Wer kommt bei Raiffeisen an den Honigtopf der Vontobel-Fonds ran?

Notenstein wie auch TCMG erhoffen sich die Milliarden aus den Anlagefonds, die bis Mitte 2017 noch bei Vontobel liegen. Das schürt Konkurrenz zwischen den beiden Asset-Management-Einheiten innerhalb der Raiffeisen-Gruppe.

Pierin Vincenz scheut keine Kosten beim Aufbau seiner «Universalbank» Raiffeisen. Zuletzt finanzierten die Raiffeisen-Genossenschafter die Übernahme der Aktienmehrheit der Meilemer Competitive Edge Asset Management, kurz CEAMS genannt.

Sie ist die fünfte Finanz-Boutique der TCMG-Gruppe, die ihrerseits als Multi-Asset-Manager innerhalb der Raiffeisen-Gruppe agiert. Kostenpunkt dieser jüngsten Akquisition: geschätzte 90 Millionen Franken.

Milliarden werden zu Raiffeisen fliessen

Den Kauf begründete Vincenz diese Woche in der «Finanz und Wirtschaft» (ganzer Artikel bezahlpflichtig) so: «Wir müssen im Asset Management und im Fondsgeschäft nun die Strukturen aufbauen, da wir 2017 gewisse Fonds von Vontobel ablösen müssen. Wir wollen das rechtzeitig vorbereiten und die notwendige Plattform schaffen».

Diese Aussage birgt einiges an Brisanz. Denn sie bedeutet, dass mit dem Auslaufen des Kooperationsvertrages mit Vontobel per Ende Juni 2017 ein hübsches Sümmchen Geld zurück zur Raiffeisen-Gruppe wandert.

TCMG und Notenstein in der Ausmarchung

Und auf diese Milliarden haben sowohl die TCMG-Gruppe mit ihrem CEO Beat Wittmann als auch die Notenstein Privatbank mit ihrem Chef Adrian Künzi ein Auge geworfen.

Offenbar soll es dereinst zu einer Ausmarchung, Neudeutsch auch «pitch» gernannt, kommen, wer wie viel von diesen Geldern erhalten soll. Denkbar ist überdies, dass ein Teil auch von Dritten verwaltet werden könnte.

So oder so steht aber fest, dass diese Fondsgelder sowohl bei der Notenstein als auch bei TCMG Asset Management hochwillkommen wären.

7,1 Milliarden Franken Fondsvolumen

Zur Erinnerung: Der Kooperationsvertrag zwischen der «Bauernbank» Raiffeisen und der «blaublütigen» Zürcher Privatbank Vontobel war 2004 unter anderem auch darum geschlossen worden, um die bestehende, langjährige Zusammenarbeit im Fondsgeschäft zu vertiefen und auf eine exklusive Basis zu stellen.

In der Folge betreute Vontobel für Raiffeisen eine ganze Reihe von Fonds, die über das Genossenschaftsnetz an mehr als 2,5 Millionen Kunden vertrieben wurden. Das Volumen belief sich 2004 auf rund 7 Milliarden Franken und liegt heute bei 7,1 Milliarden.

Für Notenstein notwendiger Quantensprung

Welchen Umsatz Vontobel mit der Verwaltung dieser Fonds bislang erzielte, ist nicht genau bekannt. Rechnet man aber mit einer Marge von 100 Basispunkten, ergibt sich ein jährliches Umsatzvolumen von 70 Millionen Franken.

«Ein schönes Geschäft», frohlockte kürzlich ein Notenstein-Manager in der Überzeugung, diese Vontobel-Fonds dereinst übernehmen zu können. Sie wären für das Asset-Management-Geschäft bei Notenstein der erforderliche Quantensprung, um die hohen Investitionen für den Aufbau dieser Einheit wieder einzuspielen.

Viel Wachstum, wenig Profitabilität

Denn mit 80 Angestellten und derzeit rund 4 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen ist das Asset Management von Notenstein überdimensioniert. Sprich: Es ist zum Wachstum gezwungen und muss mittelfristig die Marke von 10 Milliarden Franken erreichen, um eine ansprechende Profitabilität zu erlangen.

Wie es um die Profitabilität der TCMG Asset Management steht, ist nicht bekannt. Angesichts eines Brutto-Halbjahresgewinns von 6 Millionen Franken der Notenstein Privatbank – in welche TCMG hinein konsolidiert wird – kann es um die bisherige Gewinnkraft der TCMG vorläufig nicht  berauschend bestellt sein.

Wittmann will weiter übernehmen

Trotzdem hat CEO Wittmann ambitiöse Wachstumsziele: Dem Vernehmen nach will er in den nächsten sechs Monaten die TCMG-Kundengelder von aktuell 15 Milliarden Franken auf 20 Milliarden Franken steigern.

Das soll über weitere Übernahmen geschehen. Gelingt dies, hätte die Gruppe als Notenstein-Tochter allmählich mehr Gewicht als ihre Mutter selber.

Die Gruppen- und Genossenschaftsstruktur der Raiffeisen will es so, dass TCMG eine direkte Tochter der Notenstein ist und rein rechtlich nicht der Genossenschaftsbank angehängt ist.

Offiziell keine interne Konkurrenz

Das hat allerdings zur Folge, dass innerhalb der Notenstein Privatbank zwei Asset Manager um Wachstum Erfolg und die Fondsmilliarden buhlen, die jetzt noch bei Vontobel liegen.

Aktuell lässt Notenstein verlauten, dass man sich mit der TCMG-Gruppe nicht konkurrenziere. Doch diese Situation dürfte sich schlagartig ändern, sobald die heutigen Vontobel-Gelder per Mitte 2017 zur Raiffeisen-Gruppe zurückfliessen.

Die Firma TCMG Asset Management mit ihren zahlreichen Investmentspezialisten rechnet sich offenbar gute Chancen aus, um in einem «pitch» an den milliardenschweren Honigtopf zu gelangen.

Am Ende wird es wahrscheinlich aber einer sein, der das Zünglein an der Waage spielen wird: Raiffeisen-Übervater Pierin Vincenz.

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