Anstellungs-Turbo unter den Banken

Die deutsche Commerzbank baut in der Schweiz massiv aus. Wo sie ihre Mitarbeiter findet – und was wirklich hinter dieser seltenen Offensive steckt.

Markus Beumer (Bild unten), der oberste Verantwortliche für das Firmenkundengeschäft bei der deutschen Commerzbank, reist immer öfter in die Schweiz. Das hat seinen guten Grund, wie der Top-Banker am Montag in Zürich erklärte: «Die Schweiz in unser grösster Wachtsums-Case.»

Markus Beumer 161Tatsächlich will das, was Beumer über sein Geschäft in der Schweiz zu erzählen hat, so gar nicht zum gängigen Bild eines serbelnden Finanzplatzes passen. In den vergangenen drei Jahren wuchs die Commerzbank – die hierzulande nur im Firmenkunden-Geschäft und im Investmentbanking aktiv ist – von 25 Stellen auf 110 Stellen. Seit Mitte diesen Jahres ist die Bank zudem an sechs Standorten im Land präsent: Zürich, Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Lausanne.

Internationale Hausbank für Schweizer Firmen

Geht es nach Beumer, dann wird das Tempo nicht gedrosselt. Er erwartet für 2015 ein zweistelliges Wachstum in der Schweiz und einen weiteren Ausbau der Dienstleistungen für Firmen. Schliesslich wollen die Deutschen hier dem Anspruch genügen, «die internationale Hausbank für Schweizer Unternehmen» zu sein.

Das sind grosse Ambitionen für einen noch jungen Player. Die Commerzbank ist zwar schon seit 1980 in der Schweiz tätig. Sie betrieb hier jedoch ausschliesslich Private Banking. Im Zuge der Finanzkrise wurde dieses Geschäft jedoch an die Bank Vontobel verkauft; 2009 starteten die Commerzbanker in der Schweiz praktisch wieder auf der grünen Wiese.

Wo die Grossbanken kaum sind

Solcherlei Kommen und Gehen macht die Kundschaft für gewöhnlich misstrauisch. Ganz besonders gilt das fürs Firmenkunden-Geschäft: In der Finanzkrise mussten Schweizer Unternehmen tatsächlich erleben, wie sich ihre ausländischen Partnerbanken in Scharen aus dem Schweizer Markt verabschiedeten.

Marc Steinkat CommerzbankDennoch sei es der Commerzbank rasch gelungen, bei hiesigen Firmen Fuss zu fassen, berichtet der seit Ende 2013 als Schweiz-Chef amtierende Marc Steinkat (Bild links). Dies deshalb, weil sein Team sich erfolgreich auf eine Nische konzentriert habe: internationale Bankdienstleistungen für KMU. Steinkat zufolge sind die Grossbanken dort wenig präsent. Der regionalen Konkurrenz wiederum fehlt das weltweite Netzwerk.

Wildern bei lokaler Konkurrenz

Was nicht heisst, dass die Commerzbank das Geschäft mit den Grossen verschmähen würde. Steinkat zufolge hat sie bereits mit 70 Prozent der 200 grössten Schweizer Firmen Geschäftskontakte geknüpft.

Und ganz offensichtlich bereitet es der Commerzbank in der Schweiz auch keine Mühe, das fürs Wachstum nötige Personal zu finden. Die heutige Belegschaft, erklärt Steinkat, sei hälftig von den hiesigen Regional- und Grossbanken zur Commerzbank gewechselt. Die andere Hälfte stellten Deutsche, die schon vorher für die Commerzbank tätig waren.

Es geht nicht nur um die «Kohle»

Längerfristig soll das Verhältnis auf 75 Prozent Schweizer steigen. Damit würde die Bank in der Schweiz zum Anstellungs-Turbo.

Das Einkommen sei für hiesige Banker nicht der oberste Motivationsfaktor, betont Commerzbank-Vorstand Beumer zum Rekrutierungsprozess. «Es geht nicht nur um die Kohle.»

Wachstums-Modus und Aufbruchstimmung

Was bei der Mannschaft gut ankomme, sei der Umstand, dass sich bei der Bank alles nach den Kundenberatern an der Front richte. Und dass die Bank in der Schweiz im Wachstums-Modus sei, sorge natürlich für Aufbruchstimmung. Beumer hat wohl nicht ganz unrecht, wenn er sagt: «Wo gibt's das heute noch?»

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