Warum sich Broker wie CIA-Agenten fühlen

Dieses Jahr droht den Investmentbanken ein Aderlass bei ihren Brokern. Die Vorbereitungen für die Selbständigkeit sind so heikel, dass die Händler manchmal zu Geheimdienstmethoden greifen.

Seit die Investmentbanken immer stärker reguliert werden, laufen ihnen die Broker davon. Die grössten vier Investmentbanken verloren zwischen 2008 und 2013 rund 7 Prozent des Marktes an unabhängige Broker, zitiert die Nachrichtenagentur «Reuters» aus einem Research-Bericht von Cerrulli Associates (bezahlpflichtig).

Doch das soll erst der Anfang sein. Innert fünf Jahren werden laut Cerulli die unabhängigen Broker den Markt kontrollieren. Den Grossbanken droht somit ein wichtiges Geschäft zu entgleiten.

Bonus-Programme laufen aus

Dieses Jahr ist besonders heikel für die Banken. Denn in Häusern wie Morgan Stanley, UBS oder Bank of America laufen jene Bonus-Programme aus, die für Broker 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise aufgesetzt worden waren, um sie bei der Stange zu halten. Darum wird in der Branche allgemein ein Aderlass befürchtet.

Nun herrschen in den Handelsabteilungen von Investmentbanken aber raue Sitten. Will dort ein Broker sein eigenes Geschäft aufzuziehen, muss er äussert behutsam vorgehen. Denn bekommt sein Arbeitgeber Wind davon, droht die sofortige Kündigung. Damit soll vermieden werden, dass Kunden zum neuen Konkurrenten abwandern.

Nur nach Einbruch der Dunkelheit

Um unentdeckt zu bleiben, schliessen Broker Geheimhaltungsverträge mit Unternehmen ab, die ihnen beim Firmenaufbau helfen. Zudem betreten sie nur nach Einbruch der Dunkelheit ihren zukünftigen Firmensitz. Und wie sich zeigt, finden immer mehr von ihnen zu solchen Undercover-Methoden.

«Wir haben uns wie CIA-Agenten gefühlt», sagt Lester H. Botkin zu «Reuters». Er, sein Vater Lester P. Botkin und weitere Broker haben in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania kürzlich ihr eigenes Brokerage-Geschäft aufgezogen. Zuvor arbeiteten die Händler bei Morgan Stanley und generierten im letzten Jahr 1,6 Millionen Dollar an Kommissionen für die Investmentbank. 

Androhung von Lohneinbussen

Um nicht aufzufliegen, brachten die Botkins ausserhalb ihres künftigen Firmengebäudes sogar ein Schild an. «Wunderschönes Gebäude zu verkaufen» hiess es dort. Und sie demontierten es erst, nachdem sie eingezogen waren.

Offenbar ist der Exodus auch hausgemacht. Gemäss Lester P. Botkin soll Morgan Stanley von ihren Brokern verlangt haben, Kunden mit höheren Transaktionsgebühren zu schröpfen. Und wer dieser Direktive nicht folge leistete, wurde mit Lohneinbussen bestraft. Morgan Stanley dementierte diese Praxis gegenüber «Reuters».

 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Wie Sie eine Kündigung richtig verarbeiten

Wie Sie eine Kündigung richtig verarbeiten

So reagiert man perfekt, wenn man plötzlich den blauen Brief kriegt.

Selection

Selection

Das sind die teuersten Sportwagen

Ferraris, Lamborghinis oder Porsches erregen kaum mehr Aufmerksamkeit, ausser es handelt sich um ein seltenes Modell.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News