Die Rückkehr der Geläuterten

Die UBS und die CS versprachen vor nicht allzu langer Zeit, ihre Investmentbanken zu schrumpfen – was auch geschah. Doch nun stehen die Zeichen offenbar wieder voll auf Ausbau. Wie geht das?

Bull © Shutterstock

UBS-Präsident Axel Weber hat es vor zwei Jahren versprochen, Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner bekräftigte es diesen Frühling an der Generalversammlung: Beide Schweizer Grossbanken wollen ihre Vermögensverwaltung gegenüber dem Investmentbanking forcieren.

Dabei erhebt die UBS den Anspruch, die weltweit führende Vermögensverwalterin zu sein, während die Credit Suisse (CS) sich etwas moderater gibt. Sie strebt zwei gleich grosse Standbeine im Investmentbanking sowie im Wealth Management an. Momentan hat die Investmentbank der CS mit rund 60 Prozent des Gesamtgeschäfts noch ein Übergewicht.

Credit Suisse jubelt intern

Soweit die Ansage. Doch wer daraus schliesst, dass sich die beiden Schweizer Grossbanken mit hohem Tempo von diesem Geschäft verabschieden würden, irrt. Nimmt man nämlich die jüngsten Ereignisse als Massstab, dann halten die beiden Häuser sogar eisern am Investmentbanking fest. Das zeigt sich etwa in einem internen Memo der CS, das finews.ch vorliegt. Darin jubeln die CS-Verantwortlichen sogar über die jüngsten Erfolge in dieser Domäne.

So ist in dem Schreiben von einem starken Geschäftsgang der CS-Investmentbank in der Marktregion Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) die Rede. «Wir sind hoch erfreut über das gesteigerte Tempo», Marisa Drew und Mark Echlin, beides hochrangige Investmentbanker bei der CS.

Die Zeichen stehen eindeutig auf Ausbau

Bereits sei eine Ertragssteigerung von 150 Millionen Dollar gegenüber der Vorjahresperiode erzielt worden, so das Memo weiter. Und bis zum Jahresende werde die Abteilung an zahlreichen wichtigen Transaktionen teilgenommen haben. Zudem melden Drew und Echlin, dass rund ein Dutzend erfahrener Banker entweder noch zur CS stossen werden (auffälligerweise viele von der UBS) oder intern befördert worden sind. Zudem ernannte man nicht weniger als 35 Analysten zu Associates.

Um vom guten Geschäftsgang und künftigen Aktivitäten zu profitieren, wird das Investmentbanking auch in der EMEA-Region ausgebaut. Dazu sollen weitere Mitarbeiter sowohl intern wie auch extern rekrutiert werden, wie das Schreiben festhält. Die neuen Talente sollen sich vorab dem Firmen-Fusionsgeschäft (M&A), Spezialfinanzierungen sowie Investments im Gesundheitswesen und in Infrastruktur-Vorhaben widmen.

Jagd nach Talenten

Derweil befindet sich auch die UBS auf der Jagd nach Talenten. So berichtete finews.ch wiederholt von langjährigen Investmentbankern, die von der Konkurrenz zum grössten Schweizer Finanzinstitut wechselten. Besonders viel im Tun ist offenbar in der Zentrale der UBS-Investmentbank in London.

Dem Branchen-Portal «efinancialcareers» zufolge heuerten allein im vergangenen Monat namhafte Spezialisten im Zinsengeschäft bei der UBS an. Zur Erinnerung: Weil der Handel mit Zinspapieren, Währungen und Rohstoffen (FICC) nach der Finanzkrise besonders stark von den neuen Kapitalanforderungen betroffen gewesen war, hatte das UBS-Topmanagement beschlossen, diese Division deutlich zu verkleinern.

Vor dem Comback?

Wie Headhunter in der Themsestadt überdies verlauten lassen, ist die UBS offenbar auch wieder bereit, höhere Gehälter zu zahlen.Trügen all diese Vorzeichen nicht, könnte sowohl der UBS als auch der CS ein eindrückliches Comeback in der bis vor kurzem vielgeschmähten Disziplin gelingen. 

Höhere Börsen- und Fusionsaktivitäten führen tatsächlich dazu, dass die grossen US-Investmentbanken erstmals seit längerem nun wieder höchst ansprechende Resultate ausweisen, wie der dieser Tage begonnene Publikationsreigen der Zahlen für das dritte Quartal 2014 belegt.

Nicht mehr kaufen, nur noch halten

Gemäss «WSJ» gehen die Finanzanalysten auch für die beiden grossen Häuser Goldman Sachs oder Morgan Stanley von deutlich höheren Gewinnen aus. Die CS wird am Donnerstag in einer Woche (23. Oktober) ihre Zahlen präsentieren; die UBS am darauffolgenden Dienstag (28. Oktober). Allerdings könnten die positiven Resultate im Investmentbanking durch neuerliche Bussen und anderen Unwägbarkeiten in diesem Kontext beeinträchtigt werden.

Tatsächlich geben sich viele Finanzanalysten eher verhalten in ihren Prognosen. So reduzierte unlängst auch das zur Baader Bank gehörende Brokerhaus Helvea seine Einstufung der UBS-Aktie von «Kaufen» auf «Halten».

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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