Prototyp eines gierigen Bankers?

Ein ehemaliger Händler der eingegangenen Investmentbank Lehman Brothers klagt seinen Bonus, den er schon einmal erhalten hat, nochmals ein. Ist das nun pure Gier oder sein gutes Recht?

Sollte es jemals eine Museumsausstellung zum Thema Hochrisiko-Institutionen und gierige Hochrisiko-Händler geben: Jonathan Hoffman hätte einen Platz in der Vitrine auf sicher.

Der 42-Jährige macht gerade in der Finanzpresse Schlagzeilen, weil er einen Bonus einklagt, der ihm schon einmal bezahlt worden ist. Bei der Summe geht es um 84 Millionen Dollar.

Diesen Bonus will der frühere Händler von Fixed-Income-Produkten aus der Konkursmasse von Lehman Brothers für sich, wie ein Sprecher aus dem Büro des Sachverwalters von Lehman Brokerage sagte. Sachverwalter James W. Giddens will, dass Hoffmans Klage abgewiesen wird.

Alles ist Teil des Deals

Bereits 2008 hatte Hoffman 76,3 Millionen Dollar kassiert, nachdem Lehman Brothers zusammengebrochen war. Bezahlt hatte diese Summe die Barclays Bank, welche das Lehman-Brokerage aus den Trümmern herausgelöst und übernommen hatte.

Hoffman streitet nicht mal ab, dass Barclays ihn für einen Grossteil bei Lehman erbrachten Leistungen im Jahr 2008 vor dem Zusammenbruch bezahlt hat. Aber, so Hoffman, dieses Geld habe nichts mit dem zu tun, was er jetzt einklage. Denn der erste Bonus sei Teil eines Vertrages gewesen, der nichts mit jenem Vertrag zu tun gehabt habe, der mit Lehman Brothers bestanden hätte.

Barclays zahlte die Boni einfach weiter

In einem Gerichtsverfahren von 2010 hatte ein Barclays-Manager ausgesagt, dass die Bank Jonathan Hoffman mit einem vergleichbaren Vertrag ausgestattet habe, der bereits mit Lehman Brothers bestanden habe. Die Höhe der Boni sei praktisch identisch gewesen, denn das sei Teil der Akquisition gewesen.

Hoffman argumentiert nun, er sei gar nicht Teil der Brokerage-Akqusition gewesen. Darum habe er Anspruch auf beide Boni, jenen von Barclays und jenen von Lehman.

Als damals 36-Jähriger war Hoffmann der am drittbesten bezahlte Angestellte von Lehman Brothers. Er war ein Executive im globalen Handel mit Zinsprodukten und verdiente fürstlich: Gemäss früheren, von der «Los Angeles Times» publik gemachten Dokumenten waren es 30,9 Millionen Dollar im Jahr 2007, 19,9 Millionen Dollar für 2006 und 14,8 Millionen Dollar für 2005 gewesen.

Ein Vorteil aus jeder Situation

Die Bonus-Mentalität war ein Markenzeichen von Lehman Brothers: Noch im Herbst 2007 bezahlte die Bank 700 Millionen Dollar an ihre 50 besten Angestellten. Ein Jahr später ging das Institut ein und brachte das weltweite Finanzsystem an den Rand des Abgrunds.

Händler wie Hoffman waren so abgezockt, dass sie auch noch im Absturz einen Deal für sich herausschlugen. Als Barclays Ende September das Lehman-Brokerage übernahm, unterbreitete die britische Bank auch Hoffman ein Jobangebot.

Fixed Income ist aus

Dieser lehnte das erst ab, testete seinen Marktwert bei anderen Banken und handelte mit Barclays dann unabhängig von der Lehman-Übernahme doch noch einen Job aus, «weil die Bank ihm das beste Angebot machte», wie er in Dokumenten der Klage festhält.

Anfang 2014 verliess Hoffman das Unternehmen, das seine  Investmentbank völlig neu aufstellte. Für Händler wie ihn war das Geschäft mit den neuen Kapitalregeln wohl nicht mehr interessant genug. Darum versucht er nun, seinen Bonus von 2008 ein zweites Mal einzustreichen.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
mehr

SELECTION

Selection

Wie sich Angstkultur ausbreitet

Mehrere Tausend Stellen im Schweizer Bankgewerbe sollen verschwinden. Besonders betroffen davon ist das mittlere Kader.

Selection

Selection

Wo sich ein MBA am meisten lohnt

Hier haben MBA-Absolventen ihre Studiengebühren am schnellsten wieder verdient.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

weitere News