Roboter: Machen sie das Schweizer Private Banking zur Massenware?

Auch hierzulande gelangen immer mehr digitale Vermögensverwaltungs-Tools zum Einsatz. Was das für die Königsdisziplin des Swiss Banking bedeuten könnte.

Sie heissen ePrivate Banking, Wealth Management Online oder Investomat. Mit dem tradierten Private Banking Schweizer Art haben sie aber nur noch wenig gemein: Allesamt sind sie digitale Anlagelösungen, die nun auch hierzulande den Einzug des «Robo-Banking» einläuten.

Noch sind die Tools Trendsetter. Doch gelingt ihnen dereinst der Durchbruch, haben sie nicht nur das Zeug, den Vermögensverwalter aus Fleisch und Blut arbeitslos zu machen – sie dürften auch die Demokratisierung einer bislang nur einer sehr vermögenden Elite zugänglichen Dienstleistung mit Macht vorantreiben. Das lassen jetzt schon folgende Eigenschaften vermuten:

Günstig: Investomat
Jüngstes Beispiel für diesen Trend ist der von der kleinen Glarner Kantonalbank Ende Januar lancierte Investomat. Wie auch finews.ch berichtete, lässt sich online mit dem Instrument schon ab einer Schwelle von 5000 Franken in Indexfonds (ETF) anlegen, wobei derzeit sechs Anlageklassen und acht Themen zur Auswahl stehen. Die Verwaltung wird mit einer Gesamtgebühr (All-in-Fee) abgegolten. Laut dem «IFZ Retail Banking Blog» der Hochschule Luzern, dessen Autoren den Dienst getestet haben, habe das «Tool insgesamt überzeugt» und sei als «Kampfansage an Fintech-Startups» zu verstehen.

Einfach: ePrivate Banking
Schon 2010 lanciert, hat das Tool der führenden Schweizer Online-Bank Swissquote mehrere Weiterentwicklungen erfahren. Die Eintrittsschwelle ist mit 20'000 Franken noch immer sehr niedrig für eine Dienstleistung mit dem Etikett «Private Banking». Die Anlage wird von einem Roboter – sprich Algorithmus – sowie von Investmentchefs aus Fleisch und Blut bestimmt. Zur Auswahl steht die Investition in 1000 Wertschriften, die Gesamtgebühr richtet sich nach Umfang der verwalteteten Vermögen. Der «IFZ Retail Banking Blog» attestiert dem Tool «eine generell intuitive Handhabe und eine Vielzahl von Individualisierungsmöglichkeiten.»

Zukunftsträchtig: «Wealth Management Online»
Die Online-Version des schon bestehenden Tools «Advice» der Grossbank UBS befindet sich noch in der Pilotphase. Trotzdem zeichnet sich schon nun wegen der Bedeutung der UBS ab, dass das Instrument einen Standard für die Digitalisierung der Vermögensverwaltung in der Schweiz setzen wird. So macht der Dienst Mandats- und Überwachungsfunktionen sowie Research und Kundenkontakt online zugänglich. Im Hintergrund arbeitet dabei die Technik von «Advice», die über Nacht Hunderttausende von Portefeuilles zu prüfen vermag.

Diese drei Beispiele deuten daraufhin, dass die Digitalisierung das elitäre Private Banking in ein Massengeschäft mit niedrigen Eintrittsschwellen zu verwandeln vermag.

Was das bedeuten könnte, zeichnet sich in Grossbritannien bereits deutlicher ab: Dort wird mit dem Vorstoss von Robo-Vermögensverwaltern wie Nutmeg oder Lovemoney bereits das Aussterben einer ganzen Branche befürchtet.

Möglich und für Schweizer Privatbanken wohl wünschbar wäre aber wohl eine Zweiteilung des Angebots: Enge, persönliche Beratung für eine superreiche Kundschaft – und ein skalierbares Massengeschäft für weniger vermögenden Kunden. Die Zukunft wird es weisen.

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