Tidjane Thiams zehn Leitsätze

Noch ist unklar, wohin der neue Credit-Suisse-Chef die Bank führen wird. Klarer ist hingegen, welchen Prinzipien er sich verpflichtet fühlt. Hier sind zehn Leitsätze von Tidjane Thiam.

Foto©Keystone

1. «Autorität kommt von unten, oder nur als Team erringt man einen Sieg»

Viel über Führung und Zusammenarbeit hat Tidjane Thiam beim Basketball gelernt. Auf dem Spielfeld sei man in einer Mannschaft zu fünft, und nur, wenn sich alle gegenseitig respektierten und motivierten, könne man einen Sieg erringen, sagt der 1,93 Meter grosse Afrikaner. Autorität komme von unten, darum sei es wichtig, ein gutes Team zu bilden.

2. «Nur wer im Heimmarkt Erfolg hat, kann auch international punkten»

Auch bei diesem Grundsatz zieht Tidjane Thiam den Sport zu Hilfe: Als erklärter FC-Arsenal-Fan und Freund von Trainer Arsène Wenger sagt der Banker: «Um auswärts zu punkten, muss man zuerst einmal heimstark sein. Denn wer will sich schon im Ausland mit einem Unternehmen einlassen, das zu Hause keinen Erfolg hat?»

3. «Kommunikation ist das A und O jeder erfolgreichen Tätigkeit»

Kaum war Tidjane Thiam im Amt bei der CS, hatte er bereits mit einem Grossteil (40 Prozent) der Aktionäre sowie mit wichtigen Kunden persönlich gesprochen, und ab September will er auch intensiv mit den CS-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Schweiz auf Tuchfühlung gehen. Mit anderen Worten: Thiam gibt nicht den abgehobenen CEO, sondern den nahbaren Unternehmenschef, der sich auch in London, während seiner Zeit bei Prudential, nie zu schade war, die «Underground» zu benützen.

4. «Wer hastet, zahlt früher oder später den Preis dafür»

Als langjähriger Manager weiss Tidjane Thiam selber am besten, dass Zeit Geld ist. Allerdings tendiert er nicht zu Schnellschüssen. Darum spielt es für ihn auch keine Rolle, ob die neue Strategie der CS bereits im September oder erst im Dezember steht. In fünf Jahren wird mich niemand danach fragen, wann genau ich meinen Plan präsentiert habe. Man wird mich am Erfolg messen.» Darum mahnt Thiam auch gerne zur Besonnenheit, indem er sagt: «If you rush, you pay the price later.»

5. «Im Vermächtnis mancher Firmen steckt viel Potenzial»

Was sein Vorgänger Brady Dougan vielleicht etwas vernachlässigt hat, ist für Tidjane Thiam umso wichtiger, nämlich die inzwischen mehr als 150-jährige Geschichte der Credit Suisse (Gründungsjahr 1856). Denn damit verbunden ist das Lebenswerk von einem der grössten Unternehmer in der Schweizer Geschichte: Alfred Escher. Von diesem Vermächtnis verspricht sich der traditions- und geschichtsbewusste Thiam einiges, um die Credit Suisse glaubwürdig und stolz auf die Erfolgsstrasse zurückzuführen, wie er bereits verschiedentlich zum Ausdruck gebracht hat.

6. «Als Chef muss man authentisch sein»

Im Gespräch mit Tidjane Thiam wird schnell klar, dass man es da mit einem emotionalen Menschen zu tun hat – im positiven Sinne. Doch egal, wie man sich gebe, sagt der CS-Chef, die Leute hätten ihre eigenen Massstäbe, um das, was man sage oder tue, nach ihrem Gutdünken zu interpretieren. Eine Gabe jedoch hätten die Menschen überall auf der Welt, nämlich zu erkennen, ob jemand authentisch sei oder nicht. Und davon leite sich letztlich die ganze Glaubwürdigkeit ab.

7. «So schnell haut mich nichts um»

In seiner langen Karriere war Tidjane Thiam auch Minister der Elfenbeinküste – seinem Heimatland. Nach einem Staatsstreich stellten ihn die Aufständischen unter Hausarrest. «Ich verlor alles», stellte er später fest. Sechs Monate lang habe er weder einen Job, noch irgendwelche Karriereaussichten gehabt, überhaupt nichts. So habe er viel über sich erfahren. «Einmal in einer solchen Situation gibt es nicht mehr viel, wovor man sich später noch fürchten muss», sagt Thiam.

8. «Ich habe kein Problem damit, aufzufallen»

Als frankophoner Schwarzafrikaner von annähernd zwei Meter Grösse fällt Tidjane Thiam in der Öffentlichkeit zwangsläufig auf. Doch damit hat er kein Problem. Im Gegenteil, so fällt es ihm leicht, von einer Welt in die andere zu wechseln – etwa wenn er nach einer Direktionssitzung direkt an einen Arsenal-Match geht oder an ein Pop-Konzert.

9. «Das grösste Wachstum ist dort, wo am meisten Menschen leben»

Weil er in seinem Jahrgang (1962) an der französischen Elitehochschule, der École nationale supérieure des mines de Paris, als einer der besten abschloss, erhielt er Mitte der 1980er-Jahre die Möglichkeit, drei Monate in China zu verbringen. Das habe ihm die Augen geöffnet, sagte er unlängst im kleinen Kreis. Von da an sei ihm auch klar gewesen, dass Asien, namentlich China, der wichtigste Wachstumsmarkt der Welt sei.

Das erklärt denn auch Thiams geschäftliche Affinität für den Fernen Osten – wo man bisweilen gar nicht unterscheiden könne, ob nun Sonntag oder Montag sei, denn dort werde fortdauernd gearbeitet. «Der Kuchen», sagte der CS-Chef unlängst auch und meinte damit den asiatischen Markt, «wächst schneller als man ihn überhaupt essen kann.»

10. «Ich glaube immer zuerst einmal an Selbsthilfe»

Bereits vor seiner Amtsübernahme war in Bankkreisen davon die Rede, ob, wann, und wie Tidjane Thiam eine Kapitalerhöhung durchführen würde, um der Bank zu neuer Gestaltungskraft zu verhelfen. Doch vielleicht waren diese Fragen verfrüht. Denn der CS-Chef setzt immer zuerst einmal auf Selbsthilfe anstatt sich in neue Abhängigkeit zu begeben. Dass ihm mit dieser Haltung auch gelegentlich Gegenwind ins Gesicht bläst, kontert er mit der Feststellung: «Die beste Art, Zähne zu zeigen, ist zu lächeln.»

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

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Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

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Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

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Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

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