Kantonalbanken: Diese Chefs verdienen am meisten

Wer sind die Spitzenverdiener und wer die Verlierer unter den CEO der Kantonalbanken? In der Hackordnung hat es Veränderungen gegeben: Erstaunlicherweise spielt der Röschtigraben da eine besondere Rolle.

Zürich als Hochburg der Bankerlöhne? Das Bild bekommt Risse, wenn man die Cheflöhne der Kantonalbanken betrachtet. Vielmehr scheint sich eine Art «Röstigraben» in der Landschaft der CEO-Löhne bei den Kantonalbanken aufzutun.

Dies legen die Zahlen zu den Salären an den Bankspitzen nahe, die finews.ch auf Grund der verfügbaren Geschäftsberichte und Angaben zu den Vergütungen aufgelistet hat. Berücksichtigt wurden sämtliche Zahlungen inklusive Sozialleistungen und Pensionskassenbeiträge.

Sogar mit Abstand

Die Rangliste zeigt klar, dass am Genfersee, wo die Genfer Kantonalbank (BCGE) und die Waadtländer Kantonalbank (BCV) ihren Sitz haben, die Bankenchefs am besten verdienen – sogar mit Abstand.

Spitzenverdiener 2014 war Blaise Goetschin, CEO der BCGE. Er war auch der einzige, der die Marke von 2 Millionen Franken knackte. Dieses Privileg war im Jahr zuvor seinem Kollegen von der Waadtländer Kantonalbank, Pascal Kiener, zugefallen.

Hier das Ranking:

KB CEO Lohne

Das sind die sieben auffälligsten Merkmale:

1. Spitzenduo vom Genfersee

Die These vom «Röstigraben» lässt sich zwar nur auf Grund der Löhne von Blaise Goetschin und Pascal Kiener erhärten. Angaben zu den Kantonalbanken im Wallis und in Neuenburg fehlen noch.

Aber der Graben ist nicht neu, und er ist im Jahresverlauf tiefer geworden. Das liegt einerseits an der Vergütungspolitik bei der BCGE, welche Goetschin für seine 2014 erbrachten Leistungen um annähernd 500'000 Franken höher entlöhnte als 2013. Den Ausschlag machten ein deutlich höherer Bonus und Aktienzuteilungen.

Pascal Kiener musste im Vergleich zu 2013 zwar eine Einbusse von fast 400'000 Franken hinnehmen, doch gehört er mit gut 1,9 Millionen Franken zum Spitzenduo.

Dieses scheint sich vom Rest der Kantonalbanken-CEO abzusetzen. Auf der anderen Seite des Grabens nähert sich der Lohn von Martin Scholl, dem Chef der Zürcher Kantonalbank, eher dem Niveau seiner Deutschschweizer Kollegen an – Scholl musste 2014 eine Lohneinbusse von rund 100'000 Franken auf knapp 1,6 Millionen hinnehmen.

2. Club der Lohn-Millionäre wächst

Der Club der Lohn-Millionäre unter den Kantonalbanken-Chefs wächst hingegen: Neben den drei oben Genannten gehören auch Pascal Niquille (Zuger Kantonalbank), Roland Ledergerber (St. Galler Kantonalbank), Peter Hinder (seit November 2014 nicht mehr CEO bei der Thurgauer Kantonalbank, aber noch voll bezahlt), Hanspeter Rüfenacht (BEKB) sowie Guy Lachapelle (Basler Kantonalbank) und Beat Oberlin von der Basellandschaftlichen Kantonalbank dazu.

3. Aufbruch bei der BKB – auch beim Cheflohn

Anhand des erweiterten Millionärs-Clubs lässt sich auch eine Gesamtentwicklung ablesen: Die Chefs der Kantonalbanken haben 2014 mehrheitlich besser verdient – teilweise sogar viel besser.

Den grössten Lohnsprung machte neben Chef der BCGE der Basler Kollege Guy Lachapelle, der 2013 noch auf knapp 700'000 Franken gekommen war. Die Basler Kantonalbank ist vom Krisenmodus der beiden Vorjahre 2014 definitiv wieder auf die Strasse des Wachstums und Ausbaus zurückgekehrt.

Weiter ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die BKB im Geschäftsjahr 2013 Rückstellungen von rund 100 Millionen Franken für den Steuerstreit mit den USA tätigte. Das hatte zur Folge, dass die Boni über die ganze Bank um durchschnittlich 50 Prozent gekürzt wurden, was wiederum erklärt, weshalb das Salärpaket von Lachapelle im Jahr 2014 wieder deutlich anstieg.

Mehr verdient haben 2014 auch Alois Vinzens von der Graubündner Kantonalbank, Hanspeter Rhyner von der Glarner Kantonalbank sowie Bertrand Valley von der Banque Cantonale du Jura.

