Hat sich das Banker-Bashing abgenutzt?

Wenn die Schweizerische Bankiervereinigung das Image der Banken untersucht, könnte man meinen, dass das Resultat schon von Anfang an fest steht. Doch die Resultate überraschen – insbesondere was das Bankgeheimnis anbelangt.

Im Frankreich steht die UBS unter Verdacht, ihren Kunden aktiv bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Dem Vontobel-Banker Jürg Hügli droht ein Prozess in Deutschland, weil er den verurteilten Steuerbetrüger Uli Hoeness betreute. Und bei der Bank J. Safra Sarasin kam es im vergangenen Herbst zu einer Grossrazzia, und auf Grund der Probleme in Deutschland sah sich Vize-CEO Eric Sarasin genötigt, zurückzutreten; selbst wenn nach wie vor die Unschuldsvermutung zutrifft.

Dies sind nur einige Beispiele, die weiten Kreisen der Bevölkerung glauben machen, dass die Finanzbranche sie vor allem in kriminelle Machenschaften verwickelt. Normalerweise schaden solche Meldungen dem Ansehen der ganzen Branche. Umso überraschender ist somit eine im Januar durchgeführte Umfrage im Auftrag der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Höchster Wert seit Finanzkrise

Daraus geht nämlich hervor, dass das Ansehen der Branche als Ganzes im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Jeder zweite Schweizer (51 Prozent) hat eine sehr positive oder positive Einstellung zu den Schweizer Banken. Dies ist sogar der höchste Wert seit Ausbruch der Finanzkrise. Befragt hat die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) insgesamt 1'000 Teilnehmer im In- und Ausland.

Die Umfrageresultate stehen offensichtlich im Einklang mit der Einschätzung von UBS-Vermögensverwaltungschef Jürg Zeltner. Gegenüber der finews.ch und der «Weltwoche» sagte er im vergangenen Januar, dass er eine gewisse Sättigung in Sachen «Banker-Bashing» feststelle und eine Rückkehr des Vertrauens in die Banken beobachte.

Kriminelle Praktiken

Mit dem neu ausgebrochenen HSBC-Skandal im Februar dürfte das Image allerdings wieder ein paar Kratzer erhalten haben. Ein Journalisten-Netzwerk namens «Swiss Leaks» förderte damals zutage, dass nicht wenige Kunden der HSBC-Geschäftsstelle in Genf in Steuerhinterziehungs-Praktiken, Terrorfinanzierung, Drogen- und Waffenhandel involviert waren. 

In der Bankgeheimnis-Debatte, die in jüngster Zeit etwas abgeflacht ist, kommen die Autoren der Studie ebenfalls zu einer interessanten, wenn nicht gar überraschenden Feststellung: Schweizerinnen und Schweizer wollen, dass ihre finanzielle Privatsphäre gegenüber Dritten geschützt bleibt.

Bankgeheimnis in neuem Licht

Exakt 85 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus. Diese Einstellung zieht sich durch alle Altersgruppen und politischen Lager. Bei den 18- bis 29-Jährigen ist die Zustimmung mit 89 Prozent sogar noch höher. Im Rahmen der aktuellen Umfrage wurde auch erstmals gefragt, ob und wie Steuerdaten von Schweizer Kundinnen und Kunden innerhalb der Schweiz in Zukunft ausgetauscht werden sollen (Informationsaustausch im Inland).

Die Meinung darüber ist geteilt. Die aktuell gültige Regelung findet mit 41 Prozent die grösste Unterstützung. Etwa ein Fünftel (21 Prozent) ist der Meinung, dass Steuerpflichtige sich für oder gegen einen direkten Informationsaustausch zwischen ihrer Bank und den Steuerbehörden entscheiden können sollten.

Rund ein Drittel (34 Prozent) spricht sich für die Abschaffung des Bankgeheimnisses im Inland aus. Diese Zahlen zeigen, dass Schweizerinnen und Schweizer die Zukunft des Bankgeheimnisses im Inland differenziert betrachten.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Die spektakulärsten Bankgebäude der Welt

Die spektakulärsten Bankgebäude der Welt

Eine Expertenjury hat die weltweit 15 beeindruckendsten Firmensitze gekürt.

Selection

Selection

Die USA, das neue Steuerparadies

Milliarden von Offshore-Geldern fliessen in die USA - die Vereinigten Staaten sind die neue Schweiz.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News