Raoul Weil überraschend freigesprochen

Allen Spekulationen zum Trotz: Der frühere UBS-Banker Raoul Weil ist vor dem Geschworenengericht in Florida freigesprochen worden.

Offenbar fehlte es den Geschworenen an direkten Beweisen für einen Schuldspruch. Wie erinnerlich stand Raoul Weil wegen seiner einstigen Funktion als Hauptverantwortlicher für das Wealth-Management-Geschäft der UBS in den USA vor Gericht. Er wurde verdächtigt, die Beihilfe zur Steuerhinterziehung für amerikanische Kunden toleriert zu haben.

Wohl zur Überraschung der meisten (Schweizer) Medien lautet nun das Verdikt: «Nicht schuldig, wie die zwölf Geschworenen um 16.40 Ortszeit zu Protokoll gaben. Weil, seine Frau Susan Lerch und die Anwälte der Verteidigung sprangen auf und umarmten sich. Die Staatsanwälte blieben konsterniert sitzen, wie verschiedene Medien melden.

Wieder ein freier Mann

Nur zwei Mitglieder der Geschworenen sollen offenbar zu Beginn der Beratungen mit einem Schuldspruch geliebäugelt, sagte der Sprecher der Geschworenen nach dem Prozess. Der Grund für den Freispruch geht dahin, dass offenbar direkte Beweisen fehlten, wonach Weil persönlich in die illegalen Geschäfte mit US-Kunden verstrickt war.

Vor diesem Hintergrund ist Raoul Weil wieder ein freier Mann. Er bekommt seinen Pass und die hinterlegte Kaution von 10,5 Millionen Dollar zurück. Wie erinnerlich war er im Herbst vor einem Jahr auf einer privaten Reise nach Italien von der Polizei in einem Hotel verhaftet und in die USA ausgeliefert worden.

Ein pathologischer Fall

Für das Urteil entscheidend war offenbar die Annahme, dass der Kronzeuge Martin Liechti, ebenfalls ein ehemaliger UBS-Angestellter, der bis 2008 für das USA-Geschäft direkt verantwortlich war, gelogen haben soll, wie die Verteidigung Weils erklärte.

Anhand der Aussagen Liechtis vor Gericht, erklärte Weils Verteidiger Matthew Menchel, dass Liechti schlicht gelogen habe: «Und als ich ihn überführte, hat er wieder gelogen, und dann nochmals, um seine alten Lügen zu rechtfertigen. Er ist pathologisch.»

Magere Beweislage

Es sei Liechti gewesen, der die illegalen Machenschaften der UBS im grenzüberschreitenden Geschäft mit US-Kunden gekannt und unterstützt habe, nicht Weil. «Dieser Mann, Raoul Weil, hatte damit absolut nichts zu tun», sagte Weils Verteidiger Menchel und unterstrich, dass dieses Verfahren habe das Leben seines Mandanten zerstört und dessen Ruf geschädigt habe.

Vor diesem Hintergrund konnten die Staatsanwälte, die am Anfang und zum Schluss das Wort hatten, die magere Beweislage nicht verbessern.
Richter James Cohn hatte zuvor in seinen Instruktionen an die Geschworenen unterstrichen, dass es nicht der Angeklagte sei, der seine Unschuld beweisen müsse. Er machte die Tür zu einem Freispruch weit auf, wie die Schweizer Nachrichtenagentur SDA schreibt.

Zweifel an der Schuld

«Wenn Sie begründete Zweifel an seiner Schuld haben, müssen Sie ihn freisprechen. Wenn sie ihm glauben, dass er nichts gewusst und immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat, müssen Sie ihn freisprechen», erklärte Cohn den Geschworenen. Der Rest ist Geschichte.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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