Chinas Spitzenbanker verdienen 6 Prozent von Urs Rohners Lohn

Schweizer Grossbanken sind Zwerge gegenüber Chinas Geldhäusern. Trotzdem verdienen chinesische Bankchefs viel weniger – weil hohe Gehälter angeblich zu Unzufriedenheit im Volk führen.

Schweizer Bankern gilt China immer noch als Eldorado. Sie träumen vom Renminbi-Hub und den sprudelnden Geldern einer neuen Generation asiatischer Superreicher. Ihre Chinesischen Kollegen sind derweil auf dem harten Boden der Realität gelandet.

Ihre Regierung verordnete ihnen nämlich jüngst happige Abstriche beim Salär. Wie die Nachrichtenagentur «Bloomberg» berichtet, erging der Befehl im Gefolge des von Chinas Präsidenten Xi Jinping verordneten Kampfes gegen Korruption und Misswirtschaft im immer noch kommunistisch regierten Land.

Betroffen von den neuen Weisungen sind in erster Linie die vier Staatsbanken Chinas, darunter die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC), das nach Gewinn und Bilanzsumme grösste Bankhaus der Welt. Dort könnten die Löhne fast um 70 Prozent geschrumpft und eine künstliche Oberschwelle bei jährlich 600'000 Yuan eingezogen werden – das sind nicht einmal 100'000 Franken. Dies, weil «überdurchschnittlich hohe Gehälter» zu «Unzufriedenheit» in der Öffentlichkeit führten, wie die Regierung meint.

Fertig Physiotherapie

Und nicht nur die Gehälter der Staatsbanker trifft die Axt. Dran glauben müssen auch die zahlreichen Vergünstigungen und Anreize, die weltweit zum Status der Branche gehören. Unter den Bann der Partei fallen ab sofort auch die von der Firma gesponserte Limousine, Club-Mitgliedschaften und sogar die Stunden beim Physiotherapeut. Ein schwerer Schlag für Chinas Banker. Umso mehr, als sie heute nur einen Bruchteil dessen verdienen, was ihre westlichen Kollegen nach Hause bringen.

So erhielt ICBC-Präsident Jiang Jianqing zuletzt rund 2 Millionen Yuan – nur wenig mehr als 300'000 Franken. Das ist meilenweit von dem entfernt, was seine Pendants bei den beiden Schweizer Grossbanken verdienten. So kam UBS-Präsident Axel Weber im Jahr 2013 auf eine Vergütung von insgesamt 6'069'516 Franken. CS-Präsident Urs Rohner machte zuletzt zwar Abstriche bei seinem Gehalt, kam aber immer noch auf 4'903'260 Franken. Das ist das 16-fache von Jianqing.

Auch in der EU

China mag am radikalsten durchgreifen – mit seinem Vorgehen gegen hohe Löhne in der Bankbranche steht es jedoch nicht alleine da. So gilt in der EU ab diesem Jahr eine Regelung, dass die Banker-Boni nicht mehr höher sein dürfen als das Fixgehalt. In Grossbritannien wird indessen über so genannte «claw-backs» diskutiert. Bankmanager müssten bei schlechtem Geschäftsgang schon ausbezahlte Vergütungen zurückerstatten. In Sachen Verdienst kann sich die Schweizer Bankbranche - trotz Strukturkrise - also immer noch glücklich schätzen.

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Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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