UBS und Credit Suisse: Hier leisten die Angestellten am meisten

In welcher Banking-Einheit erzielen die Mitarbeiter eigentlich die höchsten Gewinne? Die Analyse anhand der ausgewiesenen Zahlen der Grossbanken zeigt Überraschendes. Das meiste Geld kommt von dort, wo man es am wenigsten erwartet.

In den goldenen Zeit vor der Finanzkrise galt als Massstab für den Erfolg einer Grossbank die eine Zahl: Die Eigenkapitalrendite. Werte jenseits der 20 Prozent waren die Norm gewesen. Dabei drückte der Wert vor allem aus, wieviel Risiko die Bank genommen hatte – also Fremdkapital –, um Gewinne zu erzielen.

Heute zählt die Eigenkapitalrendite nicht mehr viel: Eine UBS erzielte im vierten Quartal gerade mal 7,2 Prozent, die Credit Suisse brachte es auf 8 Prozent. Ob die Banken damit noch ihre Kapitalkosten verdienen, ist fraglich.

Nach wie vor hoher Umsatz pro Mitarbeiter

Trotz alledem erzielen die Grossbanken netto noch immer Milliardenerträge: Die UBS über 28 Milliarden Franken im letzten Geschäftsjahr, die Credit Suisse 25,8 Milliarden. Das heisst, ein einzelner Mitarbeiter erwirtschaftete bei der UBS 2014 einen Umsatz von 465'565 Franken. Bei der Credit Suisse waren es gar 563'646 Franken. Das sind Werte, die vielleicht noch in der IT- oder in der Pharma-Branche erzielt werden.

Unterm Strich zählen nicht Umsatz oder Ertrag, sondern der Gewinn. Finews.ch hat die Jahreszahlen der beiden Grossbanken analysiert und für jeden ausgewiesenen Geschäftsbereich den erzielten Vorsteuergewinn pro Mitarbeiter errechnet.

Vergleiche nur bedingt möglich

Bei der UBS war dies deutlich detaillierter möglich, da sie Wealth Management, Wealth Management Americas, Global Asset Management, Investment Bank und Retail & Corporate Banking nach Anzahl Angestellte und Vorsteuergewinn ausweist.

Die Credit Suisse führt dagegen ihr gesamtes Geschäft in zwei Einheiten: Das Wealth Management und Private Banking, in dem neben dem Asset Management auch die Corporate und Institutional Clients enthalten sind sowie die Investment Bank.
UBS CS Tab 500

Hier sind einige Punkte, die herausstechen:

1. Tiefe Werte wegen Sonderfaktoren
Die Gewinnkraft pro Mitarbeiter ist bei beiden Grossbanken ernüchternd. Gruppenweit erzielte ein Mitarbeiter bei der UBS einen Vorsteuergewinn von 43'106 Franken. Bei der Credit Suisse waren es immerhin 76'616 Franken.

Die Werte sind unter anderem deshalb so tief, weil der Vorsteuergewinn, der für diese Berechnungen herangezogen wurde, sowohl bei UBS als auch bei Credit Suisse durch Sonderfaktoren wie Rückstellungen oder Bussenzahlen stark beeinträchtigt war.

2. Retail & Corporate Banker der UBS bringen's
Den höchsten Gewinn pro Mitarbeiter überhaupt erzielen die Angestellten in der UBS-Einheit Retail & Corporate Banking mit 163'090 Franken. Die Erklärung dafür ist einfach, wenn man die Personalkosten der anderen Einheiten betrachtet.

In der Investment Bank bezahlt die UBS pro Mitarbeiter mehr als den doppelten Betrag für Saläre etc., nämlich über 344'000 Franken. Im Corporate & Retail Banking liegen die Durchschnittskosten pro Mitarbeiter bei 148'000 Franken, im Wealth Management bei 201'000 Franken.

3. Personalintensives Wealth Management
Das Wealth Management liefert zusammen mit dem Wealth Management Americas bei der UBS zwar den höchsten Beitrag am Vorsteuergewinn ab. Aber beide Einheiten sind auch sehr personalintensiv, was sich in den Kosten niederschlägt. So steuert einer der rund 16'760 Mitarbeiter im Wealth Management einen Gewinnbeitrag von 138'700 Franken bei. Im Wealth Management Americas, wo die Löhne höher sind, sind es nur 60'900 Franken pro Mitarbeiter.

4. Credit Suisse eher schwächer
Bei der Credit Suisse sind diese Werte nicht besser: Einer der rund 26'100 Angestellten in der Division Wealth Management & Private Bank (WM & PB) erzielt einen Vorsteuergewinn von 80'000 Franken. Ob Corporate-Banker oder Asset Manager hier herausragen, lässt sich anhand der vorhandenen Daten nicht sagen.

5. Weniger Personal erwirtschaftet mehr
Die Investmentbanker der Credit Suisse liefern sowohl effektiv als auch relativ einen höheren Gewinnbeitrag als die Wealth Manager ab. Der Vorsteuergewinn ist gesamthaft mit 2,107 Milliarden Franken leicht höher als im WM &PB.

Aber in der Investment Bank sind mit 19'400 deutlich weniger Angestellte dafür notwendig. Im Schnitt erwirtschaftet ein Investmentbanker einen Vorsteuergewinn von 108'600 Franken.

6. Gegen Rechtsfallkosten kann ein Mitarbeiter nichts ausrichten
Marginal war dagegen der Gewinnbeitrag eines UBS-Investmentbankers 2014 gewesen. Im Durchschnitt waren es 7'300 Franken pro Kopf, die zum Vorsteuergewinn der gesamten Einheit von 87 Millionen Franken beitrugen.

Das Ergebnis der Investment Bank war 2014 wegen milliardenhohen Rückstellungen für Rechtsfälle und regulatorische Aufwendungen extrem schwach gewesen.

Der Nettoertrag belief sich auf 8,3 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Die Credit Suisse erzielte 12,5 Milliarden Franken, was die mittlerweile unterschiedlichen Geschäftsmodelle der beiden Rivalinnen spiegelt.

7. «Rainmaker» kommen halt doch aus der Investment Bank
Nimmt man an, dass der Vorsteuergewinn der UBS im vergangenen Jahr nicht durch Rechtsfälle etc. beeinträchtigt gewesen wäre und setzt ihn auf dem Niveau von 2013 bei 2,13 Milliarden Franken an, zeigen sich die Investmentbanker von einer anderen Seite.

Dann würde sich der Gewinnbeitrag pro Kopf auf gut 180'000 Franken belaufen. Und die Investmentbanker wären dann die «Rainmaker» der UBS – nicht die Corporate- und Retailbanker.

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