Rothschild Bank: Ausbau statt Absetzung

Die Zürcher Rothschild Bank holt mit dem früheren Swiss-Life-Chef eine nicht unumstrittene Figur an Bord. Doch genau das könnte das neue, nach Regionen ausgerichtete Geschäftsmodell des Hauses befeuern.

Die Überraschung am (heutigen) Dienstag war perfekt: Der bis vor kurzem noch im Sold der Swiss Life stehende Manager Bruno Pfister heuert bei der noblen Rothschild Bank und wird Verwaltungsratspräsident.

Zudem übernimmt er als Executive Chairman von Rothschild Wealth Management and Trust eine wichtige Rolle im so genannten Group Management Committee ein und stärkt im Leitungsorgan der gesamten Rothschild Gruppe das gesamte Vermögensverwaltungs- und Trust-Geschäft der Bank.

Falsche Spekulationen

Diesem Ausschuss gehörten bereits der Schweizer Veit de Maddalena (Bild) sowie der Australier Rick Martin und der Franzose Alain Massiera an – nun stösst mit Bruno Pfister ein weiterer Schweizer hinzu. Er ersetzt Baron Eric de Rothschild, der mit seinen 74 Jahren nun etwas kürzer treten will.

Nicht bewahrheitet haben sich die übereiligen Spekulationen in isolierten Medien über eine angebliche Absetzung von Bank-CEO de Maddalena. Im Gegenteil: Veit de Maddalena ist fester im Sattel denn je und kann nach nunmehr fünfjähriger Aufarbeitung des so genannten Legacy-Geschäfts (Schwarzgeld-Kunden) wichtige Erfolge vermelden und Neues anpacken. «Bis Ende Jahr werden wir einen Schlussstrich unter dieses Thema ziehen können», sagte er am Dienstag gegenüber finews.ch.

Zufluss an Neugeld

Damit hat sich die zwar schwierige, aber langfristig bessere Strategie gelohnt, einen Abbau von Kundenvermögen temporär in Kauf zu nehmen, um nun auf einer steuerkonformen Basis das Geschäft neu zu lancieren. «Wir verzeichnen bereits wieder erfreuliche Netto-Neugeldzuflüsse», sagt de Maddalena. Allein in den vergangenen sechs Monaten erhöhten sich die Kundenvermögen von 16 Milliarden Euro auf 17,9 Milliarden Euro.

Mit der Durchforstung der Kundenvermögen ging auch eine geschäftliche Neuausrichtung der Bank einher, die sich, analog zu anderen Finanzinstituten, künftig auf einige wenige ausgewählte Märkte konzentrieren will. Dazu gehört unter anderem das Schweizer Onshore-Geschäft, das seit vergangenem Oktober unter der Leitung von Laurent Gagnebin steht. Dieses soll nun massgeblich ausgebaut werden, wie weiter zu erfahren war.

Eine weitere Priorität haben überdies der lateinamerikanische Markt sowie der osteuropäische Markt, wo die Bank mit versierten Kundenberatern neue Klientel anwerben will.

Gelassenheit gegenüber den USA

Darüber hinaus hat die Bank ihre Onshore-Präsenz in Frankfurt sowie jüngst auch in Mailand erweitert, wie finews.ch exklusiv berichtete. Vor diesem Hintergrund präsentiert sich für Bruno Pfister mit seiner eine durchaus gute Ausgangslage, um der Rothschild-Franchise zu weiterer Akzeptanz zu verhelfen. «Er bringt nicht nur eine grosse internationale Erfahrung mit, sondern er ist auch mit der Schweizer Kultur vertraut und kennt vor allem die hiesigen Realitäten», sagt de Maddalena.

Gelassen sieht de Maddalena auch der weiteren Entwicklung im US-Steuerprogramm entgegen. Wie erinnerlich hatte die Bank in ihrem Jahresabschluss per Ende März 2014 insgesamt 26 Millionen Franken für entsprechende Rechtsrisiken zurückgestellt. In der Branche wurde auch schon von einer Busse in der Höhe von rund 15 Millionen Franken spekuliert.

«Gemäss allen verfügbaren Indikationen werden unsere Rückstellungen ausreichen. Wir sehen der Sache ruhig entgegen», sagt de Maddalena.

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