Fabio Castrovillari: «Die Schweiz hat eine Sonderstellung»

Der US-Vermögensverwalter Neuberger Berman gibt gegenüber finews.ch ein Bekenntnis zum Schweizer Standort ab und sucht zusätzliches Personal – den Negativzinsen sowie der hohen Bargeld-Quote bei vielen institutionellen Kunden sei Dank.  

Als sich Neuberger Berman 2009 von der inzwischen eingegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers mittels Management-Buyout (MBO) abspaltete, verwalteten die Amerikaner weltweit 157 Milliarden Dollar an Kundengeldern. Sechs Jahre später sind es 100 Milliarden Dollar mehr, also rund 260 Milliarden Dollar.

Leider weist Neuberger Berman die Entwicklung der Kundengelder auf Länderebene nicht aus. Doch die Schweiz zählt laut Fabio Castrovillari (Bild) zu den Kernmärkten der Gruppe.

Weiterer Personalausbau

Dass es der hiesigen Niederlassung rund läuft, zeigt zum einen auch die Entwicklung des Nettoneugelds. Im letzten Jahr flossen Neuberger Berman in der Schweiz 15 Prozent mehr Mittel als 2013 zu. «Dieses Jahr erwarten wir einen ähnlich hohen Neugeldzufluss», sagt Castrovillari im Gespräch mit finews.ch.

Viel investiert hat das Unternehmen hierzulande in zusätzliche Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr erhöhte sich der Personalbestand von vier auf sieben Beschäftigte. Doch dabei soll es nicht bleiben. «In den kommenden Wochen werden wir eine weitere Person einstellen», sagt der Tessiner Castrovillari

Schweiz hat Sonderstellung

Verläuft das Wachstum in der Schweiz wie geplant, «werden wir den Personalbestand mittelfristig auf bis zu zwölf Mitarbeiter aufstocken», erklärt Castrovillari. 

Dass die Schweiz innerhalb der Neuberger-Berman-Gruppe mittlerweile eine zentrale Rolle spielt, zeigt auch der Vergleich mit anderen Niederlassungen in Frankreich, den Niederlanden oder in Italien. Dort beträgt der durchschnittliche Personalbestand drei bis vier Personen.

Aussergewöhnlich ist auch die lange Verweildauer der Mitarbeiter bei diesem Asset Manager. Seit 2009 beträgt die Fluktuationsrate geringe 3 Prozent (annualisiert), derweil der Branchenschnitt bei 10 bis 15 Prozent liegt. Der tiefe Wert ist auch dem Umstand geschuldet, dass die weltweit 2’100 Mitarbeitenden an der Firma beteiligt sind.

Schweiz zieht Asset Manager an

Neben Neuberger Berman haben auch andere Asset Manager ihre Präsenz in der Schweiz jüngst auf- oder ausgebaut. So gab am (heutigen) Mittwoch die schottische Standard Life Investments die Eröffnung eines Büros in Zürich bekannt, und auch der britische Asset Manager Old Mutual Global Investors fasste in der Limmatstadt Fuss.

Der französische Vermögensverwalter Carmignac Gestion hat unlängst seine Präsenz in Zürich ausgebaut, wie finews.ch hier berichtete.

Hohe Cash-Quoten

Für Castrovillari kommt diese Entwicklung nicht überraschend. «Der Investitionsbedarf institutioneller Kunden ist angesichts der nach wie vor hohen Cash-Quoten sehr hoch. Und das Negativzins-Regime verstärkt den Investitionsbedarf zusätzlich.»

Neuberger Berman unterstreicht die Wichtigkeit des Schweizer Finanzplatzes auch dadurch, dass sich das Unternehmen für die öffentliche Vertriebslizenz bei der Finma beworben hat. Zudem hat die Gesellschaft unlängst ihre Rechtsform von einer ausländischen Zweigniederlassung in eine Schweizer GmbH mit Sitz in Zürich umgewandelt.

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