Wie der HSBC-Chef sein «Boni-Konto» rechtfertigt

Eigentlich wollte HSBC-Chef Stuart Gulliver am Montag die schwachen Jahreszahlen seines Konzerns erläutern und die angepassten Renditeziele. Von Interesse war allerdings primär sein ominöses «Bonus-Konto» bei der Genfer HSBC-Filiale.

Am Montag warf an der Bilanzmedienkonferenz der britischen Grossbank HSBC vor allem eine Meldung grosse Wellen: das geheimnisvolle «Bonus-Konto» des HSBC-CEO Stuart Gulliver (Bild), wie auch finews.ch berichtete.

Das Konto bei der Filiale in Genf diente dem Zweck, seinen jährlichen Bonus vor den Kollegen zu verheimlichen, hiess es.

Nun sind weitere Informationen aufgetaucht. Zudem veröffentlichte der HSBC-Konzern eine Stellungnahme. Darin bestätigte die Bank einen Bericht der britischen Zeitung «Guardian», wonach Gulliver das Schweizer Konto 1998 tatsächlich für die Auszahlung von Boni eröffnet hatte. Und nur aus Vertraulichkeitsgründen seien die Einkünfte über ein panamesische Firma gelaufen, teilte die Bank weiter mit.

Versteckspiel vor Schweizer Kollegen

In anderen Worten: Die panamesische Briefkastenfirma wurde gewählt, damit auch die Schweizer Kollegen nicht sehen konnten, wie viel ihr Chef verdient.

Inzwischen nutze er diese Konstruktion aber nicht mehr, sagte Gulliver an der Bilanzmedienkonferenz am Montag in London. Denn als HSBC-Vorstand sei sein Gehalt ohnehin öffentlich.

Allerdings schweigt sich die Bank weiterhin darüber aus, ob Guillver das Konto über die ganze Dauer deklariert hatte. Sie lässt lediglich ausrichten: Herr Gulliver habe sein Schweizer Konto den britischen Steuerbehörden auf freiwilliger Basis für mehrere Jahre deklariert.

Alles korrekt versteuert

Die HSBC wehrt sich dennoch gegen die Vorwürfe der Steuerhinterziehung ihres Chefs: Seit seiner Versetzung von Hongkong nach Grossbritannien im Jahre 2003 habe Herr Gulliver alle seine weltweiten Einkünfte vollumfänglich in Grossbritannien versteuert, abzüglich einer Gutschrift für die bereits in Hongkong entrichteten Steuern (wo er ebenfalls steuerpflichtig sei) auf die Einkünfte, welche doppelt besteuert wurden.

Non-UK-domiciled Status und Remittance Base Besteuerung hätten zudem keinen Einfluss auf die britische Besteuerung von Herrn Gullivers weltweiten Einkünften durch seine Tätigkeit bei der HSBC.

Geschäftszahlen sorgen für lange Gesichter

Rund um die «Versteckspiele» des HSBC-CEO verkamen die am Montag veröffentlichten Jahreszahlen zu einem Nebenschauplatz. Zum Glück, kann man sagen. Denn sie fielen äusserst schwach aus.

So musste die Grossbank im vergangenen Jahr einen Rückgang des Gewinns vor Steuern um 17 Prozent auf rund 18,7 Milliarden Dollar hinnehmen. Der Markt hingegen erwartete ein um knapp 3 Milliarden Dollar höheres Ergebnis. Vor allem ein Rückgang beim Zinsergebnis und ein schwaches Abschneiden in der Handelssparte belasteten den Konzerngewinn, hiess es.

Bussen drückten auf das Handelsgeschäft

Im Handelsgeschäft schrumpfte der Gewinn um 38 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar. Verantwortlich dafür waren unter anderem milliardenschwere Bussen.

Allein im November hatte die Bank für Manipulationen im Devisenhandel mehr als 600 Millionen Dollar Strafe bezahlen müssen. Und für weitere drohende Geldbussen stellte die Bank nochmals 550 Millionen Dollar zurück.

Finanzziele nach unten angepasst

Die Erträge dürften auch in Zukunft schwach ausfallen. So gestand HSBC-Chef Gulliver am Montag ein, die Bank werde inskünftig weniger profitabel arbeiten wie bisher angenommen. So rechnet man in den kommenden Jahren nur noch mit einer Eigenkapitalrendite von gut 10 Prozent. Bei seinem Amtsantritt 2011 hatte Gulliver dagegen noch eine Rendite von 12 bis 15 Prozent in Aussicht gestellt.

Höhere Eigenkapitalanforderungen und mehr Aufwand für strengere aufsichtsrechtliche Vorgaben machten dieses Ziel jedoch inzwischen unerreichbar, räumte Gulliver ein.

Vor diesem Hintergrund wird Gullivers Lohn gekürzt, und zwar um läppische 5 Prozent auf umgerechnet 11,4 Millionen Franken, liess die Bank mitteilen. 

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