«Schweiz AG ist komplexer als UBS-Fusion»

UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler über die Komplexität in seinem Geschäftsbereich, drohende Kosten für die Kunden, die Folgen der Zuwanderungs-Initiative und besorgte Investoren aus dem Ausland.

Die UBS arbeitet daran, sich eine Holdingstruktur mit eigenständigen Tochtergesellschaften zu geben, darunter auch eine Schweiz AG. Ein anspruchsvolles Unterfangen, wie UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler feststellt.

Die neue Struktur sei eine Folge aus der Debatte um «Too big to fail», sagte UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler (Bild) am Wochenende in einem Interview mit dem «St. Galler Tagblatt» (Artikel kostenpflichtig). Die Schaffung einer eigenen UBS Switzerland AG sei ohne Zweifel ein Riesenprojekt.

Veränderungen für ganz grosse Kunden

«Es ist von der technischen Komplexität her sogar anspruchsvoller als die Fusion von Bankgesellschaft und Bankverein zur UBS im Jahr 1998. Das liegt daran, dass es einfacher ist, Dinge zusammenzuführen, als sie wieder zu entflechten», so der 49-jährige Gähwiler weiter.

Die neue Struktur im Hintergrund werde aber so gut wie keinen Einfluss auf die Art des Geschäfts, auf Mitarbeitende oder Kunden in der Schweiz haben. Von den hiesigen 2,7 Millionen Kunden werde es für 99 Prozent gleich weitergehen wie bisher. Einzig ganz grosse Kunden würden neu eine Geschäftsbeziehung zu mehreren Rechtseinheiten innerhalb der UBS-Gruppe haben.

Kritik am Fidleg

Kritisch geht Gähwiler auf das geplante Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) ein, dass derzeit in der Vernehmlassung ist. Grundsätzlich begrüsse er es, wenn ein Gesetz den Anlegerschutz regle. Aber dies müsse vernünftig und verhältnismässig geschehen.

Das Fidleg habe denn auch gute Ansätze, so unterstütze die UBS beispielsweise das Abschlussprotokoll, die Aufklärung des Kunden über allfällige Risiken sowie den Einbezug aller Vermögensverwalter. Bedenken äussert Gähwiler jedoch gegenüber der Beweislastumkehr, der Prozesskostenvorfinanzierung oder Verbandsklagen.

Nicht im Sinne der Konsumenten

«Das sind Vorschläge, die das schweizerische Rechtsverständnis auf den Kopf stellen und ein bürokratisches Monstrum schaffen. Wir haben eine funktionierende Zivilprozessordnung, die das Vertragsrecht regelt. Zudem würden solche Vorschriften im Finanzsektor den Weg bereiten, dass diese auch in anderen Branchen Einzug halten. Das würde der Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz schaden», betont Gähwiler.

Klar ist auch, dass eine schärfere Regulierung, erhöhte Dokumentationspflichten und mehr Administration die Kosten erhöhen. Diese (Kosten) müsse die Bank irgendwo überwälzen können. «Ist die Dienstleistung aber schlicht zu teuer, kann sie nicht mehr angeboten werden oder nur noch in grösseren Kundensegmenten. Das kann nicht im Sinne der Konsumenten sein», sagt Gähwiler.

Privatbanken erst am Anfang

Mit Blick auf die grossen Veränderungen, die sich derzeit in der Schweizer Bankbranche abspielen, sagte Gähwiler gegenüber dem «St. Galler Tagblatt»: «Bei Banken, die vor allem mit Schweizer Kunden geschäften, haben wir schon eine relativ hohe Konzentration: Die beiden Grossbanken, Raiffeisen, die Kantonalbanken, Migros Bank und Bank Coop zusammen haben einen Marktanteil von über 90 Prozent. Unter den kleineren Regionalbanken kommt es sicher zu weiteren Zusammenschlüssen oder Übernahmen durch eine grössere Bank.»

Aber dies seien Arrondierungen, die es früher schon gegeben habe. Dagegen stehe man bei den Privatbanken erst am Anfang einer grossen Konsolidierungswelle, vor allem bei jenen, welche die grenzüberschreitende Vermögensverwaltung als Geschäftsmodell hätten, sagt Gähwiler, denn «die Verwaltung unversteuerter Gelder ist kein Geschäftsmodell mehr.»

Lehrlinge gesucht

Der UBS-Schweiz-Chef räumt auch ein, dass selbst die grösste Bank der Schweiz in gewissen Regionen und Bereichen Mühe habe, geeignete Lehrlinge und Nachwuchskräfte zu finden. «Die ganze Schweiz läuft in einen akuten Mangel an Arbeitskräften hinein», warnt Gähwiler und spielt dabei auf diverse politische Vorstösse der letzten Zeit an, wie die Minder-Initiative oder die Masseneinwanderungsinitiative.

Und der UBS-Manager sagt klar: «Wir erhalten hierzu vermehrt besorgte Fragen von ausländischen Investoren, vielleicht auch, weil sie mit der direkten Demokratie der Schweiz weniger vertraut sind.»

Potenzial im Inland besser nutzen

Gähwiler betont aber auch, was die UBS im Nachwuchssektor tut: «Wir investieren sehr viel in die Aus- und Weiterbildung. Die UBS hat 1'800 Ausbildungsplätze, und wir versuchen, die jungen Berufsleute dann wenn immer möglich zu übernehmen. Generell müssen wir das Potenzial inländischer Arbeitskräfte besser nutzen», unterstreicht Gähwiler.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nackfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

So empfängt die UBS künftig ihre besten Kunden

Die grösste Schweizer Bank gestaltet weltweit ihre Empfangsbereiche und Sitzungszimmer für die reiche Klientel neu.

Selection

Selection

So werden Sie ein guter Chef

Ausgezeichnete Fachkenntnisse reichen nicht. Diese sieben Punkte sind genauso wichtig.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

weitere News