacht.

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