ZKB: Die Swisscanto-Übernahme endet in Schmerzen

Bei der Integration des Fondshauses Swisscanto baut die Zürcher Kantonalbank nun offenbar doch sehr viele Stellen ab. Betroffen sind vorab Swisscanto-Mitarbeiter. Die bei anderen Staatsinstituten in Aussicht gestellten Jobs gibt es offenbar nicht, wie Recherchen von finews.ch ergaben.

Die Würfel sind gefallen: Die Kantonalbanken-Tochter Swisscanto geht in den alleinigen Besitz der Zürcher Kantonalbank (ZKB) über, wie die diversen Staatsinstitute am Dienstagabend vermeldeten.

Ebenfalls mit diesem März endet das, was ZKB-Chef Martin Scholl bei der seinerzeitigen Ankündigung des Swisscanto-Kaufs im vergangenen Dezember als «die Übernahme des Besten beider Welten» bezeichnete. Er meinte damit, dass sich bei «Doppelspurigkeiten» zwischen Swisscanto und dem Asset Management der ZKB die betroffenen Mitarbeiter beider Seiten neu bewerben müssten.

ZKB-Personal verschont?

Soweit die Ansage. Wie aber Personen, die mit dem Übernahmeprozess vertraut sind, berichten, hat beim internen Bewerbungsprozess grösstenteils das Swisscanto-Personal den Kürzeren gezogen. So stehe fest, dass mehrere Dutzend, wenn nicht gar mehr, der rund 400 Swisscanto-Mitarbeiter nicht mehr weiter bei der ZKB beschäftigt werden, wie jene Quellen wissen.

Auf eine genaue Zahl wollte sich niemand offiziell festlegen. Fest steht aber auch: Den «eingeweihten» Personen ist nicht bekannt, dass es im Rahmen dieser Integration zu Entlassungen von ZKB-Leuten gekommen ist.

Auch bei der ZKB selber wollte man auf Anfrage von finews.ch keine Zahlen zum Abbau nennen. Ein Sprecher bestätigte jedoch, dass es Entlassungen geben werde. «Wir führen zwei Einheiten zusammen, bei denen es Überlappungen gibt», begründete er den Entscheid. Für den Fall, dass Stellen wegen Doppelspurigkeiten wegfielen, sei eine Vielzahl an Massnahmen wie Kündigungsschutz, vorzeitige Pensionierungen oder Bewerbungscoaching vorgesehen.

Das Versprechen der 200

Zudem wiederholte der Sprecher, was ZKB-Chef Scholl schon im vergangenen Dezember erklärt hatte: Es würden alternative Stellen bei der ZKB oder bei anderen Kantonalbanken angeboten.

Einst war diesbezüglich von rund 200 Vakanzen innerhalb der Kantonalbanken-Gruppe die Rede gewesen. Staatsbanker fernab der Schweizer Ballungszentren liessen damals durchblicken, dass dies für ihre Häuser eine einmalige Chance sei, «Asset-Management-Talente» in die Region zu locken.

Für Swisscanto-Leute keine Vakanzen

Eine kurze Umfrage von finews.ch bei diversen Kantonalbanken hat nun aber Ernüchterndes zutage gefördert. «Bei uns bestehen zur Zeit keine Vakanzen, die für Swisscanto-Mitarbeitende interessant sein könnten», hiess es etwa bei der Luzerner Kantonalbank (LUKB). Seit der Ankündigung des Verkaufs von Swisscanto habe man auch keine Swisscanto-Mitarbeitende übernommen.

Auch aus Bern kam eine Absage. «Wir haben keine Stellenprozente reserviert», antwortete die Berner Kantonalbank (BEKB) auf die Anfrage von finews.ch. Offene Stellen würden mit den dafür «am besten geeigneten» Bewerbern besetzt. Auch die St. Galler Kantonalbank (SGKB) hielt klipp und klar fest: «Bei der Bank sind keine entsprechenden Stellenprozente reserviert.»

Mit anderen Worten: Um die 200 versprochenen Vakanzen scheint es nicht zum Besten bestellt zu sein. Derweil ist auch nicht bekannt, dass die Investment-Spezialisten, die bei Swisscanto in den vergangenen Wochen überzählig wurden, zu einer Kantonalbank gefunden hätten.

Die Geschichte wiederholt sich

Fest steht indes, dass die Leitung des um Swisscanto vergrösserten ZKB-Asset-Managements auch von ZKB-Managern bestritten wird: Iwan Deplazes wird die stark gewachsene Sparte der Staatsbank künftig führen. Swisscanto Chef-Gérard Fischer sowie Peter Bänziger, der beim Fondshaus das Asset Management leitete, werden nach der vollständigen Übergabe des Geschäfts im Laufe dieses Jahres aus dem Unternehmen ausscheiden.

Damit deutet alles daraufhin, dass die Übernahme beim Staatsinstitut nicht viel sanfter über die Bühne geht als anderswo im Swiss Banking. Wie bei der Integration der Privatbankentochter Clariden Leu in die Credit Suisse im Jahr 2011 gilt vor allem: das Recht des Stärkeren.

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