Julius Bär in Deutschland: Trendwende und dennoch tiefrot

Geschäftsstelle von Julius Bär in Frankfurt am Main

Julius Bär hat mit grossem Aufwand die Präsenz in Deutschland ausgebaut. Die Onshore-Strategie trägt nun Früchte: Die Kundenvermögen steigen zweistellig. Doch unterm Strich schaut nach wie vor kein Gewinn raus.

Vergangenes Jahr hatte es Heiko Schlag, Chef von Julius Bär Europe, prominent angekündigt: Die Zeiten, in denen Julius Bär im deutschen Markt Jahr für Jahr zweistellige Millionenbeträge verbrannt habe, seien vorbei. Die Bank werde 2014 operativ erstmals die Gewinnschwelle erreichen und fortan Gewinne schreiben.

Wie der kürzlich veröffentlichte Geschäftsbericht der Julius Bär Europe jedoch zeigt, hat sich nur eine Ankündigung Schlags verwirklicht. Es stimmt: Das Privatkundengeschäft in Deutschland hat im vierten Quartal 2014 schwarze Zahlen geschrieben.

Auch 2015 nochmals tiefrot

Aber für das gesamte Jahr 2014 hat die Bank erneut einen zweistelligen Millionenverlust verbuchen müssen, nämlich 12,2 Millionen Euro. Und sie wird 2015 nochmals tiefrote Zahlen vorlegen, wie im Geschäftsbericht weiter zu lesen ist.

Die Bäume wachsen für Julius Bär im wichtigen deutschen Markt also noch immer nicht in den Himmel – aber die Trendwende hat die Bank tatsächlich eingeleitet. Dass die Gewinne bis mindestens 2016 weiterhin ausbleiben, liegt nicht am Kerngeschäft, dem Private Banking in Deutschland. Die Gründe sind andere.

Darum auch der Name

Mit der Übernahme von Merrill Lynch verwaltet Julius Bär in Frankfurt nun auch die Vermögen der EU-Kunden – darum auch der Name der auf das Deutschlandgeschäft fokussierten Tochter Julius Bär Europe.

Die Auswirkungen der Übernahme machen sich immer noch in den hohen Integrations- sowie den Projektkosten für den Aufbau des neuen Kernbankensystems bemerkbar. Immerhin sind diese Kosten im Vergleich zu 2013 merklich gesunken.

Hohe Abschreibungen

Aber auch im laufenden Jahr werden die Auswirkungen der Merrill-Lynch-Übernahme noch in die Rechnung einfliessen: Zwar erwartet die Bank durch die Depotführung der EU-Kundenvermögen einen positiver Ergebnisbeitrag.

Doch seien die Abschreibungen auf den Erwerb der Merrill-Lynch-Kunden noch so hoch, dass das EU-Custody-Geschäft 2015 mit einem Verlust abschliessen werde. Hohe Kosten wird zudem erneut die Migration des IT-Systems auf die Avaloq-Plattform verursachen.

Mehr Kunden

Die Zahlen zeigen aber auch: Im Onshore-Markt Deutschland hat Julius Bär definitiv Fuss gefasst. Davon zeugen nicht nur die inzwischen acht Standorte in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Kiel, Mannheim, München, Stuttgart und Würzburg. Dort generiert Julius Bär inzwischen auch viel Neukundengeschäft, vor allem mit Unternehmern und reichen Familien.

Die Bank steigerte auch die Anzahl Neukunden um 25 Prozent und die verwalteten Vermögen um 22 Prozent. Die Höhe der verwalteten Vermögen sind unter Verschluss. Aber gemäss früheren Aussagen darf man davon ausgehen, dass es inzwischen mehr als 5 Milliarden Euro sind.

Beratung weiter ausbauen

Erträgsmässig zeigte sich dies in einer massiven Steigerung der Erlöse von 137 Prozent auf gut 79 Millionen Euro. Julius Bär will das Wachstum weiterhin im zweistelligen Bereich halten und ist bereit, an den einzelnen Standorten weitere Kundenberater anzustellen. Ende 2014 beschäftigte Julius Bär Europa 164 Angestellte.

Die Bank fühlt sich nach bald zehn Jahren Präsenz in Deutschland angekommen und wahrgenommen, wie es auch intern heisst. So wird im Geschäftsbericht auch auf das Vermögensverwalter-Ranking des deutschen Magazins «Wirtschaftswoche» verwiesen, das auf der Basis von Portfolio-Performances erstellt wurde.

Negative Performance auf Kundenvermögen

Julius Bär belegte in allen Kategorien vordere Ränge. Ihr defensives Portfolio sei gar mit dem zweiten Platz ausgezeichnet worden, schreibt die Bank. Für ihr Kunden punktete Julius Bär mit hohen Renditen im vergangenen Jahr allerdings nicht.

Insgesamt war die Marktperformance auf den verwalteten Vermögen negativ. Dem Minus von 0,6 Prozent steht ein Plus von 2 Prozent im Jahr 2013 gegenüber.

Wann sich die hohen Ausgaben im deutschen Markt für Julius Bär tatsächlich auszahlen werden, steht in den Sternen. Neben den Investitionen zahlte die Bank 2011 auch 50 Millionen Euro Bussgeld für ihr Offshore-Geschäft mit unversteuerten deutschen Kundengeldern.

Nur eine Bank hat Erfolg

Aber die Privatbank hat mit der Übernahme der Merrill-Lynch-Kunden eine kritische Masse erreicht, die ein so grosses Netz von Standorten rechtfertigt. Nur die UBS ist ähnlich breit im deutschen Private-Banking-Markt zugegen.

Diese schrieb aber auch 2014 einen massiven Verlust in Deutschland, wie auch die Bank Vontobel. Kein Millionengrab ist der deutsche Markt bislang nur für eine Schweizer Bank: Die Genfer Pictet. Sie erzielt in Deutschland inzwischen Gewinne jenseits der 100 Millionen Euro.

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