Private Banking: Was erst recht für die Konsolidierung spricht

Nicht nur der SNB-Entscheid befeuert Fusionen unter Schweizer Privatbanken. Auch das bisher wohl wichtigste Hemmnis für mehr Deals verblasst.

Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz weiss es schon. Julius-Bär-CEO Boris Collardi auch: Die lang erwartete Konsolidierungswelle im Swiss Private Banking wird in den nächsten Monaten deutlich an Fahrt gewinnen.

Ist den beiden Schweizer Top-Bankern zu glauben, dann war die letzte Woche erfolgte Übernahme der Basler Privatbank La Roche 1787 durch die St. Galler Bank Notenstein nur der Auftakt zu mehr.

Wie sich zeigt, liegt der Grund dafür nicht nur beim Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom letzten Januar: Die Abkehr vom Mindestkurs zum Euro und die Einführung von Strafzinsen auf Bankeinlagen hatten damals die Kosten-Ertrags-Rate zahlreicher Privatbanken über Nacht massiv verschlechtert.

Faktoren in Fahrt

Vielmehr zeichnet sich ab, dass sich das wohl wichtigste Hemmnis für Übernahmen im hiesigen Private Banking aufweicht – die Preise für übernommene Vermögen sind wieder im Steigen begriffen.

Wie das Westschweizer Wirtschaftsblatt «l'Agéfi» jüngst berichtete, legte der Faktor («Multiple») auf den verwalteten Vermögen, der bei Banken-Deals für die Preisfindung zentral ist, 2014 im Schnitt um gut einen Drittel zu. Laut einer Studie des britischen Analysehauses Scorpio Partnership, die das Blatt zitiert, stieg dieser Faktor von 1,3 Prozent im Jahr 2013 auf 2,1 Prozent im vergangenen Jahr. Im selben Zug bildete sich auch das Preisgefälle zwischen grenzüberschreitenden Vermögen und dem Geld von Schweizer Kunden zurück.

GrafikMA 500

Laut Scorpio Partnership befindet sich das Multiple des Schweizer «Marktes» nun genau auf dem Niveau, das weltweit für die Vermögen von Privatbanken gezahlt wird (siehe Grafik).

Gleichzeitig stellen die britischen Experten fest, dass die Konsolidierung schon 2014 mit hohem Tempo rollte. Mit sechs Fusionen und involvierten Vermögen von rund 138 Milliarden Franken habe das Jahr einen neuen Rekord in der Geschichte des Schweizer Private Banking gesetzt.

2015 öffnet sich der Graben

Mit den zusätzlichen Treibern, die seit Anfang Jahr in Kraft sind, ist davon auszugehen, dass die nächsten Monate das Jahr 2014 in Sachen Konsolidierung wohl noch übertreffen werden.

Dabei dürfte sich das Schweizer Private Banking noch deutlicher in zwei Lager spalten: Hüben das Lager der Grossen Käufer um UBS, Credit Suisse, Julius Bär, Vontobel und Notenstein. Drüben die Kleinen, die weiter ums Überleben kämpfen – oder sich mit einer Nischenstrategie befreien können.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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