Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam: Totengräber im Investmentbanking?

Mit dem Antritt von Tidjane Thiam als CEO der Schweizer Grossbank Credit Suisse hatten viele Medien und Branchenleute ein Blutbad im Investmentbanking prognostiziert. Zu unrecht, wie sich jetzt zeigt.

Klingt einer so, der zum Totengräber des Investmentbanking werden will? «Wenn wir unser Engagement in den USA aufgäben, wäre das, wie wenn wir mit einem hinter dem Rücken festgebundenen Arm kämpften», sagte der frischgebackene Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam (Bild) am Wochenende zur britischen «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig).

Keine Marionette der Investoren

Und machte damit deutlich, dass er die bei der Credit Suisse (CS) immer noch übermächtige Investmentbank nicht einfach nur deshalb zusammenhaut, weil Investoren das so fordern.

Ihm sei es zwar sehr wichtig, die Anliegen der Anleger zu verstehen, sagt der neue Chef der zweiten Schweizer Grossbank. «Aber das heisst nicht unbedingt, dass wir genau die Entscheide treffen, welche die Investoren erwarten.»

Damit stellt sich Thiam vor die 10'000 Mitarbeiter, die in den USA für die CS tätig sind – der Löwenanteil von ihnen Investmentbanker. Analysten wie Medien hatten seit der Ernennung Thiams erwartet, das dieser nach seinem Antritt als allererstes bei der Investmentbank das Messer ansetze.

Der Einheit weist die CS nämlich weiterhin 60 Prozent ihres Kapitals zu – während die Vermögensverwaltung derzeit weitherum als Geschäft der Zukunft für Grossbanken gilt. Das stösst den Anlegern sauer auf.

Starke Bilanz notwendig

Doch wie sich zeigt, denkt Thiam anders als seine Beobachter. Wie auch finews.ch bereits analysierte (etwa hier und hier), gibt es Massnahmen, die bei der Credit Suisse näher liegen und vor allem der internen Politik besser entsprechen als ein brutaler Rückbau der Investmentbank.

So etwa die Aufstockung des Eigenkapitals. Gegenüber dem britischen Finanzblatt blieb der CS-CEO diesbezüglich zwar vage. Angesichts der neuen Bankgesetze sei es unwahrscheinlich, sagte Thiam, dass die Bank künftig weniger Eigenkapital halte als heute. Gegenüber der Schweizer «Neuen Zürcher Zeitung» wurde der Top-Banker jedoch konkreter: «Eine starke Bilanz ist eine absolute Notwendigkeit, sonst liegt der Fokus nicht auf der Geschäftsentwicklung.»

Auch Private Banke müssen zittern

Bezüglich künftiger Spar- und Abbaumassnahmen taktiert Thiam geschickt. Wie er in der «Financial Times» ankündigte, werde er das Kapital der Bank nach Kriterien der Wirtschaftlichkeit verteilen. «Wir werden bei unserer Auswahl ohne Gnade vorgehen. Aber wer keine Probleme bei der Performance aufweist, hat nichts zu fürchten», versprach der CS-Chef.

Was nicht anderes bedeutet, als dass die Axt auch CS-Private-Banker treffen kann, wenn diese die gesteckten Ziele nicht erreichen. Zur Ruhe kommt die Grossbank damit noch (lange) nicht.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nackfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Auf diese zehn Leute sollten Sie 2016 achten

Das sind die Vertreter des Schweizer Finanzplatzes, die in diesem Jahr für Furore sorgen werden.

Selection

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Ideen aus fünf Kontinenten für die Bank der Zukunft.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

weitere News