Diese Entwicklung widerspricht dem Trend bei den Privat- und Grossbanken, wo die CEO-Löhne seit zwei Jahren nicht mehr höher geschraubt werden.

4. Gute Arbeit in schwierigem Zinsumfeld

Der Lohnanstieg der Kantonalbanken-CEO findet in einem laufend anspruchsvoller werdenden Umfeld statt: Das Zinsgeschäft ist zwar nach wie vor die Haupteinnahmequelle der Staatsinstitute. Doch ist das Geldverdienen hier auf Grund der schwindenden Zinsmarge nicht mehr so einfach wie in der Vergangenheit.

Die Resultate der Kantonalbanken im letzten Geschäftsjahr spiegeln dies nur auf den zweiten Blick. Die Gewinnentwicklung der Banken insgesamt war ordentlich bis gut, trotz teilweise kräftigen Rückgängen im Zinsgeschäft.

Die Bankenchefs haben demnach gut gearbeitet, um die Rückgänge zu kompensieren, sei es durch Kostenmassnahmen oder den Ausbau anderer Geschäftsbereiche. Dies wurde von den Vergütungskomitees belohnt.

5. Wann ist ein Lohn marktgerecht?

Die grossen Diskrepanzen bei den Löhnen werfen die Frage auf, auf welcher Basis in den einzelnen Kantonalbanken die Salärpakete der Chefs geschnürt werden. Die Grösse eines Staatsinstituts ist offenbar kein allgemeingültiges Kriterium – auch wenn es in diversen Banken ganz oben angeführt wird.

Denn mit Blaise Goetschin von der BCGE oder Pascal Niquille von der Zuger Kantonalbank sind zwei Chefs unter den Spitzenverdienern, deren Banken in Bezug auf die Anzahl Mitarbeiter und die Höhe des Bruttogewinns im Mittelfeld sind.

Alle Banken wollen markt- und wettbewerbsgerechte Löhne zahlen. Die Saläre in den Geschäftsleitungen werden regelmässig von unabhängigen Spezialisten überprüft und verglichen. Dadurch lassen sich zwar eklatante Salärunterschiede zwischen einer Jurassischen und einer Genfer Kantonalbank plausibel erklären.

Genf ist im Vergleich zum ohnehin eher strukturschwachen Jura eine Finanzmetropole. Doch auch diese Erklärung greift zu kurz, müssten dann Martin Scholl und Pascal Kiener mit Abstand die Spitzenverdiener sein.

6. Vorsicht: Lohndeckel!

Es gibt – neben Kiener und Scholl – noch einen weiteren Verlierer: Rudolf Dellenbach von der Aargauischen Kantonalbank (AKB). Sein Lohn stagnierte im Vergleich zum Vorjahr, obwohl die Bank 2014 das beste Resultat ihrer Geschichte erzielt hat. Gehörte Dellenbach in den Vorjahren noch zu den Topverdienern unter den Kantonalbanken-Chefs, ist er nun von einigen Kollegen überholt worden.

Der Grund dafür mag politisch sein: Der Grosse Rat im Kanton Aargau möchte eine Lohndeckelung für die Geschäftsleitung der AKB bei 600'000 Franken durchsetzen. Aus diesem Grund hat der Bankrat wohl Vorsicht walten lassen und Dellenbachs Lohn nicht erhöht.

7. Politik nimmt Einfluss

Kantonale politische Gremien können je nach Besitzverhältnissen erheblichen Einfluss auf die Saläre in den jeweiligen Geschäftsleitungen nehmen. Eine Regel scheint: Wo sich Investoren über den Kapitalmarkt am Bankerfolg beteiligen können, sind die Saläre nach oben offener.

Aber nicht unbedingt: Der Lohn von ZKB-Chef Martin Scholl wird teilweise vom Kantonsrat bestimmt, der über das Entschädigungsreglement der Bank entscheidet. Auch im Zürcher Kantonsrat war schon über einen Lohndeckel für die ZKB-Geschäftsleitungsmitglieder diskutiert worden, wie auch im Grossen Rat des Kantons Thurgau.

Auf eine gesetzliche Beschränkung der Spitzensaläre wurde zwar jeweils verzichtet. Doch mit den Vorstössen machen die Politiker klar, dass sie über einen starken Kontrollmechanismus verfügen. Deutlich wird dies auch an den jährlichen Auftritten der Kantonalbankenchefs vor den Kantonsparlamentariern.

Vielfach müssen die Chefs mehr Rechenschaft über ihre Saläre ablegen, als über den Gewinnbeitrag der Bank zu Handen der Staatskasse.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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