Sergio Ermotti: «Das ist total unfair»

UBS-Chef Sergio Ermotti lehnt im Libor-Fall eine Mitverantwortung des Top-Managements ab. Die Manipulation des Zinssatzes sei nicht auf die Organisation in der Bank zurückzuführen, sondern auf das kriminelle Verhalten einzelner Mitarbeiter.

UBS-CEO Sergio Ermotti (Bild) hat eine klare Haltung zur Mitverantwortung der obersten Leitung im Libor-Skandal. «Ich bin froh, persönlich Verantwortung zu tragen, für etwas, das in meiner Organisation strukturell falsch war», sagte der 55-Jährige am Donnerstag an einer Konferenz über Verhaltensstandards. Das «Wall Street Journal» hat darüber berichtet.

Und Ermotti weiter: «Aber nicht für Menschen, die bei einer erlaubten Geschwindigkeit von 30 Meilen pro Stunde, 50 Meilen fahren.» Die möchte der Schweizer Bankmanager lieber im Gefängnis sehen.

Auf den Libor-Fall angesprochen sagte er: «Die Bank hat daraus gelernt und wir halten uns daran». Der Banker warnte aber gleichzeitig davor, das Top-Management für Fehler zu bestrafen, die aus der unteren Hierarchie stammen. Damit weist Ermotti indirekt eine Mitverantwortung für Delikte ab, die von seinen Angestellten begangen werden.

Was Banker nach einem Skandal wollen

Er räumte ein, was passiert sei, «nicht zu rechtfertigen ist». «Aber 99,9 Prozent der Banker haben nicht das Gefühl, einer kriminellen Vereinigung anzugehören», verteidigte er seine Zunft.

Banker wollten in erster Linie den Ruf ihres Unternehmens wiederherstellen, so der Bankchef weiter. Deshalb sei es «total unfair, zu behaupten, man habe in der Branche nichts aus den Skandalen gelernt».

Oswald Grübel sähe das anders

Für die Beteiligung an der Manipulation des Referenzzinses Libor hat sich die UBS in den USA schuldig bekannt und eine Strafe von 203 Millionen Dollar bezahlt. Zusätzlich akzeptierte die Grossbank eine dreijährige Bewährungsperiode, wie auch finews.ch berichtete.

Dass auch ein anderer Umgang mit Skandalen möglich ist, bewies 2011 ein früherer UBS-Chef. Als die Bank im Fall Adoboli Milliardenverluste hinnehmen musste, nahm Oswald Grübel den Hut. Für ihn sei klar, dass er als CEO die volle Verantwortung trage, schrieb er damals.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
mehr

SELECTION

«Die Quartalsergebnisse verfehlten die Erwartungen»

«Wegen der zunehmenden Regulierung»

Es gibt Finanz-Sprüche, die wir dauernd hören ? obwohl sie nichts sagen. Hier einige Highlights.

Selection

Selection

Wo Banker am meisten verdienen

Noch immer kommen die Investmentbanker beim Lohnvergleich im Banking gut weg.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

weitere News