CS-Grossaktionär stichelt gegen UBS

Die US-Firma Harris Associates gehört zu den bestimmenden Aktionären der Credit Suisse. Der Anlagechef David Herro hat klare Erwartungen an CEO Tidjane Thiam – und kann sich Seitenhiebe gegen die UBS nicht verkneifen.

Als Aktionär der Credit Suisse (CS) brauchte man in den letzten Jahren eine dicke Haut. Das musste auch Chicagoer Vermögensverwalter Harris Associates erfahren, seit er Anfang 2013 als Aktionär der Credit Suisse die meldepflichtige Schwelle von 3 Prozent überschritten hat.

Die Kursentwicklung der CS hinkt sowohl jener des Swiss Market Index als auch jener der Rivalin UBS deutlich hinterher. Inzwischen halten Harris Associates über 5 Prozent an der CS und sind damit der drittgrösste Aktionär.

Taschenspielertrick der UBS

Aber Harris-Anlagechef David Herro (Bild) übt sich in Geduld. Er sieht mit dem neuen CEO Tidjane Thiam den Silberstreifen am Horizont. Er ist grundsätzlich vom Geschäftsmodell der CS mit den zwei Einheiten Investmentbank und Private Banking/Wealth Management überzeugt, wie er im Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» (Artikel bezahlpflichtig) am Freitag sagte.

An der UBS solle sich die CS jedenfalls nicht orientieren. Herro will keinen strategischen Vorsprung bei der UBS erkennen, weil sie ihre Investmentbank geschrumpft hat. «Die UBS hat einen kleinen Taschenspielertrick gemacht», sagt er. «Die riskanten Anlagen wurdem von Investment Banking in den Kern verlagert. Sie sind also immer noch da, nur anders verpackt.»

Ein Fettnäpfchen nach dem anderen

Er wolle zwar nicht sagen, dass die UBS kein gutes Unternehmen sei. Aber er würde nicht in sie investieren, aufgrund ihrer im Vergleich zur CS deutlich höheren Bewertung.

Die Bewertung der beiden müsse mindestens gleich hoch sein, findet er. «Berücksichtigt man zudem, dass die Credit Suisse im Gegensatz zur UBS nicht in ein Fettnäpfchen nach dem anderen tritt, dann wäre sogar eine Prämie gerechtfertigt.»

Genaue Analysen gefordert

Herro gibt deutlich durch, was er von Thiam erwartet: Eine genaue Analyse aller Geschäfte in der Investmentbank. Bereiche, welche ihre Kapitalkosten nicht erwirtschaften, sollen abgestossen werden. Reiche dies nicht, wäre Harris «aller Wahrscheinlichkeit nach» bereit, eine Kapitalerhöhung mitzumachen.

Und Akquisitionen? «Wenn sich eine gute Gelegenheit ergibt, warum nicht?» sagte Herro. Doch auch hier gelte: Eine Akquisition müsse zwingend langfristig von ökonomischem Nutzen sein für die Bank. Damit ist Herro auf der Linie von CS-CEO Thiam, der keine überstürzten Handlungen vornehmen will.

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