Das grosse Verpacken

Wegen der SNB-Strafzinsen werden die Barbestände von Kunden zur schweren Belastung für die Schweizer Privatbanken. Deshalb schlägt jetzt die Stunde der Anbieter, die hier Abhilfe schaffen können.

Bonbon©Shutterstock

Württemberger 160Sven Württemberger(Bild links) trifft sich derzeit fast täglich mit Private Bankern. Sie alle wollen dasselbe vom Chef von iShares Deutschschweiz, der auf den Vertrieb von Indexfonds spezialisierten Tochter des amerikanischen Vermögensverwaltungs-Giganten Blackrock. Nämlich ein Gegenmittel, um den Folgen der Negativzinsen beizukommen.

Das Problem ist seit letztem Januar akut. Damals hob die Schweizerische Nationalbank (SNB) nicht nur die Kursuntergrenze zum Euro auf. Sie führte gleichzeitig auch Strafzinsen auf den Barbeständen ein, welche die Banken in Massen bei ihr lagern.

Die Krux mit dem Cash

Die Massnahme traf die kleineren Schweizer Privatbanken und Vermögensverwalter mit voller Wucht. Wie deren Branchenverbände Anfang Jahr warnten, sind sie samt und sonders vom SNB-Strafzins betroffen. Dies deshalb, weil bei ihnen die so genannte Freigrenze zur Anwendung von Strafzinsen vergleichsweise tief liegt. Und umso leichter überschritten wird, weil die Private-Banking-Kunden derzeit so viel Bargeld halten.

Genau diese Krux treibt die Vermögensverwalter nun zu Württemberger.

Flucht ins Schliessfach

Denn geben sie den SNB-Strafzins an die Kunden weiter, wie es etwa die grossen Player Julius Bär und Pictet tun (letztere nur bei institutionellen Kunden ab 1 Million Franken Vermögen), gehen die Emotionen hoch. Erboste Kunden kehren der Bank den Rücken oder verstauen ihr Bargeld in Schliessfächern. In beiden Fällen sind die Gelder dann für die Rechnung der Bank verloren.

Nehmen die Vermögensverwalter hingegen den Strafzins aufs eigene Buch, schmelzen die sowieso schon dünneren Margen in Windeseile dahin.

Nicht ganz Bares

Umso dringender gesucht sind deshalb Anlagevehikel, die über Cash-ähnliche Liquidität und Sicherheit verfügen, aber eben nicht Cash sind – und deshalb auch nicht den Negativzinsen unterliegen. «Cash-Conversion» heisst die wundersame Verwandlung im Jargon der Branche.

Damit schlägt die Stunde jener Anbieter, die genau solche Produkte zu bauen verstehen. «Infolge der Negativzinsen auf Barbeständen von privaten und institutionellen Kunden bei Banken ist die Cash-Conversion in den Brennpunkt des Tagesgeschäfts von Schweizer Asset Managern gerückt», sagt iShares-Schweiz-Chef-Württemberger gegenüber finews.ch.

Spezialisten im Stress

Seine Spezialisten würden derzeit einen Grossteil ihrer Zeit damit verbringen, institutionellen Kunden und Banken diesbezüglich zu beraten und entsprechende Cash-like-Produkte aufzusetzen, erklärt Württemberger.

Er weiss, was gefragt ist. «Meist werden die gewünschten Eigenschaften über eine Kombination von Geldmarkt-Fonds mit Zinsprodukten erreicht.»

Auch der Platzhirsch ist dabei

Die Rezeptur kennt man auch bei der UBS, dem Platzhirsch im Schweizer Asset Management. «Durch das negative Zinsumfeld und die regulatorischen Rahmenbedingungen beobachten wir derzeit ein wachsendes Interesse an Geldmarktfonds mit sehr kurzen Laufzeiten», heisst es bei der Grossbank.

Um der Kundennachfrage gerecht zu werden, arbeitet das Global Asset Management der Bank aktuell an Geldmarktfonds mit kürzeren Laufzeiten, wie es weiter heisst.

Ein Fall für Aladdin

iShares ist also nicht die alleinige Profiteurin des «grossen Verpackens». Doch ist sie zweifellos jene Anbieterin, welcher hier am meisten zu gewinnen hat.

So kann iShares hier das geballte Gewicht der Mutter Blackrock in die Waagschale werfen, der grössten Vermögensverwalterin der Welt. Blackrock verfügt über die riesige Marktdaten-Plattform Aladdin (siehe dazu den lesenswerten Beitrag im deutschen «Handelsblatt»), die Möglichkeiten zuhauf bietet, um die Risiken und Chancen von Wertschriften einzuschätzen und entsprechende Angebote abzuleiten.

Disruptive Wirkung?

Doch das ist noch nicht alles. «Für iShares bietet das gegenwärtige Umfeld eine Gelegenheit, sich vom Baustein-Lieferant zum Lösungs-Anbieter zu wandeln», erklärt Württemberger. Die Negativzinsen könnten es Blackrock demnach erlauben, nicht nur näher an den Kunden heranzurücken, sondern ein weiteres Stück Wertschöpfung an sich zu ziehen.

Was das bedeutet, sagte jüngst Philipp Rickert, Partner beim Beratungsunternehmen KPMG, an einer Konferenz zum Private Banking in Zürich. «Blackrock versucht, sich ins Privatkundengeschäft einzuschalten», so der Banken-Kenner. «Wenn dies gelingt, könnte die Wirkung für die Schweizer Branche disruptiv sein.»

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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