Darum verdienen Banker viel zu viel

Grossbanken zahlen immer noch Millionen-Boni – obschon sie längst deutlich weniger rentieren als Industriefirmen. Um diese fünf Veränderungen wird die Branche nicht herum kommen.

Dollar © Shutterstock

Was haben Grossbanken und Atomkraftwerke gemeinsam? Wer jetzt denkt: Bei beiden kann sich der Staat keinen GAU leisten, liegt wohl nicht ganz falsch. Die richtige Antwort lautet aber in diesem Fall anders: Beide rentieren gleich viel.

Zu dieser Erkenntnis kommt das Beratungsunternehmen Oliver Wyman in seiner neusten Studie zum Zustand der Finanzindustrie 2015. Grosse amerikanische und europäische Banken hätten nämlich, so die Berater, seit der Finanzkrise im Schnitt 7 Prozent Rendite abgeworfen – in etwa gleich viel wie die Versorger-Branche.

Wyman1 500

Eine einfache Grafik (oben) bringt es auf den Punkt: Die Banken (und die Versicherungen), die bis zur «Kernschmelze» im Jahr 2008 rund zwei Dekaden lang ihre Erträge ungebremst steigern konnten, sind seither in Sachen Eigenkapitalrendite weit hinter andere Branchen zurückgefallen.

Daraus lassen sich fünf Erkenntnisse ziehen:

1. Die Banker verdienen zu viel.

Als grosse Banken Renditen von 20 Prozent und mehr einfuhren, sahen ihnen die Aktionäre die Millionen-Boni gerne nach. Doch jetzt sind die Renditen unterdurchschnittlich – und überdurchschnittliche Gehälter kaum mehr zu rechtfertigen. 2015 bleibt indes noch alles beim Alten: Der Mindestlohn im Schweizer Banking steigt um mindestens 4 Prozent; alle anderen Branchen müssen im Schnitt mit weniger als 1 Prozent Vorlieb nehmen.

2. An der Industrialisierung führt kein Weg mehr vorbei.

Die Kosten explodieren. Jetzt müssen die Finanzdienstleister ihre Effizienz erhöhen, so wie es andere Branchen mit sinkenden Margen schon vor ihnen taten. Dumm nur: Der Finanzsektor habe seit 2001 kaum Effizienzgewinne mehr realisiert, analysiert Oliver Wyman (unten).

3. Es gibt ein Blutbad.

Die Finanzdienstleister müssen Ordnung in ihr wild wucherndes Geschäft bringen, so die Berater. Oder wie es im Jargon heisst: «Komplexität reduzieren». Es steht ausser Frage, dass dabei auch beim Personal reduziert wird.

4. Konzerne müssen wieder führbar werden.

In ihren guten Zeiten haben sich die Banken aufgebläht. In den USA etwa gewannen die Institute ab der Jahrtausendwende kaum mehr Kunden hinzu. Dafür vergrösserten sie ihren Personalbestand um 50 Prozent, so die Oliver-Wyman-Studie. Die Folge: Der einfache Bänkler entfernte sich immer weiter vom CEO.

5. Alte Zöpfe müssen weg.

Multichannel-Vertrieb ist in aller Munde. Doch das bedeutet bei Finanzkonzernen vielfach, dass neue Kanäle hinzu kommen, während die alten Vertriebsstrukturen bestehen bleiben. Damit erhöhen sich nicht nur die Kosten, sondern auch die Risiken.

Wyman2 500

Und schliesslich: Auch in Sachen Firmenkultur können Finanzdienstleister von anderen Branchen lernen. Gerade, was den Umfang mit Risiken betrifft.

In der Öl- und Gasförderung etwa haben selbst die niedrigsten Chargen das Recht, bei Gefahr alle Prozesse zu stoppen. Das  hat die Unfallrate drastisch gesenkt. Solches würde auch die Sicherheit im Finanzsektor erhöhen, meint man bei Oliver Wyman.

Vom «Master of the Universe» zum Kumpel: Man darf gespannt sein.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

 

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Deutsche Bank am Abgrund
  • Absturz eines Hedgefonds-Stars
  • 1MDB-Skandal: Nach DiCaprio auch Robert de Niro im Visier
  • Wird die Webseite Ihrer Firma gerade gehackt?
  • Von der Edelboutique zur Schnäppchenbude
  • So will George Soros die Flüchtlingskrise bekämpfen
  • Der naive Rettungsplan der «Euro-Freunde»
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram

Zürcher Bankenverband

Führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche zum Thema Regulierung.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

SELECTION

Selection

Die schlimmsten Prognosen 2016

Was Anlage-Profis für 2016 prophezeien.

Selection

Selection

So ruinieren Sie Ihre Karriere

Schon ein zu fester Händedruck könnte Ihrer Karriere abträglich sein.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

Aargauer Kantonalbank

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

Fondsmarkt

Die Schweizer Fondbranche kratzt an der Billionen-Grenze. Wie der Branchendienst Swiss Fund Data vermeldete, erreichte das Vermögen der in der Schweiz gehandelten Anlagefonds letzten August rund 914 Milliarden Franken.

EIB

Die Europäische Investitionsbank finanziert die Forschung am Genfer CERN. Dies, indem sie dem Teilchenbeschleuniger eine Kreditfazilität von 250 Millionen Franken leistet. Das Geld wird zum Bau des nächsten CERN-Grossprojekts benötigt, dem High Luminosity Large Hadron Collider.

Finma

Die Eidgenössische Finanzmarkt-Aufsicht Finma nimmt ihre digitale Zustellplattform in Betrieb. Diese ermöglicht es den Beaufsichtigten und Prüfgesellschaften, Jahresberichte und weitere Dokumente elektronisch einzureichen. Mit SuisseID lassen sich die Dokumente zudem elektronisch signieren.

UBS

Mit einer Performance von durchschnittlich 0,5 Prozent schnitten die Pensionskassen im August leicht besser ab als im Monats-Durchschnitt seit Jahresbeginn. Das stellte der «Pensionskassen-Barometer» der Grossbank fest.

weitere News