Schweizer Online-Banken wollen Konto-Eröffnung vereinfachen

Die Genfer Devisenhandelsbank Dukascopy hat bei der Finma ein schnelleres Verfahren für die Eröffnung von Kundenkonti beantragt. Das Anliegen stösst bei anderen Schweizer Banken auf offene Ohren.

Den Versuch kann jeder für sich durchführen: Die Eröffnung eines Kontos bei einer Schweizer Online-Bank dauert in der Regel zwischen zehn Tagen und einem Monat.

Der zukünftige Kunde muss bei der Bank persönlich erscheinen, seine Identität notariell oder auf einem Postbüro bestätigen lassen. Dann muss er die entsprechend abgestempelte Kopie an die Bank schicken, die wiederum die Konto-Unterlagen zur Unterzeichnung zurückschickt etc.

Nun dasselbe Vorhaben beim britischen Online-Devisenbroker Plus500: Die Bank prüft die Kundenidentität mittels Foto, welches ihr via Smartphone zugeschickt wird – und damit hat es sich. Das Konto kann eröffnet werden.

Schweiz eine einsame Insel

Es ist offensichtlich, dass Schweizer Online-Banken darin einen Wettbewerbsnachteil sehen. Die Schweizer Bestimmungen bilden eine immer einsamere Insel von strengen administrativen Auflagen inmitten einer Welt, die im modernen Zeitalter des digitalen Kundengeschäfts angekommen ist.

Sei es in Grossbritannien, Frankreich, in den Vereinigten Staaten oder in Singapur: Eine Kopie einer Identitätskarte genügt für die Eröffnung eines Kontos für Beträge in der Region von einigen 10'000 Franken.

In Deutschland hat die Bafin letztes Jahr genehmigt, dass eine Bank den Kontoinhaber elektronisch über Video identifizieren darf. Mit der weiteren Entwicklung der Smartphone-Technologie werden  auch Identifikationen durch Fingerabdrücke auf dem Touchscreen oder einen Augenirischeck möglich.

Schreiben auch an Bankiervereinigung

Im Interview mit finews.ch hatte Andrey Duka, der Gründer von Dukascopy, bereits vergangenes Jahr angekündigt, bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma entsprechende Vereinfachungen der Regulierungsbestimmungen zu beantragen.

«Wir werden der Finma vorschlagen, dass sie die Bestimmungen für die Eröffnung von Konten mit Beträgen von maximal 50'000 bis 100'000 Franken so anpasst, dass beispielsweise die Identifikation des Kontoinhabers elektronisch über Video festgestellt werden kann», sagte Duka im vergangenen November. Noch vor Jahresende hatte Duka das offizielle Schreiben mit dem Antrag an die Finma verschickt – und an die Schweizerische Bankiervereinigung.

Nicht mehr zeitgemäss

«Wir müssen Klarheit schaffen, ob wir uns in der Schweiz weiterentwickeln können oder ob wir unsere Anstrengungen auf das Ausland verlegen sollen, wo wir bereits über Standorte verfügen», sagte Duka der Westschweizer Zeitung «Le Temps» am Mittwoch (Artikel bezahlpflichtig).

Für den Dukascopy-Gründer wird es immer schwerer nachvollziehbar, dass die Schweizer Bestimmungen in Belangen wie einer einfachen Kontoeröffnung denen in der EU hinterherhinken. Sie seien im digitalen Zeitalter nicht mehr zeitgemäss und stellten einen Wettbewerbsnachteil dar.

Seine Bank kann dies auch belegen: Starte in der Schweiz ein potenzieller Kunde das Prozedere einer Eröffnung eines Dukascopy-Kontos bestehe eine Chance von 45 Prozent, dass er es auch abschliesse. Dagegen liege die Quote in den Dukascopy-Niederlassungen in der EU bei 65 Prozent.

Angebote in der Schweiz nicht möglich

Dukas Vorstoss geschieht auch aus konkretem Anlass. Seine Bank will noch in diesem Jahr so genanntes Mikro-Banking anbieten: Zahlungsverkehr von kleineren Geldbeträgen, der allein über das Smartphone abgewickelt wird.

Das funktioniert nur, wenn durch das Smartphone auch die Kundenidentifikation erlaubt ist. Das ist in der EU der Fall – in der Schweiz nicht.

Auch Swissquote sieht Nachteil

Der Dukascopy-Patron ist mit seinem Anliegen nicht allein. Laut «Le Temps» werden sich mehrere Akteure aus dem Online-Banking in Kürze zusammensetzen, um über ihre Unterstützung zu diskutieren. Darunter sind auch die IG-Bank und Swissquote.

Deren Chef Marc Bürki sagte zur Zeitung: «Es ist ein Nachteil für die Schweiz, und die Kunden können angesichts der vorhandenen modernen Methoden zur Identifikation nicht verstehen, warum diese Bestimmungen hier noch immer gelten.»

Während die Finma bislang keinen Kommentar zu Dukas Vorstoss abgegeben hat, liess sich die Bankiervereinigung vernehmen, sie werde darüber intern diskutieren.

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Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

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Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

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Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

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Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

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