Swisspartners forcieren Geschäft mit US-Kunden jetzt erst recht

Der Vermögensverwalter Swisspartners sorgte vor gut einem Jahr mit seiner überraschenden Einigung im US-Steuerstreit für Schlagzeilen. Nun erklärt Swisspartners-CEO Markus Wintsch gegenüber finews.ch, warum er ausgerechnet im US-Geschäft wachsen will – und warum Steueroptimierungen auch in der Weissgeld-Ära gefragt sind.

Anfang Mai 2014 richteten sich die Augen der ganzen Schweizer Bankenszene auf einen kleinen Zürcher Vermögensverwalter: Swisspartners, damals noch eine Tochter der Liechtensteinischen Landesbank (LLB), einigte sich damals völlig überraschend mit den USA im Steuerstreit.

Gegen die Zusicherung von Straffreiheit hatte der Vermögensverwalter dem US-Justizministerium mehr als 100 Kundendossiers übermittelt und eine Busse von 4,4 Millionen Dollar gezahlt.

Der Fall Swisspartners war damit Vorläufer des heutigen US-Programms und gleichzeitig Vorbote für das, was wenig später der Credit Suisse widerfahren sollte: Die Grossbank wurde noch im gleichen Monaten in den USA zu einer Strafzahlung von 2,5 Milliarden Franken wegen Beihilfe zu Steuervergehen verdonnert.

«Keine Restanzen»

In der Branche blickte man deshalb mit einem gewissen Argwohn auf den kleinen Vermögensverwalter. Weil Swisspartners eben keine Bank waren, hatten sie beim Deal mit den Amerikanern zwar nicht gegen das Bankgeheimnis verstossen. Dennoch standen mögliche Ermittlungen der Bundesanwaltschaft sowie eine Verletzung von Standesregeln zumindest im Raum, wie damals die «Neue Zürcher Zeitung» berichtete.

Das sei inzwischen alles alter Kaffee, erklärt Swisspartners-CEO Markus Wintsch (Bild) gegenüber finews.ch. Es gebe keine Restanzen aus der Einigung mit den USA, beteuert der Manager. Mehr noch: Swisspartners, die vergangenen März vom Mutterhaus LLB ans Swisspartners-Management veräussert wurden, wittern ausgerechnet im Geschäft mit US-Kunden wieder ein enormes Potenzial.

Grossteil der Player unrentabel

«Mit der SEC-lizensierten Tochter Swisspartners Advisors betreuen wir weiterhin aus der Schweiz heraus vermögende amerikanische Kunden», so Wintsch. Nun sähen Swisspartners erhebliche Wachstumschancen und könnten sich sogar vorstellen, andere solche Gesellschaften in der Schweiz zu übernehmen.

Denn um das Geschäft mit reichen Amerikanern rentabel zu betreiben, brauche es rund 1 Milliarde Franken an Assets, kalkuliert Wintsch. Und das brächten in der Schweiz in dem Bereich nur Institute wie Vontobel, Pictet und UBS auf die Waage.

Swisspartners Advisors verwalten ihrerseits rund 400 Millionen Franken von etwa 80 US-Kunden. «Wir sind der Meinung, dass es in diesem Bereich eine Konzentration der Kräfte geben muss», sagt Wintsch. Die neu enstandenen Player könnten dann das Potenzial umsetzen. «Generell erwarten wir, dass amerikanische Kunden vermehrt Vermögen ausserhalb den USA und speziell nach Europa und in die Schweiz diversifizieren», so der Swisspartners-CEO.

Zusammenschlüsse unter Unanbhängigen?

Zukaufen könnten Swisspartners aber auch unter den kleinen unabhängigen Vermögensverwaltern in der Schweiz, wie Wintsch weiter ausführt. Hierzulande gebe es rund 50 unabhängige Vermögensverwalter mit einem Personalbestand von mehr als zehn Mitarbeitenden und Vermögen von mehr als 1 Milliarde Franken.

Für Partnerschaften sei jedoch nicht nur eine gemeinsame Strategie von Bedeutung, sondern auch die Chemie, so Wintsch. Deshalb seien im Vorfeld intensive Gespräche notwendig. «Seit unserer neu gewonnenen Unabhängigkeit haben wir denn auch schon mit einzelnen Mitbewerbern einen entsprechenden Gedankenaustausch begonnen.»

Swisspartners verwaltet derzeit rund 4 Milliarden Franken an Kundenvermögen – leicht weniger als noch Ende 2013 unter dem Dach der LLB. Derweil ist die Zahl der Mitarbeitenden von damals 100 auf mittlerweile 75 gesunken.

Gefragte Optimierungen

Während jedoch rundherum die Schweizer Vermögensverwaltung im Umbruch ist, bleiben Swisspartners ihrem angestammten Geschäft treu: Dazu gehören weiterhin Steueroptimierungen und Strukturierungen für vermögende internationale Kunden, Lebensversicherungs-Lösungen sowie die Planung des Generationenwechsels.

Auch das erstaunt auf den ersten Blick. Denn Steueroptimierungen und Strukturierungen gelten eigentlich als Geschäfte jener vergangenen Ära, als noch niemand im Swiss Banking von der «Weissgeld-Strategie» sprach.

«Wir verstehen unter Steueroptimierung eine Steigerung der Rendite nach Steuern», erklärt Wintsch den Ansatz von Swisspartners. Und dafür gebe es definitiv eine Nachfrage. «Es wird nicht nur immer schwieriger, eine nachhaltige Performance zu erwirtschaften», sagt der Swisspartners-CEO.

Auch die Steuerbelastung auf Vermögen und Erträgen nehme weiter zu. Natürlich müsse dabei sichergestellt werden, dass die angebotenen Produkte gesetzeskonform seien und blieben. «Deshalb ist diese Dienstleistung nicht günstig, denn es geht nicht nur um den Abschluss, sondern um eine nachhaltige Betreuung im sich verändernden Umfeld», so Wintsch.

Kein Interesse an Asien

Mit diesen Diensten zielt Swisspartners auch weiterhin auf eine europäische Kundschaft, die sie im grenzüberschreitenden Geschäft bedient. Asien, den Nahen Osten sowie den grössere Teil von Lateinamerika hat der Vermögensverwalter – auch dies ganz im Gegensatz zum Rest der Branche – kategorisch als Märkte ausgeschlossen.

Auch hier weiss Wintsch zu begründen. «Wir konzentrieren uns auf wenige Märkte, deren Regulierung wir verstehen, für die wir uns die notwendigen Lizenzen erarbeitet haben, und in denen wir über ein Netzwerk verfügen».

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Der Hedgefondsanbieter Gottex hat die Publikation seiner Halbjahreszahlen verschoben. Das Unternehmen begründet die Verschiebung mit einem Verzug in den Verhandlungen um eine zweite Finanzierungstranche nach den Rekapitalisierungs-Massnahmen vom Sommer.

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