Schweizer Regionalbanken: Die bequemen Zeiten sind vorbei

Oliver Jaussi, Bank Zimmerberg, David Sarasin, Bank Linth, Claude Baumann, finews.ch, Andreas Buri, Clientis AG, Hans Peter Portmann, LGT Bank und FDP-Nationalrat, Aymo Brunetti, Ökonom und Leiter im Beirat Zukunft Finanzplatz Schweiz (v.l.n.r.)

Die Zahl der Regionalbanken ist in den vergangenen 25 Jahren von 204 auf 63 gesunken. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, sagen selbst die Betroffenen und geben sich dennoch überraschend zuversichtlich.

(Textelemente: Holger Geissler Bilder: Sandra Blaser)

Die Zahl der Regionalbanken sank in den vergangen 25 Jahren um fast 70 Prozent, wie der neusten Erhebung des Investmentportals für Nebenwerte «schweizeraktien.net» zu entnehmen ist.

Im letzten Jahr nahm das Bilanzsummen-Wachstum zwar noch um 3,6 Prozent auf insgesamt 107,6 Milliarden Franken zu. Doch gleichzeitig waren die Erträge der Schweizer Regionalbanken rückläufig, und zwar um 1,2 Prozent. Diese Entwicklung ist nicht verwunderlich in Anbetracht des letztjährigen Tiefzinsumfelds, das sich inzwischen sogar in ein Negativzinsumfeld gewandelt hat.

Willkommen 1

Und mit einem Anteil von 77,5 Prozent macht das Zinsengeschäft für die Regionalbanken nach wie vor einen substanziellen Anteil am Geschäftsmix aus; immerhin konnte dieses Geschäftsfeld in den vergangenen Jahren zu Gunsten des Anlagegeschäfts etwas reduziert werden, machen doch die Erträge aus Kommissionen und Dienstleistungen bei den Regionalbanken im Durchschnitt bereits 13,6 Prozent aus – früher lag dieser Wert im einstelligen Bereich.

Tiefere Zinsmarge

An dem «Branchentalk Regionalbanken» vom Dienstagabend in Zürich (Bilder) war überdies zu erfahren, dass die Direktoren der meisten Institute im laufenden Jahr von einer deutlich tieferen Entwicklung der Zinsmarge ausgehen.

Nachdem 2014 noch 100 Prozent der Befragten mit einer Steigerung der Marge in drei bis fünf Jahren gerechneten hatten, gehen jetzt nur noch 66,7 Prozent der Bankmanager von einer höheren Marge in fünf Jahren aus.

Grösse relativiert sich

Klare Aussagen machten die Bankdirektoren auch zur Branchenentwicklung: 97 Prozent rechnen mit einer weiteren Abnahme der Zahl der Regionalbanken im Zeitraum der nächsten zehn Jahre.

Publikum 1

Allerdings hängt die erfolgreiche Entwicklung einer Regionalbank nicht zwingend von der Grösse ab, wie die Umfrage zeigt. So gibt es zahlreiche kleine Banken, die seit Jahren sehr gute Zahlen ausweisen.

Bisweilen tiefe Kosten

So konnten etwa die Spar- und Leihkasse Wynigen und die Ersparniskasse Affoltern im Emmental, beides kleine Bankhäuser mit Bilanzsummen von weniger als 250 Millionen Franken, in den vergangenen Jahren stets sehr tiefe Cost-Income-Ratios (Kosten-/Ertrags-Verhältnis) ausweisen.

Ebenfalls mit einer sehr tiefen Cost-Income-Ratio warten die Hypothekarbank Lenzburg und die AEK Bank 1826 auf, die beide mit Bilanzsummen von über 3 Milliarden Franken zu den grossen Regionalbanken gehören.

CI 500

Wechselbad der Gefühle

Weitaus nicht alle Regionalbanken können solche positiven Zahlen ausweisen, wie die durchschnittliche Cost-Income-Ratio von 61,4 Prozent im vergangenen Jahr zeigt. Daher verwundert es auch wenig, dass die Zahl der Regionalbanken in den vergangenen Jahren zurückging und mittlerweile bei 63 liegt.

Den Erwartungen der Bankdirektoren zufolge wird sie noch weiter sinken wird. Dennoch sind nicht alle Vertreter von Regionalbanken entsprechend pessimistisch.

Verunsicherte Kunden

Die anhaltenden Skandale in der Finanzbranche würden allen Banken tatsächlich schaden, doch in dem Zusammenhang sei festzuhalten, dass die Auslöser der Verwerfungen nicht die Regionalbanken seien, sondern die Grossbanken hiess es am Donnerstagabend weiter.

Oliver Jaussi 501

Die Grossbanken wiesen von Quartal zu Quartal erheblich unterschiedliche Geschäftsgänge aus, zahlten mitunter enorme Bussen, die von den Finanzmarktteilnehmern unterschiedlich bewertet würden und zu teilweise erheblichen Schwankungen der Kurse führten. Dies verunsichere die Kunden, was gerade für Regionalbanken positiv sei, erklärte etwa Oliver Jaussi (Bild oben), CEO der Bank Zimmerberg

Negatives Image

David Sarasin 503

Kunden würden sich von den Grossbanken abwenden und zu Regionalbanken wechseln. Als schade bezeichnete es der Chef der Bank Linth, David Sarasin (Bild oben), dass man sich als Banker erst entschuldigen und erklären müsse, was genau man mache, um dem herrschenden negativen Image zu begegnen.

Gegen die grossen Marktplayer Credit Suisse und UBS können die Regionalbanken tatsächlich wenig ausrichten. Wie die Umfrage von «schweizeraktien.net» zeigt, sind die Regionalbanken mit ihrem Geschäftsverlauf allerdings grossmehrheitlich zufrieden.

Kerngeschäft wächst

Andreas Buri 502

Als wichtig bezeichnete Andreas Buri (Bild oben), CEO der Clients AG, dass die Regionalbanken bei ihrem angestammten Geschäftsfeld blieben. Deren Kerngeschäft sei das Hypothekargeschäft, das traditionsgemäss gewachsen sei. In diesem Bereich verfügten die Institute über eine sehr hohe Kompetenz.

Als Fazit des Abends liess sich unter den Teilnehmern heraushören: Für die kleinen Banken ist es wichtig, dass sie ihre Hausaufgaben erledigen. Dann können sie weiterhin erfolgreich sein.

Besuch 1

Zwingende Anpassung

Diese Aufgaben bestehen darin, das Kerngeschäft Hypotheken stetig an die Marktverhältnisse anzupassen und die Kosten im Griff zu halten. Angesichts des aktuellen Zinsumfelds ist zudem wichtig, die Mittelverwaltung adäquat durchzuführen.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Selection

Wo sich ein MBA am meisten lohnt

Hier haben MBA-Absolventen ihre Studiengebühren am schnellsten wieder verdient.

Selection

Selection

Die USA, das neue Steuerparadies

Milliarden von Offshore-Geldern fliessen in die USA - die Vereinigten Staaten sind die neue Schweiz.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News