Chinas erste private Online-Bank setzt neue Massstäbe

Das Bankwesen ist definitiv keine rein abendländische Disziplin mehr. Soeben hat im Reich der Mitte die erste privat gehaltene Online-Bank ihre virtuellen Pforten geöffnet. Sie nimmt wichtige Trends vorweg.

An einer kleinen Zeremonie am vergangenen Wochenende in Schenzhen hat der chinesische Premierminister Li Keqiang (in der Bildmitte) per Tastendruck den ersten Online-Kredit der WeBank einem Landsmann gewährt. Das Darlehen belief sich auf umgerechnet 5'500 Franken.

Bei der WeBank handelt es sich um eine Tochtergesellschaft des chinesischen Internet-Konzerns Tencent, der vor allem im Messaging-Bereich sowie im Online-Glücksspiel-Geschäft enorm erfolgreich ist. Analog zum angebotenen Chat-Service WeChat bietet Tencent nun die Dienste der WeBank an.

Quereinsteiger übernehmen die Führung

Zwei Dinge sind in diesem Zusammenhang interessant: Erstens, diese Online-Banken geniessen die ideelle Unterstützung der Regierung, und, zweitens, sie kommen nicht aus der Finanzbranche, sondern aus dem Bereich E-Commerce sowie Big Data.

WeChat ist die erste reine Online-Bank in China, die im vergangenen Jahr neben neun anderen privaten Firmen eine Bewilligung für den Aufbau eines solchen Unternehmens erhielt. Insgesamt sollen in den nächsten Monaten sechs private Online-Banken ihren Betrieb aufnehmen.

Konkurrenz für Alibaba

Tencent steht mit der WeBank in direktem Wettbewerb zum E-Commerce-Giganten Alibaba, der unlängst mit seinem Börsengang in den USA für Furore sorgte. Alibaba ist ebenfalls daran, in Zusammenarbeit mit der chinesischen Beteiligungsgesellschaft Fosun International, eine vergleichbare Online-Bank zu lancieren.

Angesichts des Bevölkerungsaufkommens in China sind es ganz neue Dimensionen, mit denen diese Institute nun konfrontiert sind. Wie am vergangenen Wochenende in Schenzhen weiter zu vernehmen war, zielen die chinesischen Online-Banken vor allem auf die Klientel im Bereich der kleinen und mittelgrossen Unternehmen, die Kredite bis zu rund einer Million Renminbi (umgerechnet etwa 160'000 Franken) beanspruchen.

Der Wettbewerb spielt

Diese Firmen, die für den Binnemarkt Chinas sehr wichtig sind, sollen dank der neuen Online-Institute rascher und einfacher zu Geld kommen. Der erste, vom chinesischen Premier offiziell gewährte Kredit ging an einen selbständigen Lastwagenfahrer.

Für das Online-Geldgeschäft interessieren sich neben Tencent und Alibaba etwa auch die chinesische Suchmaschine Baidu oder der Elektronikanbieter Suning Commerce Group. Neben der Kreditvergabe steht auch der Online-Vertrieb von Finanzprodukten, namentlich von Fonds, im Fokus. Tencent lancierte bereits vor Jahresfrist ein erstes Anlagevehikel namens Licaitong.

Tencent hält 30 Prozent an der WeBank, während die Investmentgesellschaften Baiyeyuan Investment und Liye Group je 20 Prozent besitzen. Sieben weitere Aktionäre teilen sich die übrigen 30 Prozent. Das einbezahlte Aktienkapital beläuft sich auf umgerechnet rund 450 Millionen Franken.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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