HSBC-Skandal: Die Coutts-Käufer wollen den Preis drücken

Es hat immer schon Warnungen gegeben: Die Steuerproblematik erschwere Übernahmen von Schweizer Privatbanken ungemein. Das trifft nun offenbar für gleich zwei Deals zu: Coutts und BSI.

Für die Käufer von Schweizer Privatbanken sind die Risiken nicht von der Hand zu weisen: Sie können nie genau wissen, wie sauber die Kundenvermögen jener Institute tatsächlich sind, die sie übernehmen wollen. Und sie können nicht abschätzen, ob die angepeilte Bank nicht doch Gegenstand einer internationalen Untersuchung oder gar einer Anklage wird.

Wie die britische «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig) am Freitag berichtete, fallen die Steuerpraktiken der Schweizer Banken nun auf gleich zwei laufende Übernahmen von Privatbanken zurück: Coutts International und die BSI.

Mögliche Käufer der Coutts Privatbank sollen den jüngsten Skandal um die HSBC Privatbank genutzt haben, den von der Muttergesellschaft Royal Bank of Scotland (RBS) geforderten Kaufpreis zu senken. Je nach Quelle sind noch die Credit Suisse, die Union Bancaire Privée sowie ein Konsortium der Société Général mit der Singapurer DBS in der letzten Runde des Auktionsprozesses.

Frankenaufwertung als Argument

Offenbar verlangt RBS den stolzen Preis von 1,2 Milliarden Franken für die Bank, welche rund 32 Milliarden Franken Kundengelder verwaltet. Die Bieter hätten zudem die starke Aufwertung des Franken zum Anlass genommen, eine Preissenkung für Coutts zu verlangen.

Denn der starke Franken beeinträchtige die Profitabilität von Coutts. Alle möglichen Käufer hätten einen detaillierten Einblick in die Kundenportfolios erhalten, zur Prüfung möglicher Steuer- oder Geldwäschereiproblematiken.

Coutts-Verkauf nächste Woche?

Die finale Bieterrunde für Coutts steht gemäss «Financial Times» noch bevor. RBS werde noch zwei Bieter zulassen. Das Ergebnis könnte bereits kommende Woche bekannt werden, wenn die britische Bank ihre Jahresergebnisse publiziert.

Wie das Blatt weiter berichtet hat, ist auch die Übernahme der BSI durch die brasilianische BTG Pactual betroffen. Der italienische Versicherer Generali hatte vergangenen Sommer nach zwei Jahren Käufersuche seine Schweizer Bankentochter für 1,5 Milliarden Franken veräussert.

BSI soll von USA durchleuchtet werden

Der Deal ist aber noch nicht ganz in trockenen Tüchern, wie es weiter hiess. Nun werde spekuliert, ob die gesamte Transaktion in Gefahr sei. BSI solle erst einer Untersuchung durch das US-Justizdepartement wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zustimmen.

Es wird zudem erwartet, dass die BSI eine Busse zahlen muss. Liegt der Betrag der Busse über einem bestimmten Wert, müsste Generali Geld in die BSI einschiessen, bevor die Transaktion mit BTG Pactual ganz vollzogen werden könnte.

Gegenüber der britischen Zeitung gab keine der Banken einen Kommentar ab.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
mehr

SELECTION

Selection

Das sind die teuersten Sportwagen

Ferraris, Lamborghinis oder Porsches erregen kaum mehr Aufmerksamkeit, ausser es handelt sich um ein seltenes Modell.

Selection

Die spektakulärsten Bankgebäude der Welt

Die spektakulärsten Bankgebäude der Welt

Eine Expertenjury hat die weltweit 15 beeindruckendsten Firmensitze gekürt.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

weitere News