Peter Adekeye: «Banken müssen grosse Datenlecks befürchten»

Sicherheit und Diskretion seien wichtige Wettbewerbsvorteile der Schweizer Banken, doch das könnte sich ändern, warnt der Software-Ingenieur Peter Adekeye. Denn mittlerweile sei jede Banken-IT auf Datenlecks anfällig, und das sei eine grosse Gefahr für den Schweizer Finanzplatz, erklärt der Gründer und CEO der Firma Multiven.

Vergangene Woche machte die Meldung der russischen IT-Sicherheitsfirma Kaspersky weltweit Schlagzeilen: Eine Gruppe von Hackern habe seit 2013 in einem bislang beispiellosen Cyber-Raubzug rund 100 Finanzinstitute um rund 1 Milliarde Dollar erleichtert.

Kaspersky unterstrich in dem Bericht, dass es für die Hacker keine Rolle gespielt habe, welche Software die Banken verwendeten.

Agieren wie die NSA

In einem weiteren Bericht beschreibt nun Kaspersky eine andere Hacker-Gruppe, namens «Equation Group». Diese verfüge über «fast übermenschliche technische Fähigkeiten». Kaspersky dokumentierte in diesem Zusammenhang rund 500 Hacker-Angriffe in 42 Ländern.

Auffällig dabei: Die «Equation Group» nutzte die gleichen Schadprogramme (Malware) wie der US-Sicherheitsdienst NSA. Die Hacker sind damit im Stande, in ein IT-Netzwerk einzudringen und so an vertrauliche Daten zu gelangen.

Auch ein Smartphone ist ein Abhörgerät

«Dieser Punkt ist für Schweizer Banken sehr wichtig», erklärt Peter Adekeye (Bild) im Gespräch mit finews.ch. «Tatsache ist: Die Banken sind angreifbar und das bedeutet eine Gefahr für den gesamten Finanzplatz.»

Adekeye spricht diese Warnungen auch mit einem gewissen Eigeninteresse aus. Denn er ist Gründer und CEO von Multiven. Die Firma bietet unter anderem Schutz vor Attacken aus dem Cyber-Space. Vor dem Gespräch mit finews.ch deponierte er sein Smartphone ausserhalb des Besprechungszimmers – als ob es ein Abhörgerät wäre.

Und das sei es auch, versichert Adekeye. Dabei ist er kein Verschwörungstheoretiker. Adekeye ist Software-Ingenieur. Bis zur Gründung von Multiven im Jahr 2005 arbeitete er beim US-Telekommunikationsunternehmen Cisco in Kalifornien, wo er einer der gefragtesten Ingenieure überhaupt war.

Alle beschaffen sich Kundendaten

Heute baut er sein Unternehmen in der Schweiz weiter aus und ist daran, sich mit Banken eine Kundenbasis zu schaffen. Ein bislang zähes Unterfangen, wie er einräumt. «Viele Banken gehen immer noch davon aus, dass bei ihren IT-Sicherheitssystemen kein Handlungsbedarf besteht», sagt er.

Adekeyes Kernaussage lautet: Jede IT- und Netzwerk-Software – sei sie von Cisco, IBM, Oracle oder von HP – weise Schwachstellen auf, die täglich von Cyber-Kriminellen und ausländischen Regierungen ausgenutzt würden.

Diese Hacker verschafften sich illegalen Zugriff auf die IT-Infrastruktur aller Banken und filterten danach vertrauliche Firmen- und Kundendaten heraus.

Längst hat auch der NSA-Skandal rund um den Whistleblower Edward Snowden gezeigt, dass der US-Sicherheitsdienst NSA Zugriff auf die Datenströme hat, die über Server oder Infrastruktur von US-Unternehmen Cisco oder Apple laufen.

Bloss noch eine Frage der Zeit

Warum also sollte nicht auch die US-Steuerbehörde IRS oder das amerikanische Justizdepartement Zugriff auf solche Daten erhalten? In der Konsequenz müssten Banken also ihre Daten besser schützen, folgert Adekeye. «Es ist keine Frage mehr, ob es zu einem grossen Datenleck bei irgendeiner Schweizer Bank kommt, sondern bloss noch, wann», sagt der Unternehmer.

Auf seine Warnungen hin hätten die bislang angesprochenen Finanzinstitute eher zurückhaltend und skeptisch reagiert, erzählte er weiter. «Viele Banken erklärten mir, dass ihre Einrichtungen konform (compliant) seien und den Anforderungen der Finma entsprächen.»

IT-Operator beliefert auch die NSA

Höchst problematisch findet Adekeye allerdings, dass eine Grossbank ihre IT-Netzwerk-Operationen an ein US-Unternehmen ausgelagert habe, das auch die NSA beliefere.

Auf Grund der Nachlässigkeit in Sachen Cyber-Sicherheit laufe der Schweizer Finanzplatz Gefahr, seine Standortvorteile zu verlieren, sagt Adekeye, nämlich die politische Sicherheit sowie die physische Sicherheit, die ein Schweizer Bankkonto der Klientel bisher bot.

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NEWS GANZ KURZ

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

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