Banker-Boni: Jetzt droht die Kralle

Die jahrelange Debatte um die Millionen-Vergütungen von Bankchefs zeigt Wirkung. Jetzt sprechen sich sogar die Finanzinstitute selber für teils drastische Massnahmen aus, wie eine Umfrage zeigt.

Kralle©Shutterstock

Neue Vorschriften, aufmüpfige Aktionäre und nicht zuletzt die hitzig geführte Debatte um die «Banker-Boni» haben der Branche offensichtlich zugesetzt. So wagen es immer weniger Banken, die Millionen-Vergütungen fürs Top-Management durch dick und dünn zu verteidigen. Noch mehr: Gerade in Europa will eine Mehrzahl der Institute den Boni mit teils einschneidenden Massnahmen zu Leibe rücken.

Dies legt jedenfalls eine aktuelle, auch in der Schweiz durchgeführte Studie des Personal-Beratungsunternehmen Mercer nahe. Demnach überarbeiten aufgrund der schwierigen Marktbedingungen weltweit 78 Prozent der befragten Banken die Vergütungsprogramme für ihr Top-Management.

In Grossbritannien auf zehn Jahr verlängert

Neben der Erhöhung des Fixlohn-Anteils am Gesamtsalär finden dabei auch zunehmend drastischere Massnahmen Zustimmung bei den Banken. So votierte fast jedes zweite Institut dafür, Bonus-Malus- und Clawback-Regelungen bei der Entlöhnung ihrer CEO zum Einsatz zu bringen (siehe Grafik).

Clawback 500

Während die Überwälzung von Verlustphasen auf die Löhne der Chefs teils auch am Schweizer Finanzplatz angewendet wird, birgt das so genannten Clawback – also die Rückforderung schon ausbezahlter Boni  – reichlich Zündstoff.

In Grossbritannien werden Clawbacks seit 2014 von den Aufsichtsbehörden durchgesetzt. Dort ist es Banken möglich, bis auf sieben Jahre zurück ausbezahlte Vergütungen zurückzuholen. Und erst kürzlich wurde die Rückhole-Frist auf zehn Jahre hinaus verlängert. In der EU sind derweil Regeln in Kraft getreten, welche die Boni-Zahlungen im Banking auf maximal die Höhe des Fixlohns begrenzen.

Bereits im Werkzeugkasten

In der Schweiz stimmen seit Annahme der Minder-Initiative die Aktionäre obligatorisch über die Lohnpolitik «ihrer» Unternehmen ab («say on pay»). Clawbacks hingegen sind (noch) nicht ein vom Gesetzgeber vorgeschriebenes Instrument. Allerdings sehen Selbstregulierungs-Initiativen wie der «Swiss code of best practice for corporate governance» unter dem Patronat des Wirtschaft-Dachverbands economiesuisse den Einsatz zumindest vor.

Dennoch ist zu erwarten, das in diesem Umfeld künftig auch Schweizer Banken vermehrt zur «Kralle» greifen könnten.

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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