UBS: Eine Wealth-Management-Maschine ist das noch nicht

Die UBS hat nach sechs Monaten im laufenden Jahr positiv überrascht. Allerdings zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass es einigen Handlungsbedarf gibt. Sieben Feststellungen.

1. USA: Mehr Worte statt Taten

Fast jede Woche sorgt USA-Chef Robert McCann für Publizität in Sachen UBS. Mal eröffnet er ein neues Service-Center in Texas, plaudert über seine Erfahrungen als junger Mann in New York oder erhöht die Gebühren für die unabhängigen Finanzberater in seinem Land. Gemessen am Geschäftserfolg ist seine Wirkung durchzogen.

Zwar hat er neuerliche Rekorderträge erwirtschaftet, gleichzeitig muss er aber unter dem Strich einen Geldabfluss von 2,5 Milliarden Dollar verschmerzen. Es heisst, der Grund dafür sei, dass die Kunden im vergangenen Quartal ihre Steuern bezahlen mussten. Gänzlich überzeugt dieses Argument jedoch nicht. Ausserdem ist im Wealth Management USA das Kosten-/Ertragsverhältnis mit 87 Prozent nach wie vor (zu) hoch.

2. Bruttomargen: Vom Ziel entfernt

Wieder einmal enttäuschte im Quartalsabschluss auch die Bruttomarge, die mit 84 Basispunkten (bps) gegenüber einem Wert von 87 bps im ersten Quartal zwar leicht sank. Doch liegt sie weiterhin unter ihrem langfristigen Zielwert von 95 bps bis 105 bps. Es heisst, dies liege an den tiefen Zinsen. Der Rückgang veranschaulicht allerdings auch, wie schwierig es ist, das verlorene Ertragspotential zurückzugewinnen.

3. Leverage Ratio auf Kurs, aber hohe Kosten

Die UBS geht heute davon aus, dass ihre Basel-III-Kernkapitalquote (CET1) um 0,3 Prozent verbessert wurde und nun bei 13,5 Prozent liege, somit über der Zielgrösse von 11.5 Prozent. Zudem stieg die Leverage Ratio für systemrelevante Schweizer Banken auf Basis einer vollständigen Umsetzung auf 4,2% und entspricht damit der erwarteten Vorgabe auf vollständig umgesetzter Basis.

Damit erreicht UBS die voraussichtlich verlangte Leverage Ratio vier Jahre früher als erforderlich. Die Cost-/Income Ratio lag im zweiten Quartal bei nach wie vor sehr hohen 82,8 Prozent (81,1 Prozent im Vorquartal) und bleibt damit in einem unakzeptabel Bereich. Die Eigenkapitalrendite sank; sie betrug nur 6,4 Prozent (8,7 Prozent im ersten Quartal 2014).

4. Deutschland: Rekordhoher Ablass

Ein Verfahren der Staatsanwaltschaft Bochum in Sachen Offshore-Banking konnte die UBS im Juli beilegen. Dafür muss sie allerdings einen hohen Preis bezahlen: 300 Millionen Euro. Das schmerzt, zumal noch in anderen Ländern Ermittlungen laufen (vgl. Punkt 7).

Dem Vernehmen nach haben mittlerweile über 95 Prozent der deutschen Kunden den Nachweis für ihre steuerliche Offenlegung erbracht oder vom freiwilligen Offenlegungsprogramm Gebrauch gemacht. Bis Ende 2014 will die UBS eine Quote von 100 Prozent erreichen.

5. Europa: Weitere Geldabflüsse

Die UBS war in Europa gezwungen, ihre Kunden zur Steuerehrlichkeit zu bewegen oder die Kundenbeziehung zu beenden. Dies hat in den letzten Quartalen zu Geldabflüssen geführt, wobei die Talsohle nun durchschritten scheint. Im zweiten Quartal 2014 verlor die UBS noch Kundengelder in der Höhe von 600 Millionen Franken, nach 2,2 Milliarden Franken im Vorquartal und 1,4 Milliarden Franken im vierten Quartal 2014.

Die Geldabflüsse muss die UBS mit Kosteneinsparungen kompensieren, doch hinkt sie hier der Entwicklung noch hinterher. Die Marge blieb auch im zweiten Quartal auf Sinkflug und beläuft sich in dieser Region noch auf 83 Basispunkte. Vor Jahresfrist hatte sie noch bei 90 Basispunkten gelegen.

6. Investmentbank: Beratungsgeschäft eingebrochen

Von den angestrebten nachhaltigen Ertragsströmen ist die UBS in der Investmentbank noch ein ganzes Stück entfernt. Das liegt unter anderem an ihrem Kundengeschäft, welches noch keinen gleichmässigen Deal-Flow hinbekommt. Das Beratungsgeschäft brach im zweiten Quartal um 22 Prozent ein, ähnlich die Aktientransaktionen, die um 18 Prozent abnahmen.

Das grosse Geld macht die UBS nach wie vor im Handelsgeschäft, wo sie im zweiten Quartal 1,6 Milliarden Franken Erträge erzielte. Im Firmenkundengeschäft waren es nur 865 Millionen Franken.

7.  Rückstellungen: Es könnte zu wenig sein

Selbst mit der Zahlung der 300 Millionen Euro nach Bochum ist der Berg an hängigen Rechststreitigkeiten nur unwesentlich kleiner. Die Untersuchungen in Belgien und Frankreich wegen Steuerhinterziehung und Geldwäscherei bewogen die UBS, ihre Rückstellungen nochmals um 295 Millionen Franken zu erhöhen.

Insgesamt belaufen sich die Rückstellungen damit auf 1,98 Milliarden Franken. Die UBS warnt aber: Das könnte nicht genug sein. Die Kosten für die Lösung weiterer Rechtsfälle könnten substanziell höher ausfallen. Hängig sind weitere Verfahren Deutschland, Italien und Puerto Rico sowie diverse Fälle in den USA.

Zudem laufen noch Untersuchungen im Zusammenhang mit der Manipulation des Libor-Zinssatzes und der Devisenkurse. Bislang nicht belangt wurde die UBS wegen möglicher Manipulation des Gold- und Silberpreises.

  • Gemäss einer Studie von Autonomous Research LLP könnte die Bank insgesamt noch Bussen zwischen 6 und 9 Milliarden Dollar in den nächsten Quartalen aufgebrummt bekommen.

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